03. Februar 2005
Eine Business-Meldung dieser Woche hat mich irgendwie nachhaltig schockiert:
AT&T wird für 16 Milliarden US$ von SBC Communications gekauft.

Das ist mehr als einfach nur wieder einmal eine weitere Merger-Meldung (wie sie derzeit wieder in Mode zu kommen scheinen). Dass AT&T nach der grössenwahnsinnigen Strategie der 90er Jahre schon seit Jahren vor sich hinserbelt, wusste man natürlich schon lange. Stück um Stück wurde verkauft, und das passt natürlich auch in die starke Konsolidierungstendenz der Telco-Branche.
Aber AT&T ist nicht irgendeine Telekommunikationsfirma. Es ist die Firma, die ursprünglich das Telefon erfunden hat. Und den Transistor. Den Fax. Unix. Die Grundlagen der digitalen Datenkommunikation.
Wie kann eine solche Legende plötzlich zum hilflosen Akquisitionsopfer werden, das sich für einen relativ lächerlichen Preis verkaufen muss? Die Antwort (you guessed it…): Konvergenz.
AT&T ist (ironischerweise) hauptsächlich Opfer des Eindringens von Informationstechnologie in den Herrschaftsbereich der Telcos geworden. In den guten alten Zeiten besass derjenige, der das Netz kontrollierte, fast uneingeschränkte Macht über die Telekommunikation.
In manchen Ländern soll das ja bis heute so sein, trotz etwas Deregulierung. Seit Packet Switching allgemein und insbesondere Voice over IP (VoIP) immer bedeutsamer wird, verschiebt sich das Gewicht der Kräfte: Das Netz weiss gar nicht mehr viel über die transportieren Daten, es kontrolliert darum nicht mehr die Services und wird zur Commodity.
Die primäre Intelligenz liegt plötzlich bei den Endgeräten, die
dank schlauer Software sehr flexibel immer neue Services anbieten können. Voice-Telefonie gibt es dabei auch, aber eigentlich nur am Rande. Die multifunktionalen, IP-basierten Endgeräte von heute sind längst nicht mehr mit der alten Circuit-Switching-Architektur mit ihrer unflexiblen 1:1-Verbindung zufriedenzustellen. In dieser neuen Welt braucht es schlanke, schnelle Netzwerkanbieter und keine Dinosaurier, die noch unter der Trägheit ihrer halbstaatlichen Vergangenheit leiden. Schade für AT&T.
Interessanterweise scheint da gerade das pure Gegenteil von dem zu passieren, was z.B.
Larry Ellison und
Scott McNealy jahrelang prophezeit haben: Die Endgeräte werden eben
nicht dümmer, und die ganze Intelligenz wandert
nicht ins Netz, sondern genau das Gegenteil passiert. Auch Google, bisher einer der eifrigsten Promotoren von web-basiertem Computing,
sieht das offenbar so. P2P, iPod, Smartphones, Wireless LAN usw.: Fast alle erfolgreichen neuen Konzepte der letzten paar Jahre haben mit intelligenten Endgeräten zu tun. Den alten Telcos, die immer noch viele Milliarden in ihr schönes neues UMTS-Netz investieren, wird es langsam etwas mulmig.