04. Februar 2005
Mein Leben mit UMTS – Teil 2
Nun geht es ans Eingemachte: Die Telcos versprechen Live-TV und Videokonferenzen per UMTS-Handy. Kann das wirklich wahr sein?
Den Test der Videotelefonie müssen wir auf ein anders Mal verschieben. Leider kenne ich derzeit schlicht niemanden, der schon ein UMTS-Handy hat, und mit sich selbst kann man leider nicht telefonieren. Aber ich hab mir sagen lassen, dass die Sache funktioniert, wenn auch in mittelmässiger Qualität. Die grössere Frage ist natürlich, wer eigentlich Videotelefonie unterwegs wirklich braucht.
Aber andererseits: 1996 hat auch kein Mensch geglaubt, dass mal Leute 160 Zeichen lange Messages mit riesiger Mühe über eine fummelige Telefontastatur eingeben würden.
OK, wie ist es nun mit TV und Video? Die Swisscom bietet bisher eine Auswahl der gängigsten TV-Sender und eine (kleine) Selektion von kurzen Videoclips aus allen möglichen Themenbereichen an. Also flott zu „Live-TV“ navigiert, schliesslich zeigt uns die Telco-Industrie in vielen Werbespots, wie toll Fernsehen per Handy sein wird.
Erstmal ein Schock, ein Preisschock: 4 Franken soll eine halbe Stunde Handy-TV kosten. Für 12 Franken kann man sogar einen ganzen Tag fernsehen. Wohlgemerkt, wir reden nicht von exklusivem Pay-TV-Content, sondern vom normal-langweiligen SF DRS. Aber da müssen wir durch als Technik-Pioniere.
Die Streaming-Anwendung startet sich auf, nach wenigen Sekunden kommt das TV-Bild. Und zwar sehr pixelig. Gelegentlich scheint die Bandbreite zusammenzubrechen, dann stottert das Bild oder löst sich ganz auf. Wohlgemerkt, der Test fand nicht in einer Alphütte statt, sondern am Central in Zürich. Wenn es da keinen ausreichenden Empfang gibt, wo dann? Der Ton läuft parallel, aber leider meistens nicht synchron. Das stört nicht sehr bei einer Nachrichtensendung, aber bei MTV oder Eurosport wirkt es schnell etwas albern.

Nur weil er übers Handy kommt, wird der Content auch nicht besser.
Die Auflösung reicht leider nicht aus, um einen sinnvollen Fernsehkonsum zu ermöglichen. Beispiel Tennis-Übertragung: Zu sehen ist ein grünes Feld, auf dem sich zwei Strichmännchen bewegen. Die spielen offenbar (entnehmen wir dem Kontext) einen Ball hin und her, der aber leider bei dieser Auflösung nicht erkennbar ist. Irgendwann klatscht das Publikum. Der Ton war wohl wieder schneller, kurz danach zeigt das asynchron laufende Bild, dass offenbar einer der Spieler einen Punkt gemacht hat. Wer das war, sieht man leider nicht, denn die Texteinblendung ist nicht lesbar. Toll, da freut sich der Sportsfreund.
Ausserdem sind die UMTS-Streams gegenüber „richtigem“ Fernsehen um ca. 10 Sekunden verzögert. Nur falls Sie sich mal fragen sollen, warum bei der nächstenWM-Übertragung schon alle in der Nachbarschaft jubeln, während bei Ihnen auf dem Handy noch der Eckstoss gezeigt wird.
Mit anderen Worten: TV per UMTS-Handy ist weit von jeder Brauchbarkeit entfernt. Das Pricing ist eine absolute Frechheit. Kein Wunder, dass die Swisscom jetzt eine Promotion mit kostenlosem UMTS-TV fahren muss, denn für diese Qualität würde wohl kaum jemand ernsthaft was zahlen.
Den Test der Videotelefonie müssen wir auf ein anders Mal verschieben. Leider kenne ich derzeit schlicht niemanden, der schon ein UMTS-Handy hat, und mit sich selbst kann man leider nicht telefonieren. Aber ich hab mir sagen lassen, dass die Sache funktioniert, wenn auch in mittelmässiger Qualität. Die grössere Frage ist natürlich, wer eigentlich Videotelefonie unterwegs wirklich braucht.
Aber andererseits: 1996 hat auch kein Mensch geglaubt, dass mal Leute 160 Zeichen lange Messages mit riesiger Mühe über eine fummelige Telefontastatur eingeben würden.
OK, wie ist es nun mit TV und Video? Die Swisscom bietet bisher eine Auswahl der gängigsten TV-Sender und eine (kleine) Selektion von kurzen Videoclips aus allen möglichen Themenbereichen an. Also flott zu „Live-TV“ navigiert, schliesslich zeigt uns die Telco-Industrie in vielen Werbespots, wie toll Fernsehen per Handy sein wird.
Erstmal ein Schock, ein Preisschock: 4 Franken soll eine halbe Stunde Handy-TV kosten. Für 12 Franken kann man sogar einen ganzen Tag fernsehen. Wohlgemerkt, wir reden nicht von exklusivem Pay-TV-Content, sondern vom normal-langweiligen SF DRS. Aber da müssen wir durch als Technik-Pioniere.
Die Streaming-Anwendung startet sich auf, nach wenigen Sekunden kommt das TV-Bild. Und zwar sehr pixelig. Gelegentlich scheint die Bandbreite zusammenzubrechen, dann stottert das Bild oder löst sich ganz auf. Wohlgemerkt, der Test fand nicht in einer Alphütte statt, sondern am Central in Zürich. Wenn es da keinen ausreichenden Empfang gibt, wo dann? Der Ton läuft parallel, aber leider meistens nicht synchron. Das stört nicht sehr bei einer Nachrichtensendung, aber bei MTV oder Eurosport wirkt es schnell etwas albern.

Nur weil er übers Handy kommt, wird der Content auch nicht besser.
Die Auflösung reicht leider nicht aus, um einen sinnvollen Fernsehkonsum zu ermöglichen. Beispiel Tennis-Übertragung: Zu sehen ist ein grünes Feld, auf dem sich zwei Strichmännchen bewegen. Die spielen offenbar (entnehmen wir dem Kontext) einen Ball hin und her, der aber leider bei dieser Auflösung nicht erkennbar ist. Irgendwann klatscht das Publikum. Der Ton war wohl wieder schneller, kurz danach zeigt das asynchron laufende Bild, dass offenbar einer der Spieler einen Punkt gemacht hat. Wer das war, sieht man leider nicht, denn die Texteinblendung ist nicht lesbar. Toll, da freut sich der Sportsfreund.
Ausserdem sind die UMTS-Streams gegenüber „richtigem“ Fernsehen um ca. 10 Sekunden verzögert. Nur falls Sie sich mal fragen sollen, warum bei der nächstenWM-Übertragung schon alle in der Nachbarschaft jubeln, während bei Ihnen auf dem Handy noch der Eckstoss gezeigt wird.
Mit anderen Worten: TV per UMTS-Handy ist weit von jeder Brauchbarkeit entfernt. Das Pricing ist eine absolute Frechheit. Kein Wunder, dass die Swisscom jetzt eine Promotion mit kostenlosem UMTS-TV fahren muss, denn für diese Qualität würde wohl kaum jemand ernsthaft was zahlen.


Kommentare
>> gegenüber „richtigem“ Fernsehen um
>> ca. 10 Sekunden verzögert.
Zu dieser Aussage müsste man vorab die Frage stellen: "Wie live ist eigentlich richtiges Fernsehen?"
Wer Formel I schaut und RTL und ORF empfangen kann (in der Deutschschweiz wohl alle; in Deutschland dagegen sind angeblich vor Jahren alle Kabelfernseheinspeiser von RTL gezwungen worden, den ORF rauszuschmeissen, just wegen der werbefreien Formel I) kann mal bei Formel-I-Liveübertragungen hin- und herschalten und wird feststellen, dass der ORF RTL immer etwa fünf Sekunden voraus ist.
Noch viel eindrücklicher war das bei der Fussball-WM 2002. Die liefen, ich meine, durch irgendeine Kirchpleite-Verwicklung, in der Schweiz alle Spiele auf Sat.1-Schweiz und in Deutschland natürlich abwechselnd bei ARD und ZDF. Wenn man nun in Zürich an der Langstrasse stand und live zuschaute (zwischen Dutzenden BrasilianerInnen und Hunderten von Schweizern, die sich spontan in Brasilianische Fanbekleidung geworfen hatten, vermutlich um bei der Jubelparty nach dem Spiel auf vertraut zu machen) und der eine Wirt hatte auf Grossleinwand Sat.1 laufen und der Nachbarwirt auf einem normalen Fernseher ARD, dann schrie oder fluchte die kleine Masse vor dem Fernseher jeweils ein paar Sekunden vor der grossen vor der Leinwand. Obwohl es für das Fussball-Erlebnis eigentlich völlig egal wäre, ob man irgendwas ein paar Sekunden früher oder später weiss, ertappte ich mich dabei, dass ich, in bester Position vor der Leinwand sitzend, immer wieder zu dem recht weit entfernten Mini-Fernseher rüberschielte. Irgendwann hab ich dann den privilegierten Sitzplatz verlassen und mich hinten am Fernseher angestellt, wobei ich mich dann die ganze Zeit gefragt habe, wie viel liver es wohl erst im Stadion sein mag.
Fazit: Zehn Sekunden sind wirklich eine Menge.