03. Januar 2007
Web-2.0-Bubble jetzt auch in Deutsch: Holtzbrinck kauft StudiVZ
Das war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit: Die umstrittene deutschsprachige Facebook-Kopie StudiVZ ging heute über den Ladentisch. Der glückliche (?) Käufer ist die Verlagsgruppe Holtzbrinck, die für die Website mit einer Million registrierten Usern 85 Millionen Euro hinblättert (davon 50 Mio. gleich bar auf die Hand).
Mitbieter Springer wollte zuletzt gar 120 Millionen bieten, aber das Holtzbrinck-Angebot war den Gründern laut Financial Times Deutschland sympathischer. Ist das nicht herzerwärmend? Dass jungen Leuten heute ein bisschen Sympathie noch satte 35 Mio. wert sein kann...
Wenn man den ersten Berichten glauben darf, weiss Holtzbrinck auch noch nicht so ganz genau, was es mit dieser (nach wie vor defizitären) Social-Networking-Site eigentlich anfangen soll, geschweige denn, wie man damit Geld verdienen will. Holtzbrinck ist ja schon in letzter Zeit durch heftiges Experimentieren im Online-Sektor aufgefallen, bisher aber mit nicht allzu vielen sichtbaren Ergebnissen. Dem hauseigenen Incubator "Holtzbrinck e-Lab" scheint man jedenfalls den Bau einer eigenen Netzwerk-Seite nicht zuzutrauen und kauft lieber was von aussen dazu.
Und hier noch ein Blick auf die Zahlen: StudiVZ publiziert keine Umsatzzahlen, lediglich die Zahl der registrierten Nutzer wird mit einer Million angegeben. Das wäre dann also ein Preis von stolzen 85 Euro pro User. Nicht schlecht. Nur die Gründer von Facebook wollen noch mehr Geld und haben angeblich schon Angebote über $1.5 Millarden abgelehnt. Auf die gut 10 Mio. User runtergerechnet wären das dann $150 pro Studi. Zum Vergleich: Rupert Murdoch zahlte damals für Myspace nur $17 pro User. Der gute Rupert steht eben früher auf und kriegt die Ware darum billiger. Ach ja, und noch ein Unterschied: Murdoch kaufte Myspace bevor es Skandale verursachte, nicht als der Ruf schon ziemlich angeschlagen war.
Vielleicht kann mir jemand mal erklären, warum alle alten Medienkonzerne von diesen Studi-Seiten so wahnsinnig fasziniert sind. Nicht mal bei OpenBC verstehe ich die derzeitige Börsenbewertung von etwa EUR 100 pro User, und das sind immerhin vorwiegend berufstätige, ziemlich zahlungskräftige Benutzer, die vermutlich diese Site über Jahre hinweg nutzen werden.
Aber wie soll eine Studi-Site so viel Geld verdienen können, um solche Bewertungen zu rechtfertigen? Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass man als Student zwar viel Zeit zur Benutzung alberner Websites, aber nur wenig verfügbares Einkommen hat. Studenten werden einen Teufel tun, so einer Website Gebühren zu zahlen, und für Werbetreibende ist die Site höchstens aus einer langfristigen Perspektive interessant (etwa so ähnlich wie die Inserate in einer Studentenzeitung). Nach dem Eintritt ins Berufsleben verkehrt sich das Zeit/Einkommens-Verhältnis dann meistens ins Gegenteil, und die ganzen Ex-Studis werden mit Garantie StudiVZ verlassen und zu OpenBC, LinkedIn und Konsorten wechseln. Sorry, aber die Loyalitätsspanne im Online-Zeitalter dauert genau einen Mausklick lang. Ob das wohl wirklich 85 Millionen wert ist?
Mitbieter Springer wollte zuletzt gar 120 Millionen bieten, aber das Holtzbrinck-Angebot war den Gründern laut Financial Times Deutschland sympathischer. Ist das nicht herzerwärmend? Dass jungen Leuten heute ein bisschen Sympathie noch satte 35 Mio. wert sein kann...
Wenn man den ersten Berichten glauben darf, weiss Holtzbrinck auch noch nicht so ganz genau, was es mit dieser (nach wie vor defizitären) Social-Networking-Site eigentlich anfangen soll, geschweige denn, wie man damit Geld verdienen will. Holtzbrinck ist ja schon in letzter Zeit durch heftiges Experimentieren im Online-Sektor aufgefallen, bisher aber mit nicht allzu vielen sichtbaren Ergebnissen. Dem hauseigenen Incubator "Holtzbrinck e-Lab" scheint man jedenfalls den Bau einer eigenen Netzwerk-Seite nicht zuzutrauen und kauft lieber was von aussen dazu.
Und hier noch ein Blick auf die Zahlen: StudiVZ publiziert keine Umsatzzahlen, lediglich die Zahl der registrierten Nutzer wird mit einer Million angegeben. Das wäre dann also ein Preis von stolzen 85 Euro pro User. Nicht schlecht. Nur die Gründer von Facebook wollen noch mehr Geld und haben angeblich schon Angebote über $1.5 Millarden abgelehnt. Auf die gut 10 Mio. User runtergerechnet wären das dann $150 pro Studi. Zum Vergleich: Rupert Murdoch zahlte damals für Myspace nur $17 pro User. Der gute Rupert steht eben früher auf und kriegt die Ware darum billiger. Ach ja, und noch ein Unterschied: Murdoch kaufte Myspace bevor es Skandale verursachte, nicht als der Ruf schon ziemlich angeschlagen war.
Vielleicht kann mir jemand mal erklären, warum alle alten Medienkonzerne von diesen Studi-Seiten so wahnsinnig fasziniert sind. Nicht mal bei OpenBC verstehe ich die derzeitige Börsenbewertung von etwa EUR 100 pro User, und das sind immerhin vorwiegend berufstätige, ziemlich zahlungskräftige Benutzer, die vermutlich diese Site über Jahre hinweg nutzen werden.
Aber wie soll eine Studi-Site so viel Geld verdienen können, um solche Bewertungen zu rechtfertigen? Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass man als Student zwar viel Zeit zur Benutzung alberner Websites, aber nur wenig verfügbares Einkommen hat. Studenten werden einen Teufel tun, so einer Website Gebühren zu zahlen, und für Werbetreibende ist die Site höchstens aus einer langfristigen Perspektive interessant (etwa so ähnlich wie die Inserate in einer Studentenzeitung). Nach dem Eintritt ins Berufsleben verkehrt sich das Zeit/Einkommens-Verhältnis dann meistens ins Gegenteil, und die ganzen Ex-Studis werden mit Garantie StudiVZ verlassen und zu OpenBC, LinkedIn und Konsorten wechseln. Sorry, aber die Loyalitätsspanne im Online-Zeitalter dauert genau einen Mausklick lang. Ob das wohl wirklich 85 Millionen wert ist?


Kommentare
1) Studis haben viel Zeit zum surfen
2) = generiert viel Page Views auf den Studi-Sites
3) viel Page Views = viele potentielle Klicks auf Werbung
4) im Zeitalter der CPC-Werbung genügt das auch schon - wenn kümmerts wenn die dann nachher nix kaufen ... Google und der Besitzer der Site kassieren trotzdem ...
Das Ganze funktioniert solange, bis irgendwann mal die "CPC-Blase" platzt - dann ist Sense mit den Einnahmen ...
aber alles in allem gebe ich dir recht, aber vielleicht verkauft sich studivz ebenfalls ein paar rechte für irgendwas an irgendjemanden und spielt so das geld wieder ein... we'll see... und in einer schnelllebigen zeit ist ein schlechter ruf auch schnell vergessen, so nach dem motto: "every news is good news".
Was anderes, aber auch zu Holtzbrinck:
Bin über Deinen Post vom 29. Juli auf das dort verlinkte und anscheinend immer noch nicht in Betrieb genommene Blog vom Holtzbrinck eLab gekommen - unter dieser Adresse:
http://www.holtzbrinck-elab.de/blog.html
Da steht immer noch Coming soon, und auch noch mit albernem Text: "In Kürze können Sie im Rahmen unseres Weblogs Teil der eLab-Community werden."
Im Oktober haben sie dann aber doch mal angefangen zu bloggen, und wenn man auf Home klickt und dann wieder auf Blog, sieht man's auch, unter:
http://www.holtzbrinck-elab.de/blog
Ganz schön ähnlich, was? Ein kleiner Redirect würde Wunder wirken. Tja, so ist das mit der Onlinekompetenz...
Da spielen CPC eben je länger je weniger eine Rolle!!!
Eine Community bietet eben gerade ganz andere, neue Möglichkeiten, die heute noch sehr wenig genutzt werden, da kein Social Network so eine Position hat wie studiVZ. Wenn ihr da mal Eure Phantasie spielen lässt, so kommt Ihr sicherlich auf spannendere Möglichkeiten als nur Banner zu schalten - oder?
Zum networken braucht also eigentlich fast niemand das Studiverzeichnis. In einer Anfangsphase gibt es wohl auch viele Impressions, aber danach flacht das dann ziemlich schnell ab und ich würde auch behaupten, dass die Clickthrough-Rate bei einer eventuellen Schaltung von Werbung nicht gerade bombastisch sein wird.
ich lese nur immer wieder dass die meisten konzerne, die sich am Web 2.0 beteiligen wollen, eigentlich gar nciht wirklich wissen, was sie da tun.ess will nur jeder bei diesem momentanen Hype dabeisein, ohne wirklich zu wissen ob sich die investition lohnt...
der StudiVZ-Deal beweist nur die Hilf- und Ideenlosigkeit großer Medienkonzerne. Dass ein Konzern wie Holtzbrinck 85 Millionen Euro hinblättert, ohne zu wissen was zu tun ist, ist einfach nur beispielhaft. Kleine Start-Ups können Großen gegenüber nicht "nein" sagen. Das ist verständlich, aber für das Internet ist das eine fatale Entwicklung.