Man kann wohl kaum behaupten, dass der deutsche Softwarekonzern SAP Produkte herstellt, die bei den Benutzern besonders populär sind. Die knochentrockenen und meist eher mühsam zu bedienenden Programme aus Walldorf sollen ja auch nicht der Unterhaltung dienen, sondern betriebswirtschaftliche Abläufe straffen. Darum setzen sehr viele Grossunternehmen SAPs Lösungen ein, und SAP schmückt seine Werbung auch gern mit den klingenden Namen seiner vielen Kunden und dem schönen Slogan "The best-run businesses run SAP".

Im Kampf gegen Hauptkonkurrent Oracle fährt SAP in den USA derzeit gerade eine besonders aggressive Werbekampagne: Dort wird behauptet, dass SAP-Kunden 32% profitabler seien als andere Firmen. Schön, denkt man sich, diese Zahl hat man doch sicher gewissenhaft errechnet. Hat man auch, sagt SAP, und zwar durch die (mehr oder weniger) unabhängige Firma Stratascope. Dann kann man diese Studie doch sicher auch herunterladen? Leider nicht, sagt SAP, da vertraulich und so weiter.

An einigen Stellen auf der SAP-Website gibt es zwar mehr Details, aber die beziehen sich nur auf einige operative Kennzahlen und nicht auf eigentlichen Bottom-Line-Gewinn (den man landläufig unter "Profitabilität" versteht). Oder etwas böse gesagt: Es ist ja schön, dass SAP-Kunden operativ angeblich besser arbeiten als andere, aber vielleicht wird ja die bessere Performance gleich wieder von den höheren IT-Kosten weggefressen?

Inzwischen hat die Firma Nucleus Research eine alternative Studie angefertigt, die nächste Woche publiziert werden soll. Dort hat man mal ganz naiv den öffentlich publizierten Return on Equity (ROE) von 81 SAP-Kunden mit dem jeweiligen Branchendurchschnitt verglichen. Und was kam dabei heraus? Die SAP-Kunden hatten im Durchschnitt einen 20% niedrigeren ROE als die übrigen Firmen. Bei Anwendern von SAPs Supply-Chain-Management-Lösung war der ROE sogar 40% niedriger. Vernichtet also SAP Profite? Diesen Zahlen zufolge wohl schon. Denn aus Investorensicht entspricht der ROE wesentlich besser der von SAP zitierten "Profitabilität" als die operativen Kennzahlen in SAPs Studie.

Nun ist auch diese neue Studie sehr limitiert und letztlich nur begrenzt aussagekräftig, da gerade eine Zahl wie ROE von vielen anderen Faktoren abhängt, für die SAP nun wirklich nichts kann. Aber der Fall zeigt wieder mal vor allem eines, um es in Abwandlung mit Benjamin Disraeli zu sagen: Es gibt vier Arten der Lüge: Lügen, verdammte Lügen, Statistiken und IT-Werbung.


(via Nicholas Carr)