Seit meinem Umstieg vom Amiga auf MS-DOS vor etwa 18 Jahren bin ich immer der Bill-Gates-Welt treu geblieben -- weniger aus Begeisterung als aus Notwendigkeit und wohl auch aus Bequemlichkeit. Was gab es denn auch schon für echte Alternativen? Brav kaufte ich mir jedes neue Betriebssystemversion aus Redmond. Irgendwann wurde ich sogar zertifizierter NT-Administrator.

Da muss schon einiges passieren, um jemanden wie mich dazu zu bewegen, sich andere Plattformen überhaupt nur mal anzuschauen. Und genau das ist jetzt passiert. Schuld daran sind vor allem die anhaltend enttäuschenden Entwicklungen von Microsoft. Das Drama um Vista ist wirklich nur noch lächerlich, und neue Entwicklungen wie der UMPC sind mehr als bescheiden. In den letzten Monaten habe ich darum ein bisschen mit Ubuntu Linux herumgespielt und mir auch die Mac-Plattform ernsthafter angeschaut.

Und jetzt habe ich es wirklich getan: ich hab mir einen Mac gekauft. Und zwar erst mal nur als "Versuchsballon" (Windows-User sind ja konservativ und risikoavers...) einen kleinen Mac Mini mit Core-Duo-Prozessor. Dass Apple jetzt Intel-Prozessoren verwendet, ist ein echter Geniestreich, denn es pulverisiert jede Kaufhürde. Ich konnte mir schliesslich einreden, dass ich die Kiste immer noch als "richtigen" PC aufsetzen könnte, wenn ich (wie heimlich erwartet) OS X total hassen würde.

Man ist als Windows-User ernsthaft schockiert, wenn man zum ersten Mal einen Mac aus der Schachtel nimmt und installiert. Man erwartet den üblichen PC-Todesmarsch durch endlose Installationsroutinen, Treibersuchorgien und dämliche Fehlermeldungen ("Der Treiber für Ihre Maus ist nicht signiert. Wollen Sie trotzdem installieren?"). Und was passiert beim Mac? Er funktioniert einfach. Wie in der Werbung. Geradezu lächerlich.

Wie brainwashed man als PC-User ist, erlebte ich beim Anschliessen meines Druckers. Da passierte nämlich nichts. Ich dachte schon, "Ha! Die kochen auch nur mit Wasser und sind natürlich inkompatibel mit meinem brandneuen HP." Mein PC hätte schon lange wild im Internet nach Treibern geforscht und mich etwa 23mal zum Klicken von "Weiter" gezwungen, worauf ich dann am Schluss manuell den Treiber von der HP-Homepage hätte herunterladen müssen. Aber der Mac? Nichts. Der Grund war so einfach wie angenehm: Er installierte den Drucker einfach still im Hintergrund, denn warum sollte er mich mit so etwas Banalem wie Druckertreibern belästigen? Beim nächsten Druckversuch war der Drucker einfach da und funktionierte. Einfach so. Ohne dass ich ein einziges Mal auf "Weiter" klicken musste.

Und dieses Beispiel zeigt am besten, was an Mac OS X gegenüber Windows anders und viel besser ist: Der unnötige kognitive Overhead ist fast vollständig weg. Das System verschwendet nicht meine Zeit und Aufmerksamkeit mit Zeug, das mich nun wirklich nicht interessiert. So gesehen wenig erstaunlich, dass der Mac bei kreativen Leuten beliebt ist, die ihr Gehirn gern für Wichtigeres als Treiberinstallationen einsetzen.

Auch erstaunlich ist, wie viel sehr brauchbare Software beim Mac gleich vorinstalliert mitkommt. Alle möglichen (guten) Multimedia-Anwendungen sind da, natürlich die wichtigsten Internet-Applikationen, diverse Produktivitätsprogramme und sogar eine Trial-Version von Microsoft Office. Es wäre schön, wenn ein Windows-PC all diese Funktionalität auch gleich aus der Schachtel mitliefern würde, aber dann würde Microsoft natürlich wieder mal von allen verklagt. Manchmal fragt man sich, ob Anti-Kartell-Regeln dem Usererlebnis wirklich so wahnsinnig zuträglich sind.

So, und jetzt die Nagelprobe für den Plattformumstieg: Wie steht es denn mit der Kompatibilität? Komischerweise hat sich das bei mir bisher weitgehend als totales Non-Issue herausgestellt. Die meisten relevanten Applikationen gibt es längst auch für den Mac, und in den übrigen Fällen gibt es Ersatzprodukte, die mehr als adäquat sind.

Verblüffend ist, wie stark inzwischen internetbasierte Dienste beim Umstieg bzw. Multiplattformbetrieb mithelfen. Ich verwende z.B. Foxmarks, um meine Firefox-Bookmarks plattformübergreifend auf alle Maschinen zu replizieren. Dank Foldershare (ironischerweise ein Microsoft-Produkt) können sich mein neuer Mac und mein alter Tablet-PC ständig automatisch abgleichen. Meine Dokumente sind immer auf beiden Maschinen aktuell vorhanden. Und Mail, Kontakte und Kalender leben bei mir sowieso schön längst in der "Internet-Wolke". Der klassische Plattform-Lock-In der Windows-Welt ist heute fast irrelevant geworden, solange man nicht gerade hochspezialisierte Anwendungen verwendet. Darum hat Google auch recht damit, die OS-Ebene weitgehend zu ignorieren und auf Dienste auf höherem Level zu setzen.

Ach ja, eine wesentliche Eigenschaft wird einem auch erst klar, wenn man mal wirklich mal mit einem Mac gearbeitet hat: In der Apple-Welt ist alles einfach schön, elegant und benutzerfreundlich gelöst, vom Gesamtkonzept der Benutzeroberfläche bis zum letzten Button und sogar dem Maus-Scrollrad. Dass unter der gefälligen Oberfläche leistungsfähige Hardware und ein Top-of-the-Line Unix-Betriebssystem ihren Dienst tun, schadet natürlich auch nicht.

Bevor jetzt alle altgedienten Mac-User mit "Wir haben's ja schon immer gesagt" loslegen, seien drei Dinge noch gesagt:
  • Apple hat mit Software, Geräten und im Preis-Leistungs-Verhältnis riesige Fortschritte gemacht in den letzten Jahren (vor drei Jahren hätte ich mir garantiert noch keinen Mac gekauft), und die Microsoft-Welt ist halt einfach stehengeblieben. Das kann sich auch wieder ins Gegenteil verkehren, auch wenn es derzeit nicht so aussieht.
  • Die alte Differenzierung "PC für Arbeit, Mac für Kreatives", die leider auch die aktuelle Apple-Werbekampagne aus der Mottenkiste holt, ist heute schlichtweg Blödsinn. Ich kann mit meinem PC genau so gut Bilder bearbeiten oder Videos schneiden, und der Mac ist für Spreadsheet-Jockeys auch nicht schlechter geeignet als eine Windows-Kiste. Zur Not kann man sogar --gasp-- SAP mit dem Mac benutzen. Aber Apple macht leider keinen guten Job damit, seine Geräte an Unternehmen zu verkaufen. Das ist sehr schade, weil man vermutlich viel an Supportkosten sparen könnte.
  • Ein paar Dinge gibt es wirklich noch nicht in der Apple-Welt. Wann bringt Apple endlich so was wie einen Tablet-PC? Bis dahin muss ich halt weiterhin mit zwei Betriebssystemen jonglieren.
Den alten Religionskrieg der Plattformen kann und sollte man heute also endlich vergessen. Es ist zumindest für Einzeluser so einfach geworden, auf ein anderes Betriebssystem umzusteigen, dass man sich mit gutem Gewissen das System aussuchen kann, das am effizientesten, stabilsten und elegantesten funktioniert. Und das kommt nicht aus Redmond. Ich weiss auf jeden Fall, bei welchem Hersteller ich mein nächstes Notebook kaufen werde.