Neue Umfrage: Nutzung von Newsmedien in den USA

Das Pew Research Center gehört wohl zu den besten Quellen für Daten über Mediennutzung. Auch die neuste Umfrage des Centers über die Nutzung von Newsmedien in den USA enthält wieder ein paar interessante Aussagen.

Wenig überraschend ist, dass sich die Mediennutzung weiter ändert. Die grossen Verlierer bei den Nachrichtenkanälen sind hierbei die nationalen Fernsehnachrichten, deren Zuschauerschaft sich in den letzten 13 Jahren mehr als halbiert hat auf heute 28% regelmässige Nutzer. Auch die Zeitungen und das Radio sind ordentlich unter die Räder gekommen, wenn auch etwas weniger als das Fernsehen. Aber immerhin, nur noch 40% der Amerikaner lesen regelmässig eine Zeitung, 1994 waren es noch 58%.

Grosser Gewinner ist -- wenig überraschend -- das Internet, das 31% der Amerikaner mehr als dreimal die Woche für Newskonsum benutzen. Interessant sind hierbei die Nutzungsmuster: Das Web dient vor allem als Update-Kanal für ein schnelles Checken der aktuellen Schlagzeilen, nicht so sehr für Hintergrundsberichterstattung.

Schlechte Nachrichten sind das für die Zeitungswebsites, die sich gerade mit ausführlichen Berichten zu differenzieren versuchen. Die meisten User suchen lieber "schnelle" Newssites wie Yahoo, CNN oder MSNBC auf. Immerhin: Bei der jüngsten Zielgruppe (18-29) besuchen von den total (nur) 29%, die überhaupt ein Zeitungsprodukt online oder auf Papier konsultieren, immerhin ein Drittel die Website. Zeitungssites helfen also wenigstens ansatzweise, die jungen Zielgruppen zu erschliessen.

Das alte Vorurteil (das gerade in Verlegerkreisen gern mit etwas panischem Unterton häufig wiederholt wird), dass junge Leute das Internet benutzen und alte die Zeitung, stimmt allerdings nicht mehr. Die Altersgruppen im Online-Bereich gleichen sich immer mehr denjenigen in den anderen Newsmedien an: Fleissigste News-Konsumenten generell sind die 40-60jährigen, und auch im Web erfolgt das Wachstum primär in den mittleren Alterskategorien. Die jüngeren Konsumenten interessieren sich häufig nur wenig oder überhaupt nicht für aktuelle Berichterstattung, egal über welchen Kanal.

Einen deutlichen Vorsprung haben die jüngeren Leser/innen nur bei einem ganz neuen News-Medium: Dem Mobiltelefon. Immerhin 13% der 18-29jährigen konsumieren Nachrichten über ein Mobilgerät. In anderen Ländern dürfte diese Quote vermutlich noch ausgeprägter sein. Aus Japan weiss man beispielsweise, dass die jüngste Zielgruppe das Handy, die mittlere das Internet und die älteste die Zeitung für den Nachrichtenkonsum bevorzugt.

Klare Vorteile hat die Zeitung dem Internet gegenüber noch bei der eigentlichen Nutzungsform: 57% der Zeitungsleser beschreiben das Lesen eines Papier-Produktes als "relaxing", während das beim Web nur 33% so empfinden. Die Hälfte der Zeitungsleser schätzt auch ganz generell die physischen Eigenschaften der gedruckten Zeitung, während beim Internet vor allem die Aktualität und Zugänglichkeit (im Büro vermutlich) gelobt wird.

Inhaltlich suchen die Leser in der Zeitung primär lokale News, während im Web die Wirtschaftsnachrichten und "Breaking News" im Vordergrund stehen. Das Fernsehen erhält die besten Noten für die politische Berichterstattung.

Auch wenn diese Umfrage natürlich nur ein Schnappschuss ist, zeigt sie doch einige interessante Trends auf: Ganz offensichtlich gleicht sich die Internet-Nutzung immer mehr dem demographischen Durchschnitt an. Das Web ist kein vollständiger Ersatz für ein anderes Medium, sondern wird von den Konsumenten für das geschätzt, was seine spezifischen Vorteile sind: Aktualität, ständige Verfügbarkeit und (schon deutlich weniger ausgeprägt) multimediale Features. Da aber die Nutzung von aktuellen Medien insgesamt nicht wesentlich gestiegen ist, nimmt das Internet den klassischen Medien trotzdem signifikant Marktanteile ab. Wenn man dieser Studie aber glauben darf, wird sich die Entwicklung in der nächsten Zeit weiter stabilisieren. Mit anderen Worten: Das Web hat seinen Platz in der Medienlandschaft gefunden, vorerst zumindest.

Was Web 2.0 mit japanischen Erfindungen zu tun hat

Als ich gestern mal wieder eine lange Liste neuer Web-2.0-Startups durchgegangen bin, musste ich spontan an ein Buch denken, das ich vor Jahren mal geschenkt gekriegt habe: "101 (Un)useless Japanese Inventions". Darin werden so wunderbare japanische Erfindungen wie der Vollkörper-Regenschirm, Butter als Roll-On-Stick, die Pendler-Nickerchen-Kinnstütze oder die Augentropfen-Trichter-Brille gezeigt.

Alle diese schönen Dinge lösen tatsächlich richtige Alltagsprobleme. Nur tun sie das in wenig praxistauglicher Weise: Man muss meistens ein zusätzliches Gerät mit sich herumtragen, das oft sperrig, kompliziert zu bedienen oder schlicht und ergreifend ziemlich lächerlich ist. Mit anderen Worten: Der Aufwand für den Einsatz dieser Erfindungen ist so gross, dass man lieber weiterhin mit dem Problem lebt.

Manche Web-2.0-Ideen kommen mir vor wie diese japanischen Erfindungen: Da gibt es Social-Network-Aggregatoren, OPML-Sharing-Dienste, spezialisierte Vertical Search Engines für jedes noch so kleine Thema oder einen Mobile-Service für semi-anonymes Dating.

Jawohl, alle diese Dienste lösen ein Problem und könnten irgendwie auch nützlich sein. Nur gibt es bei den meisten zwei grosse Schwierigkeiten: Erstens ist -- in Relation zur begrenzten Nützlichkeit -- der Aufwand für das Erlernen, Konfigurieren und regelmässige Einsetzen zu gross. Und zweitens funktioniert der Dienst nur dann gut, wenn ihn viele andere Leute auch einsetzen, und diese Hürde zu überwinden, ist sehr schwierig.

Es ist schön und richtig, dass es in den Zeiten von Web 2.0 ziemlich einfach geworden ist, ein Startup zu gründen und einen Online-Dienst auf den Markt zu bringen. Nur frage ich mich manchmal, ob die Gründer nicht besser daran täten, sich die Praxistauglichkeit ihrer Idee ein bisschen genauer zu überlegen, bevor sie viel Aufwand darin investieren. Denn vielleicht verpassen sie so eine noch viel bessere Idee, und das wäre schade.

Die Zukunft der mobilen Technologien: Neue Forschung am MIT Media Lab

Heute hatte ich im Rahmen meines Studienprogramms die Gelegenheit, einen Vortrag von Andrew Lippman anzuhören. Lippman ist eins der Urgesteine am berühmten MIT Media Lab, und die aktuelle Forschung an diesem Institut war das Thema seiner Präsentation.

Man kann wohl sagen, dass das Media Lab in den letzten Jahren etwas von der Realität überrumpelt worden ist. Die Pionierarbeit, die in diesem experimentellen Umfeld gemacht wurde, hat über Jahre hinweg viele der Internet-Pioniere inspiriert. Ein guter Teil der Media-Lab-Visionen aus den achtziger und frühen neunziger Jahren ist heute Realität geworden, und darum brauchte das Lab auch einige Zeit, um sich neu zu orientieren.

Nach einer eher stillen Phase kam das Media Lab kürzlich wieder in die Schlagzeilen, als sein Gründer Nicholas Negroponte das Projekt "One Laptop per Child" vorstellte. Negroponte widmet sich inzwischen voll diesem Projekt, sein Nachfolger als Direktor des Media Lab wurde der ehemalige Unternehmer Frank Moss.

Lippman machte in seinem Vortrag gleich klar, dass das Media Lab schwer zu definieren ist: "One mile wide, one inch deep" ist das Motto. Man will also sehr viele Themen aufgreifen und konzentriert sich bewusst nicht auf einige wenige Felder, weil man sich von der kreativen Kombination unterschiedlicher Disziplinen die echten Durchbrüche erhofft. Die Forschung des Media Lab umfasst praxisnahe Dinge wie sprachbasierte User Interfaces, aber auch abgehobene Projekte wie "Lifelong Kindergarten".

Eine Sache mit grosser Tragweite könnte -- genau wie "One Laptop per Child" -- das Projekt "Living the Future" werden, das im Forschungsprogram MIT Communications Futures angesiedelt ist. In diesem gerade gestarteten Vorhaben will man die Zukunft der mobilen Kommunikation erforschen, und zwar nicht innerhalb der Mauern des Labors. Vielmehr sollen die MIT-Studenten und später auch die Bürger der umliegenden Stadt Cambridge mit Geräte-Prototypen ausgestattet werden, deren Funktionalität erheblich über die heutigen PDAs und Smartphones hinausgeht. Kommerzielle Sponsoren des Projektes sind Firmen wie Nokia, Motorola, Samsung, Swatch oder British Telecom.

Vorbild des Projektes ist Project Athena, in dessen Rahmen zu Beginn der achtziger Jahre viele der Prinzipien erfunden wurden, die heute modernes Network Computing ausmachen. Damals war die -- für die Zeitgenossen abstrus klingende -- Vision (die heute natürlich längst erfüllt ist) "Ein PC für jeden Studenten", für das neue Projekt heisst sie "Ein intelligentes Mobildevice für jeden Bürger".

Telefonieren sollen diese neuartigen Geräte auch noch können, aber aus Lippmans Sicht ist ein Telefon eh nur ein Stück Software, das man sich auf das Universalgerät runterlädt, in unterschiedlichen Ausführungen je nach Bedürfnissen und Vorlieben. Vor allem aber soll das Mobilgerät der Zukunft mit seiner Umgebung interagieren können. Es soll brauchbar sein für die Haussteuerung, als Zahlungsmittel, als Live-Voice-Chat-Gerät usw. und dabei fröhlich alle möglichen Web-2.0-Prinzipien integrieren. Die Geräte verlassen sich dabei nicht unbedingt auf die zentrale Infrastruktur, sondern können im Mesh-Prinzip auch untereinander funken. Jedes Gerät wird so zum intelligenten Netzwerkknoten und -router.

Aber alle diese Ideen will man nicht zentral generieren, sondern man hofft (vermutlich zu Recht) auf die Kreativität der Studierenden. Die Geräte sollen bewusst offen sein, so dass sie nach Belieben modifiziert und erweitert werden können. "Everybody is encouraged to hack!" lautet die Devise. Die Intelligenz des Netzes soll am Rand liegen, am "Edge" und dadurch Anwendungen erlauben, die sich heute noch keiner vorstellen kann. Grösser könnte der Kontrast zur risikofeindlichen, monolithischen Sicherheitsorientierung der Mobile Operators (hier in den USA besonders extrem) kaum sein.

Vergleichbare Projekte gibt es auch schon anderswo, beispielsweise in Berkeley. Dort hat man sich aber mehr auf technische und infrastrukturelle Fragen konzentriert, während am MIT die Einsatzszenarien im Vordergrund stehen werden. Das Besondere an dem Projekt ist also, dass man -- eigentlich ganz im Web-2.0-Spirit -- dem freien Experimentieren die Priorität einräumen will. Viel ausprobieren in der Hoffnung, dass sich die besten Ideen durchsetzen, das ist das Ziel.






Tablet PC: Zeit für einen Reboot?

Schon seit etlichen Jahren versucht sich die PC-Branche immer wieder darin, per Schreibstift gesteuerte Computer im Markt zu verankern. Das Thema scheint eine unerklärliche Faszination auszuüben. Vielleicht ist es der Versuch, die so unnatürlich scheinende PC-Bedienung per Tastatur und Maus durch die offenbar viel "menschlichere" Variante per Stift zu ersetzen und damit den Einsatzbereich des PCs zu erweitern.

Die aktuelle Generation des Stiftcomputers ist natürlich der Tablet PC. Die zugehörige Windows-Version wurde von Microsoft vor nunmehr bald vier Jahren auf den Markt gebracht und kann bei allem Wohlwollen nicht als gigantischer Erfolg bezeichnet werden. Zwar sieht man inzwischen mehr Tablet-PCs in freier Wildbahn als auch schon, aber der Einsatz bleibt weitgehend auf Nischenmärkte beschränkt. Auch den neusten Versuch, das Tablet-PC-Prinzip mit dem konsumentenfreundlichen Ultra-Mobile PC massentauglich zu machen, muss man wohl zumindest vorerst als gescheitert ansehen.

Microsoft hat kürzlich still und heimlich die Tablet-PC-Gruppe umbenannt. Das Team trägt jetzt den microsoft-typisch eleganten Namen "Mobile and Tailored PC Division" (Man fragt sich wirklich, wer sich diese Namen immer ausdenkt...). Jedenfalls aber könnte das ein äusserliches Zeichen dafür zu sein, dass man sich von der ursprünglichen Tablet-PC-Vision verabschiedet. Und das ist möglicherweise gut so.


GottaBeMobile.com hat einen interessanten Artikel darüber, wie ganz normale User in der Praxis Tablet-PCs tatsächlich einsetzen. Resultat: Die wundervollen "Ink"-Funktionalitäten benutzt kaum jemand, weil kaum jemand kapiert, wie man damit umgehen soll. Die meisten User setzen den elektronischen Stift als Navigationsgerät ein und machen vielleicht gelegentlich noch eine Skizze. Text hingegen wird praktisch ausschliesslich per Tastatur erfasst.

Als langjähriger Tablet-PC-Benutzer (derzeit immer noch glücklicher Besitzer eines Motion Computing LE 1600) kann ich nur bestätigen, dass diese Beobachtung wirklich der Realtität entspricht. Ich benutze die Handschrifterkennung meines Tablet PCs so gut wie nie, weil sie mit ihrer ca. 95%igen Genauigkeit immer noch viel zu fehleranfällig ist. Die meisten von Microsoft propagierten Anwendungszwecke (Dokumente mit Anmerkungen versehen, handschriftliche E-Mails etc.) sind nicht wirklich praxistauglich. Ideal ist ein Tablet-PC in Meetings, da dann zwischen den Gesprächspartnern nicht ein Notebook-Screen als "Mauer" besteht. Aber das allein rechtfertigt den höheren Preis eines Tablet PCs für die meisten User wohl nicht.


Was läuft da falsch? Ich bin überzeugt, dass der Teufel vorwiegend im Detail steckt. Es sind oft kleine Änderungen in der Usability, die für eine neue Technologie den Unterschied zwischen Rohrkrepierer und Massenphänomen ausmachen. Apple hat mit dem iPod nicht neu erfunden, was ein MP3-Player ist, aber hat ein paar wesentliche Dinge besser gemacht als alle anderen.

Hier ein paar kleine Dinge, die mein Tablet-PC besser machen könnte:
  • Touchscreen und digitaler Stift: Tablet PCs haben einen sogenannt "aktiven Digitizer", können also nur mit einem speziellen Stift bedient werden. UMPCs haben hingegen einen Touchscreen, der auch mit dem Finger genutzt werden kann, dafür aber weitgehend unbrauchbar für Handschrift-Eingabe ist. Warum geht eigentlich nicht beides im gleichen Gerät? Ein Tablet-PC sollte beide Varianten anbieten. Mein Tablet-PC "weiss" schliesslich, wann der Digitalstift genutzt wird und könnte dann gefälligst den Touchscreen ignorieren. Das würde die Bedienung erheblich intuitiver machen.
  • Pragmatischere Notizen-Software: Microsoft OneNote ist die vermutlich meistbenutzte Software für die Erfassung von Notizen auf dem Tablet PC. Wie so viele Microsoft-Applikationen bietet dieses Programm viele, viele tolle, aber leider komplett unbenutzbare Funktionen, die sich aber immer wieder mal in den Vordergrund drängen. Darum verbringt man die meiste Zeit damit, das Programm zu bedienen, statt das zu tun, was man eigentlich will: Dinge aufzuschreiben. OneNote versucht, mit Handschrift im Prinzip alles zu machen, was man mit normalem Text tun kann. Aber das ist sowohl unnötig wie auch verwirrend.
  • Bessere Korrekturfunktionen: 95% Genauigkeit bei der Handschrifterkennung heisst: jedes 20. Wort ist falsch. Das wäre nicht so tragisch, wenn die Korrekturmethode effizienter wäre, aber daran kranken die heutigen Tablet PCs. Was macht man, wenn man beim Schreiben auf Papier mal einen Buchstaben unleserlich hingekrakelt hat? Man schreibt einfach drüber. Warum versteht eigentlich mein Tablet PC das nicht?
  • Mehr Hardware-Bedienungselemente: Tablet-PCs haben gegenüber normalen PCs einige Tasten mehr, zum Beispiel für Screen-Rotation. Aber das sind immer noch zu wenige. Beispielsweise ist ein Tablet prima zum Lesen von Dokumenten geeignet. Warum gibt es hierfür kein einfach zugängliches Scrollrad statt unbedienbaren Mini-Steuertasten?
  • Längere Batterielebensdauer: Natürlich ein normaler Wunsch für jeden tragbaren PC, aber bei Tablets besonders wichtig. Man kann sich nicht auf einen digitalen Notizblock verlassen, wenn er immer wieder mal mitten in der Sitzung den Geist aufgibt. Seit ich eine erweiterte Batterie zu meinem LE1600 habe, ist seine Nützlichkeit dramatisch angewachsen -- um den Preis von deutlich mehr Gewicht.
  • Praxistauglichere Keyboard-Optionen: Tablet PCs gibt es in zwei Sorten: Die "Slates" haben gar kein eingebautes Keyboard und sind darum auf irgendwelche Hilfskonstruktionen angewiesen. Die "Convertibles" sind im Prinzip normale Notebooks, bei denen der Screen so umgeklappt werden kann, dass er als Tablet-Oberfläche benutzt werden kann. Beide Lösungen sind keineswegs optimal. Ich frage mich, warum mein Slate nicht einfach einen simplen Klappständer eingebaut hat, mit dem man das Ding vernünftig aufstellen kann. Eine USB- oder Bluetooth-Tastatur würde das Ding dann sofort in einen brauchbaren stationären PC verwandeln.
Und wie gesagt: Das sind nur die kleinen Dinge. Eins der grossen Dinge ist die Tatsache, dass die heutige Windows-Umgebung halt leider dafür optimiert ist, per Tastatur und Maus bedient zu werden. Der digitale Stift bleibt da immer irgendwie ein Fremdkörper, den man auch noch irgendwie reingequetscht hat. Mir kommt das vor wie damals vor vielen Jahren die textbasierten DOS-Applikationen, die man behelfsmässig auch noch per Maus steuern konnte. Das einzige, was man mit der Maus machen konnte, war das Auswählen von Menüpunkten. Eine echte grafische Benutzeroberfläche ist aber etwas ganz anderes.

Und in der gleichen Weise braucht ein Tablet nicht ein erweitertes Windows, sondern eine Oberfläche, die wirklich auf Stiftbedienung optimiert ist. Da Microsoft sich ja aber derzeit fast ausschliesslich mit seinem Vista-Projekt beschäftigt, ist die Hoffnung wohl vergebens, dass aus dieser Richtung eine Innovation kommt.

WSJ: Die News-Site der Zukunft

Das Wall Street Journal Online, vermutlich die erfolgreichste Abo-Site der Welt, feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass hat das WSJ seine Leser befragt, was sie sich denn von einer News-Site wünschen und wovon sie hoffen, dass es in weiteren zehn Jahren realisiert sein wird.

Die resultierende Liste ist nicht extrem überraschend, aber doch noch interessant:
  • Gefilterte News: Die Leser wollen bestimmen können, welche Themen sie interessieren, und dann nur dazu Informationen in einem vernünftigen Umang erhalten.

  • Mobilität: Die WSJ-Leser möchten auf die News-Inhalte gern unterwegs zugreifen können, und zwar mit Geräten, die grössere Bildschirme bieten als die heutigen PDAs

  • Weniger Werbung: Die businessorientierten Leser des WSJ würden offenbar lieber mehr für kostenpflichtige Abos zahlen, als ständig Werbeeinblendungen ertragen zu müssen.

  • User-Beteiligung: "Editors will be a thing of the past", meint ein Leser. Stattdessen sollen die User darüber abstimmen, welche Meldungen wichtig sind, und die Themengewichtung soll ganz allgemein mehr durch die Leser bestimmt werden als durch die Redaktion.

  • Mehr Details: Bei interessanten Stories wollen die Leser auf mehr Details zugreifen können, als in der üblichen News-Meldung enthalten sind.

  • Multimedia: Video- und Audio-Content sollte in zehn Jahren selbstverständlicher Teil der Berichterstattung sein, finden die WSJ-Leser.
Erstaunlich an dieser Liste ist, dass die meisten Punkte faktisch heute schon möglich sind, wenn man einen RSS-Reader, ein paar gute Social-Software-Dienste, einen zeitgemässen Mini-PC und etwas mobile Datenkommunikation verwendet. Für den normalen Zeitungsleser dürften die meisten Punkte noch nach Science-Fiction klingen, aber wenn ich mir mal meinen eigenen Medienkonsum anschaue, ist der strukturell nicht mehr weit von dieser Zukunftsvision entfernt. Ist zwar alles noch etwas umständlich, aber eigentlich machbar. Da gilt wieder mal William Gibsons alter Spruch: "The future is already here, it's just not very evenly distributed".

Windows und die Wunder der mobilen Datenkommunikation

Wie kürzlich schon beschrieben, bin ich derzeit viel unterwegs und meistens nicht im Besitz einer festen Breitband-Infrastruktur. Zumindest innerhalb der Schweiz müsste einen das eigentlich nicht mehr gross stören, da Swisscom Mobile und auch in ähnlicher Form die anderen Mobilfunkprovider Sunrise und Orange inzwischen Gerätschaften und Preismodelle anbieten, mit denen man fast unbegrenzt mobil (Daten-)kommunizieren kann.

Bei Swisscom gibt es beispielsweise das Angebot "Mobile Unlimited", das so heisst, obwohl es eigentlich gar nicht unlimitiert ist. Damit kann man mit irgendeinem der mobilen Swisscom-Datennetze (GPRS, EDGE, UMTS, Public WLAN) Daten übertragen, und zwar für 80 CHF bis zu 1 GB pro Monat. Das sind also durchschnittlich 34 MB pro Tag, ausreichend für die üblichen Kommunikationsanwendungen, aber nicht gerade viel, wenn man z.B. Internet-Videos sehen will oder Podcasts abonniert hat. Über 1 GB hinaus kostet jedes weiter MB 50 Rappen, was immer noch leicht günstiger ist als der sonstige Tarif von CHF 10 pro MB...

Diese Tarifoption kann man übrigens zu mehr oder weniger jedem Swisscom-Abo hinzuschalten lassen, man braucht sich nicht die entsprechende Datenkarte zu kaufen (ist noch nicht überall bei Swisscom bekannt, im Swisscom-Shop wusste erst die vierte gefragte Person Bescheid). Ich benutze meistens eine EDGE-Verbindung via mein Qtek 9100. Die ist recht schnell und funktioniert im Gegensatz zu UMTS überall.

Durch die doch irgendwo begrenzte Datenmenge will man also auf seinem PC schon etwas aktiver als sonst managen, was denn da mengenmässig über die Leitung geht. Und erst da merkt man auf ärgerliche Weise so richtig, was so ein normaler Windows-PC die ganze Zeit im Hintergrund alles anstellt.

Windows kann nämlich bisher nicht unterscheiden (und die meisten Applikationen schon gar nicht), welcher Natur eine Datenverbindung ist. Ob man da an der unbegrenzten DSL-Leitung oder am Mobil-Modem mit teurem Datentarif hängt, ist Windows von Herzen egal. Fröhlich lädt es irgendwelche Betriebssystem-Updates runter, die nicht nur die knappe Bandbreite belasten, sondern unter Umständen am Schluss auch noch viel kosten. Dito der Virenkiller und inzwischen auch Firefox, das sich auch ungefragt aktualisiert. Toll, wenn man eine Standleitung hat, aber unmöglich unterwegs.

Und genauso verhalten sich viele weitere Applikationen, die im Hintergrund irgendwelchen Unfug anstellen: Google Talk, Skype, Windows Messenger, Google Desktop, Foldershare, die Java VM und und und. iTunes starte ich unterwegs schon gar nicht mehr, weil man es erstmal gewaltsam davon abhalten muss, gleich mal gigabyteweise Podcasts und Softwareupdates runterzuladen.

Besonders doof verhält sich Outlook, das bei häufig abbrechenden Verbindungen (was im Mobilbereich immer noch die Realität ist heutzutage) regelmässig in Panik verfällt, wenn es gerade mal einen IMAP-Server nicht mehr sieht und dann willkürlich irgendwas an sich selbst umkonfiguriert. Auch rekordverdächtig dämlich ist die Kalender-Synchronisiersoftware Trumba, die bei nicht vorhandener Netzverbindung immer meldet, dass das Passwort nicht stimmt. Da fragt man sich: bewegen sich die Erschaffer dieses Programms jemals ausserhalb ihres Büros?


Ja, ich weiss sehr wohl , dass man das alles im Prinzip wegkonfigurieren kann. Aber wenn man unter Umständen mehrfach pro Tag unterschiedliche Datenverbindungen (Broadband-Festleitung, WLAN, EDGE) wechselweise benutzt, ist das so gut wie unmöglich. Sinnvollerweise sollte sich jede Anwendung abhängig von der Art der gerade bestehenden Verbindung unterschiedlich verhalten, aber die meisten Anwendungen merken ja nicht mal den Unterschied zwischen "Netzwerk abgestürzt" und "User gerade mobil unterwegs".

Ich hoffe nur, dass Microsoft in der nächsten Windows-Version auch dieses Thema mal in brauchbarer Form angeht und nicht nur 38 neue Varianten einbaut, wie man grafisch aufregend zwischen zwei Applikationen umschalten kann...

Tresor-Humor

Tresor-Humor

Heute an der Bahnhofstrasse in Zürich: Ich möchte bei einer bekannten Schweizer Bank ein paar Wertsachen im Tresor einschliessen lassen, in Hinblick auf einen bevorstehenden Auslandsaufenthalt.

Kurze Wartezeit. Aus dem Lautsprecher plätschert typische Fahrstuhl-Musik Da plötzlich wechselt die Musik zu einem neuen Titel mit einer sehr bekannten Melodie.

Ist das nicht...?!...genau: Die Titelmusik aus dem Mafia-Film "Der Pate". Don Corleone und seine Söhne; abgeschnittene Pferdeköpfe; Angebote, die man nicht ablehnen kann. Und das als Soundtrack im Hauptsitz einer Schweizer Bank?

Man fragt sich, wie es dazu wohl gekommen ist. Versteckte Kundenwerbung kann es ja wohl nicht sein. Entweder hatte da jemand wirklich Humor, oder man hat einfach (was wahrscheinlicher ist) irgendein fertiges Tape eingekauft, ohne sich gross um den Inhalt zu kümmern.

Wie auch immer: Jedenfalls verkürzt es die Wartezeit.

Microsoft haelt e-Paper immer noch fuer eine tolle Sache. Andere nicht mehr.

Gemeinsame Ankuendigungen dieser Art hört man nicht jeden Tag: Microsoft kooperiert mit der New York Times und will diese vermutlich renommierteste Zeitung der Welt demnaechst als e-Paper-Variante anbieten, also als digitales Abbild der Originalpublikation. Dazu wird es im neuen Windows Vista (so es denn irgendwann rauskommt) eine neuartige Reader-Applikation geben, die die Zeitung auf dem Bildschirm sehr originalgetreu darstellen soll. Besonders brandgerecht mit den richtigen Schriften und so.

Toll findet das vor allem die New York Times, die so den unabhaengikeitsstrebenden, RSS mixenden Online-Leser offenbar wieder zurueck in die Gefilde redaktioneller Kontrolle bringen will. Die meisten Beobachter hingegen machen sich eher lustig ueber diesen unzeitgemaessen Versuch der Leserbevormundung. Ist schliesslich mein Bildschirm, da will ich Content in dem Format lesen, das mir am besten passt. Und Interaktiviaet jeder Art ist bei e-Paper-Ausgaben meistens leider auch nicht vorgesehen.

In diesem Zusammenhang ist eine Ankuendigung interessant, die heute von PressDisplay.com herausgegeben wurde, einem der groessten Anbieter von e-Paper-Ausgaben von Tageszeitungen. Was PressDisplay mit seiner jahrelangen e-Paper-Erfahrung da machen will, hoert sich nicht gerade nach editorieller Kontrolle an, sondern deutlich nach Web 2.0:

"You, the reader will now decide which articles, journalists and newspapers are the most interesting!

The power of the media is transferred back to where it belongs - directly in the hands of the reader. You will no longer be subjected to reading articles because an editor has decided what and how you should read. Instead our collective readership accessing 300 newspapers from around the world will determine the quality of the news you are presented with!"

Wohlgemerkt, diese Worte stammen von einem Anbieter, der sein Geld mit Zeitungsverlagen verdient und bisher als besonders verlegerfreundlich galt...

Erreichen will PressDisplay diese Lesernaehe mit einem Artikel-Ranking-System. Digg meets Dead Tree, sozusagen. Nicht genau das, was das Herz gestandener Chefredakteure hoeher schlagen leasst: Ploetzlich stimmt der Leser-Poebel ueber die Qualitaet des Produktes ab! Wo das noch hinfuehren soll?

Heute auf neuerdings.com: Ein reichhaltiger erster CeBIT-Tag

Der erste CeBIT-Tag ist vorbei und lieferte reichlich Material für unser neues Gadget-Blog neuerdings.com. Das Highlight (oder grösste Enttäuschung, je nach Perspektive) war die Enthüllung des Origami- bzw. Ultra-Mobile-PC-Konzepts von Microsoft und Intel. Aber auch anderswo gab es interessante Dinge zu sehen, beispielsweise das erste Handy mit 10-Megapixel-Kamera oder die neusten Navigationssysteme.


Hier ein Überblick über die Themen von heute:

Origami/UMPC: Offizielle Ankündigung, Bemerkungen zum Namen, erste Hersteller, kreisförmige Tastaturen.
Und: ein erster zusammenfassender Kommentar

Samsung: Neue Super-Handies, UMPC, HDTV

Panasonic: Blu-ray und 4GB-SD-Karte

Nokia: Spezialisierte Handies zum Filmen, Musikhören und Fernsehen

Die grosse Navi-Welle
Berichterstattung bei Engadget


Ausserdem haben wir noch ein neu eingetroffenes Super-Gadget getestet, den OQO Model 01+:

OQO-Test Teil 1
OQO-Test Teil 2

UMPC und Origami: Langsam wird's konkreter

Für heute sind ja weitere Infos über den "Ultramobile PC" von Intel angekündigt, der offensichtlich viel mit Microsofts Origami-Projekt zu tun hat. Jetzt im Moment ist auf der Website umpc.com zwar immer noch nur ein inhaltsloses Flash-Intro zu sehen, aber ein paar fleissige Gadget-Freaks haben schon die URLs weiterer Seiten herausgefunden, auf denen mehr zu lesen ist.

Neben ein paar weiteren Produktbildern (wobei nicht klar ist, ob es sich um Designstudien handelt oder um echte Produkte), ist im FAQ endlich mal konkreter zu lesen, was der Zweck so eines UMPCs ist:
"An Ultra Mobile PC is a small device that you can carry and use to access your favorite online games, videos, music, TV shows and more on the go, with the quality you're accustomed to to when you're in front of your PC."
Aha, so eine Art Super-Medienplayer also. Aber damit nicht genug: Der UMPC soll ausserdem e-Mail, SMS, VoIP (!) und ortsabhängige Infodienste beherrschen. Klingt nach einem wirklich ultimativen Konvergenz-Device.

Aber andererseits ist ein UMPC kein vollwertiger PC-Ersatz, steht da:
"It is not designed to process lots of work or write a college thesis. You have your laptop or desktop for these tasks. Instead, the UMPC is a great PC companion."
Angesichts des angestrebten Preises um die $500 ist das verständlich. Aber andererseits: Was bitte ist dann genau der Unterschied zu einem heute schon existierenden Windows-Mobile-Smartphone à la Qtek 9100? Das beherrscht nämlich die meisten der aufgezählten Funktionalitäten auch schon, wenn vielleicht auch nicht immer in exzellenter Qualität.

Auf anderswo aufgetauchten Produktbildern ist nicht mehr das vertraute Windows-Benutzerinterface zu sehen, sondern etwas, was nach neuem Betriebssystem à la Vista aussieht. Ist Microsofts Origami vielleicht der Nachfolger zu Windows Mobile, also das neue Betriebssystem für die UMPC-Hardwareplattform? Das könnte auch erklären, warum die Innovationsgeschwindigkeit bei Windows Mobile zuletzt nicht mehr besonders beeindruckend war.

Übermorgen werden wir es wohl wissen. Ja, Spekulieren über Gadgets ist so schön...

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