01. Juli 2007
48 Stunden mit dem iPhone: Ein erstes Fazit
So, knapp zwei Tage ist es jetzt her, dass ich mir das möglicherweise meistgehypte Gadget der Geschichte gekauft habe. Und, ehrlich gesagt, den grössten Teil dieser Zeit habe ich mit dem iPhone verbracht.
Wer an Details interessiert ist: Drüben auf neuerdings.com kann man die ausführlichen Testberichte nachlesen, die Chefredakteur Pit Sennhauser und ich verfasst haben.
Alle paar Jahre gibt es in der Technologiebranche ein Produkt, das eine neue Phase eröffnet, eine Produktkategorie definiert und festlegt, wie das Spiel von da an gespielt wird. Um einige zu nennen: Der Apple II, der IBM PC, der erste Macintosh, das IBM Thinkpad. Oder bei der Software Lotus 123, Microsoft Office, Lotus Notes, Netscape Navigator. Und bei den Mobilgeräten das Motorola StarTAC, der Palm Pilot, der erste Nokia Communicator, der iPod, der Blackberry. Aber natürlich gibt es auch eine lange Liste von Produkten, bei deren Vorstellung man hohe Erwartungen hatte, die sich aber als Flop herausstellten: der IBM PCjr., der Apple Newton, Microsoft Bob, das Iridum Satellitentelephon, der erste Tablet PC.
In welche Kategorie wird das iPhone gehören?
Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass es zu den "game-changing" Produkten gehört und verändern wird, wie der Mobiltelefonmarkt funktioniert, was wir für Anforderungen an ein Mobiltelefon stellen und was man mit einem Mobilgerät machen kann. Neben allen netten Features und diversen Schwächen, die das Ding bietet, stechen drei revolutionäre Aspekte besonders heraus:
Apple ist extrem gut darin, sich auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind und den Rest einfach zu ignorieren. Beispiele gefällig? Das iPhone unterstützt kein MMS. Hand hoch, wer in den letzten Monaten mehr als 3 MMS verschickt hat. Man kann keine Spreadsheets editieren. Hab ich einmal auf meinem Windows-Mobile-PDA ausprobiert und nie mehr gemacht. Bisher kann man keine zusätzlichen Klingeltöne installieren. Gut so, keine "Crazy Frog"-Gefahr.
Dafür hat das iPhone viele Nettigkeiten, die man sich von einem intelligenten Gerät erwarten würde. Zum Beispiel zeigt es einen den Wetterbericht und Börsenkurse auf Knopfdruck, ohne jede Wartezeit. Und die Voicemail-Funktionalität ist schlicht spektakulär.
Klar, das iPhone ist noch zu teuer, um wirklich zum Massenprodukt zu werden. Aber auch das ist eine Frage der Zeit. Das Gerät setzt jedenfalls die Latte sehr hoch und wird die anderen Mobiltelefon-Hersteller zwingen, mit attraktiven Geräten nachzuziehen. Und vor allem auf der Softwareseite kann man ganz offensichtlich noch viel machen.
Noch eine Nebenbemerkung: Während in den USA die Presse sehr differenziert, aber mit klar positivem Grundton berichtet, übt sich die deutschsprachige Presse wieder mal in Sauertöpfigkeit. Das Schweizer Fernsehen findet die technischen Probleme in den Anmeldesystemen am meldenswertesten. Der Multimediaredakteur der Sonntagszeitung hat ganz offensichtlich noch nie ein iPhone in der Hand gehabt, weiss aber trotzdem zu berichten, dass es Apple ja nur darum geht, teure Filme zu verkaufen und dass die Telefonfunktionen nur Nebensache sind. Soso. Und der Klein Report zitiert statt kompetenter englischsprachiger Quellen lieber die Sonntagszeitung und berichtet über "ernüchternde Fachberichte". Komischerweise sind die Berichte in deutschsprachigen Medien, die sich einen Korrespondenten vor Ort leisten, hingegen mehrheitlich positiv.
Wer an Details interessiert ist: Drüben auf neuerdings.com kann man die ausführlichen Testberichte nachlesen, die Chefredakteur Pit Sennhauser und ich verfasst haben.
Alle paar Jahre gibt es in der Technologiebranche ein Produkt, das eine neue Phase eröffnet, eine Produktkategorie definiert und festlegt, wie das Spiel von da an gespielt wird. Um einige zu nennen: Der Apple II, der IBM PC, der erste Macintosh, das IBM Thinkpad. Oder bei der Software Lotus 123, Microsoft Office, Lotus Notes, Netscape Navigator. Und bei den Mobilgeräten das Motorola StarTAC, der Palm Pilot, der erste Nokia Communicator, der iPod, der Blackberry. Aber natürlich gibt es auch eine lange Liste von Produkten, bei deren Vorstellung man hohe Erwartungen hatte, die sich aber als Flop herausstellten: der IBM PCjr., der Apple Newton, Microsoft Bob, das Iridum Satellitentelephon, der erste Tablet PC.
In welche Kategorie wird das iPhone gehören?
Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass es zu den "game-changing" Produkten gehört und verändern wird, wie der Mobiltelefonmarkt funktioniert, was wir für Anforderungen an ein Mobiltelefon stellen und was man mit einem Mobilgerät machen kann. Neben allen netten Features und diversen Schwächen, die das Ding bietet, stechen drei revolutionäre Aspekte besonders heraus:
- Der erste mobile Web-Browser, der diesen Namen uneingeschränkt verdient. Nach zwei Tagen iPhone hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, richtiges mobiles Internet zu haben. Selbst der sehr gute Nokia-Browser sieht da uralt aus. Zwar ist der iPhone-Browser noch nicht in allen Aspekten perfekt, aber sehr nahe dran. Das könnte die Art ändern, wie wir mobile Applikationen verwenden.
- Ein Userinterface, das schlicht um Grössenordnungen besser ist als alles, was man bisher auf Mobiltelefonen gesehen hat. Zuerst stechen die vielen schicken Spezialeffekte und Animationen ins Auge, aber die sind eigentlich Nebensache. Die Oberfläche des iPhones ist konsistent, übersichtlich, effizient und vor allem ohne jede Hilfe sofort intuitiv zu bedienen. Kein Vergleich mit den Menüwüsten der Konkurrenz. Das ist ein Schritt fast wie von MS-DOS zu Mac OS X.
- Bisher erst am Rande relevant, aber mit Sprengkraft: Apple definiert das Kundenerlebnis, nicht der Mobilfunkoperator. Wer wie ich den Fehler gemacht hat, das Gerät im AT&T-Laden zu kaufen, wurde nochmal voll der bekannten Operator-Hölle ausgesetzt: Schlecht geschulte Verkäufer, die mit grauenhaft langsamen Systemen idiotische Kreditchecks machen müssen und vom Management gezwungen werden, den Kunden überteuertes Zubehör anzudrehen. Mein iPhone wurde in eine eigens für den Anlass hergestellte Plastiktüte verpackt, die einen langen Disclaimer aufgedruckt hatte (!). Kleiner Hinweis an AT&T: Ihr beschäftigt zu viele Juristen.
Anders im Apple Store: Nette junge Leute verkaufen einem sofort ohne Papierkrieg das elegant verpackte Produkt. Man trägt selbiges nach Hause, aktiviert es per Internet und kann sofort loslegen. Die Probleme der ersten iPhone-Nacht hatten offenbar vor allem mit den überlasteten AT&T-Systemen zu tun, aber das dürfte jetzt gelöst sein.
Und alles, was man von AT&T dann noch sieht, ist das Netzkennzeichen. Kein Walled Garden à la Vodafone Live, kein Versuch, einem ständig überteuerte Klingeltöne anzudrehen. Und das iPhone hat eine klare Präferenz für schnelle WLANs, nicht das lahme Netz des Operators. Gut so.
Apple ist extrem gut darin, sich auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind und den Rest einfach zu ignorieren. Beispiele gefällig? Das iPhone unterstützt kein MMS. Hand hoch, wer in den letzten Monaten mehr als 3 MMS verschickt hat. Man kann keine Spreadsheets editieren. Hab ich einmal auf meinem Windows-Mobile-PDA ausprobiert und nie mehr gemacht. Bisher kann man keine zusätzlichen Klingeltöne installieren. Gut so, keine "Crazy Frog"-Gefahr.
Dafür hat das iPhone viele Nettigkeiten, die man sich von einem intelligenten Gerät erwarten würde. Zum Beispiel zeigt es einen den Wetterbericht und Börsenkurse auf Knopfdruck, ohne jede Wartezeit. Und die Voicemail-Funktionalität ist schlicht spektakulär.
Klar, das iPhone ist noch zu teuer, um wirklich zum Massenprodukt zu werden. Aber auch das ist eine Frage der Zeit. Das Gerät setzt jedenfalls die Latte sehr hoch und wird die anderen Mobiltelefon-Hersteller zwingen, mit attraktiven Geräten nachzuziehen. Und vor allem auf der Softwareseite kann man ganz offensichtlich noch viel machen.
Noch eine Nebenbemerkung: Während in den USA die Presse sehr differenziert, aber mit klar positivem Grundton berichtet, übt sich die deutschsprachige Presse wieder mal in Sauertöpfigkeit. Das Schweizer Fernsehen findet die technischen Probleme in den Anmeldesystemen am meldenswertesten. Der Multimediaredakteur der Sonntagszeitung hat ganz offensichtlich noch nie ein iPhone in der Hand gehabt, weiss aber trotzdem zu berichten, dass es Apple ja nur darum geht, teure Filme zu verkaufen und dass die Telefonfunktionen nur Nebensache sind. Soso. Und der Klein Report zitiert statt kompetenter englischsprachiger Quellen lieber die Sonntagszeitung und berichtet über "ernüchternde Fachberichte". Komischerweise sind die Berichte in deutschsprachigen Medien, die sich einen Korrespondenten vor Ort leisten, hingegen mehrheitlich positiv.


Kommentare
Enttäuschend am iPhone finde ich bislang die unvollständige Synchronisierung mit den Geschwistern auf dem Desktop, insbesondere auch iCal. Beim Pocket PC ärgert mich jeweils, dass die Synchronisierung zwischen Outlook auf dem PC und auf dem PDA nur lückenhaft funktionierte, nun scheint der gleiche Nachteil auch beim iPhone aufzutreten. Ich hoffe, diese Schwäche wird noch behoben, denn Kalenderapplikationen mit mehreren Kalendern sind offensichtlich sinnvoll, wie «Google Calendar» zeigt …
In 5 Jahren schreiben wir sicherlich auch auf dem Handy mehr E-Mails als SMS.
Ich warte immer noch auf die Aktivierung. Die AT&T Hotline nimmt neue Anrufe gar nicht mehr an, da ihre Wartschlage zu gross ist.
Das Design des iPhones ist grossartig, aber mehr als den Startscreen habe ich leider noch nicht gesehen und das ist für einen Preis von USD600 doch etwas unschön.
Sauertöpfigkeit: Vermutlich eine Frage der Mentalität und nicht davon, ob man ein iPhone bereits in der Hand gehalten hat. Peter Sennhauser schreibt im Tages-Anzeiger sehr sauertöpfig über das iPhone. Überhaupt scheinen die Schweizer Schreiberlinge in den USA ihre Hauptaufgabe darin zu sehen, über die USA und ihr Leben dort zu jammern, aber das ist ein anderes Thema.
Konkurrenz: Wer das iPhone nicht mag, kauft sich ein Gerät eines anderen Herstellers; nicht jeder benötigt ein Smartphone oder kann sich ein solches leisten, Featurephones dominieren nicht umsonst den Handymarkt. Ein Smartphone wie das iPhone kostet pro Monat mit allem Drum und Dran bald einmal über 100 Franken, während sich ein Featurephone zu deutlich tieferen Kosten nutzen lässt.
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