29. März 2005

Da ich das Osterwochenende als Strohwitwer verbrachte, war es natürlich heilige Pflicht, ein wenig mit aktueller Technologie rumzubasteln. Objekt der Begierde war diesmal die derzeitige Krönung der digitalen Medienkonvergenz überhaupt: Ein Media Center, also eine PC-basierte Multimedia-Verwurstungsmaschine. Klar, man hat natürlich schon DVD-Player, MP3-Device, Harddisk-Recorder und all das Zeug, aber eine vollintegrierte Lösung auf PC-Basis wäre schon was Schönes. Dachte ich mir.
Natürlich kam der Kauf eines
fixfertigen Windows-Media-Center-PC nicht in Frage, denn erstens wäre das zu einfach (wo bleibt da der Gadget-Sportsgeist?), und zweitens will ich mir nicht notwendigerweise aus Redmond vorschreiben lassen, in welchen Fileformaten und mit welchen Einschränkungen ich meine Medien abzulegen habe.
Nun gut, nach Ablieferung eines nicht unsubstanziellen Betrags beim Gadgetdealer meines Vertrauens war ich stolzer Besitzer eines
„Pinnacle PCTV MediaCenter" sowie eines
„Pinnacle ShowCenter Wireless G“. Ersteres hat im wesentlichen die Aufgabe, als TV-Tuner und digitaler Videorekorder zu wirken. Letzteres Gerät stellt die Verbindung zwischen PC und Fernseh-Gerätepark her und bringt die per Ethernet oder drahtlos per WLAN gestreamten Inhalte in die analoge Welt. Das ShowCenter erlaubt ausserdem bequem per Fernbedienung von der Couch aus den Zugriff auf Videos, Musik, Bilder usw., halt allem, was so an Abspielbarem auf der Festplatte des PCs im Nebenzimmer rumliegt.
Da beide Produkte vom gleichen Hersteller stammen (und Pinnacle ist normalerweise eine ziemlich kompetente Firma) ging ich naiverweise davon aus, dass sich das ganze doch immerhin recht einfach installieren und integrieren würde. Wie immer hat sich nicht wirklich erfüllt. Nach drei bis vier ellenlangen Installationsvorgängen und zwei Firmware-Upgrades war das Equipment dann aber einigermassen betriebsbereit. Hier fragt man sich schon zum ersten Mal, ob die Hersteller diese Produkte wirklich ernsthaft an technisch unbeleckte Konsumenten verkaufen wollen.
Man darf jedenfalls beim üblichen Fachchinesisch nicht nervös werden, wenn man in die wunderbare Media-Center-Welt eingelassen werden will. Bevor man faul Video gucken darf, ist es wohl nicht zu viel verlangt, auch mal eine IP-Subnetzmaske manuell zu konfigurieren, oder? Eben. Konfigurations-Warmduscher sollen sich doch was von Sony kaufen.
Immerhin, technisch ist die Sache recht interessant gelöst. Die ShowCenter-Box ist ein kleiner Linux-Rechner, der im Prinzip als Web-Client und Streaming-Client funkioniert. Auf dem Server-PC läuft ein HTTP-Server, der das ganze User-Interface (in PHP geschrieben) generiert. Das öffnet natürlich vielerlei Möglichkeiten für spassige Modifikationen. Beispielsweise gibt es
Open-Source-Gruppen, die bereits alternative Interfaces geschrieben haben. Ansonsten unterstützt die Kiste die gängigen Formate, im Bereich der kommerziellen Online-Musikshops aber bisher leider nur RealRhapsody (das lustigerweise nur in den USA verfügbar ist), also weder iTunes noch die WMA-basierten Läden. Da ich doch immerhin auch zu den regelmässigen Käufern in Online-Shops gehöre, ist das eine mehr als ärgerliche Einschränkung.
Dann galt es also ernst: Sollte es wirklich wahr sein, dass ich jetzt per PC Fernsehsendungen aufzeichnen, selbige per Wireless LAN (802.11g) ins Wohnzimmer streamen und Musikplaylists abnudlen konnte, und das alles gleichzeitig? Antwort: Im Prinzip ja, in der Praxis nicht wirklich.
Die Grundfunktionen sind recht nett (dazu im nächsten Teil mehr), aber als echtes Problem erwies sich die WLAN-Verbindung. Zwar lässt sich der Server-PC gut damit bedienen, und Musik-Streaming geht auch, aber beim Video-Streaming wird es holprig. Die ersten zwei bis drei Minuten laufen meistens brav durch, aber spätestens dann gerät das Video ins Stocken, setzt mal für ein paar Sekunden aus und rappelt sich irgendwann wieder hoch. Nicht gerade das, was man sich für einen entspannten Video-Abend wünscht.
Wie meistens in solchen Fällen sind die Ursachen schwierig zu eruieren. Ein mehrstündiger Versuch, sämtliche nur denkbaren Konfigurationsparameter an meinem WLAN-Access-Point zu manipulieren, erwies sich als fruchtlos (immerhin, deutliche Verschlechterungen waren tatsächlich zu erzielen…). Dass in den
produktspezifischen Diskussionsgruppen schon User zu Sammelklagen gegen den Hersteller wegen schlechter WLAN-Performance aufrufen, ist auch nicht gerade ermutigend. Am Schluss gab ich auf und verlegte halt schnell mal ein LAN-Kabel zwischen PC und Box. Zumindest bis zum nächsten Firmware-Upgrade. Vielleicht liegt es ja aber auch an einem meiner Nachbarn, der irgendeinen Power-Mikrowellenofen oder so was ständig in Betrieb hat.
Dafür kenne ich jetzt aber einen zufällig als Testclip aufgenommenen Ausschnitt aus
„The Bridges of Madison County“ in- und auswendig. Prima Film, zumindest die vier Minuten, die ich etwa 37mal mit wechselnden WLAN-Parametern anschauen durfte…