Konvergenz leicht gemacht: Apple TV im Test

Eigentlich müsste man ja meinen, dass im Zeitalter der Medienkonvergenz es ein leichtes sein sollte, den PC bzw. Mac mit dem Fernseher zu verbinden, um digitale Inhalte bequem im Wohnzimmer zu konsumieren. Wer sich aber schon mal mit einem der einschlägigen Produkte herumgeschlagen hat, weiss: Ohne technische Kenntnisse und reichlich Leidensbereitschaft kommt man damit nicht weit.

Apple will das nun mit einem neuen Produkt ändern, das diese Woche auf den Markt kam: Der Apple TV (ursprünglich als iTV vorgestellt) ist eine kleine Set-Top-Box, die sich per WLAND mit dem heimischen Rechner oder Laptop verbindet und die Inhalte auf den Fernsehschirm bzw. die Stereoanlage bringt. Das Gerät enthält eine 40GB-Harddisk, was reibungslose Wiedergabe sicherstellt und den Betrieb auch ermöglicht, wenn der PC mal ausgeschaltet ist.

Der Apple TV synchronisiert sich ausschliesslich mit iTunes und kann darum auch nur die Formate verarbeiten, die in iTunes abgespielt werden können. Am liebsten sieht es Apple natürlich, wenn man sich die Inhalte im iTunes-Store kauft. In Europa ist die Auswahl an Video-Content noch arg beschränkt, aber hier in den USA gibt es schon eine ansehnliche Auswahl an Filmen und vor allem Fernsehserien zu kaufen. Die Preise entsprechen meistens ungefähr dem DVD-Äquivalent.

Mein Eindruck nach einigen Tagen Medienkonsum mit dem Apple TV ist mehrheitlich positiv. Im Prinzip ist das kleine Kästchen einfach so eine Art iPod für den Fernseher. Die Bedienung ist sehr ähnlich (und ausgesprochen einfach), die Installation ist völlig problemlos, die Wiedergabequalität gut, aber dafür hat man auch gewisse Einschränkungen in den abspielbaren Formaten. Neben Videos kann der Apple TV natürlich auch Musik, Podcasts und Bilderalben abspielen.

Ob der Apple TV einen ähnlich massiven Einfluss haben wird wie der iPod, bleibt abzuwarten. Im Moment sind die Möglichkeiten des Geräts noch recht begrenzt, aber durch Softwareupdates und Erweiterungsgeräte könnte sich das vielleicht bald ändern. Trotz eines recht satten Preises ist der Apple TV empfehlenswert für alle, die sich digitale Medien ins Wohnzimmer holen wollen, ohne sich mit der Technik herumärgern zu müssen.

Einen ausführlichen Test zum Apple TV habe ich auf neuerdings.com verfasst.

Steve Jobs fordert: Gebt die Musik frei

Einen Mangel an strategischer Raffinesse kann man Apple-Chef Steve Jobs wirklich nicht vorwerfen. Apple ist insbesondere in Europa zunehmend unter Druck, weil das Kopierschutzsystem "FairPlay", das Apple im iPod verwendet, proprietär und geschlossen ist. Die Konsumenten müssen bei Apple-Produkten bleiben, wenn sie ihre im iTunes-Store gekauften Musiktitel weiter hören wollen. Das schränkt die Konsumenteninteressen zu sehr ein, meinen insbesondere Politiker in Frankreich und Norwegen. Darum soll Apple gezwungen werden, FairPlay auch an andere Hersteller zu lizensieren.

In einem langen langen offenen Brief auf der Apple-Website wehrt sich Steve Jobs nun persönlich und schiebt den schwarzen Peter weiter -- zur Musikbranche. Nur die ist nämlich der Grund dafür, schreibt Jobs, dass iTunes überhaupt DRM-geschützte Musik verkauft. Apple ist vertraglich gezwungen, den Kopierschutz zu verwenden und muss zudem, sollte dieser einmal geknackt werden, mit Softwareupdates für einen erneuten Schutz sorgen.

Viel besser wäre es, meint Jobs, wenn man die Musik gleich von vorneherein ohne Kopierschutz verkaufen würde. Der durchschnittliche iPod-User hat nämlich nur 22 online gekaufte Titel auf seinem Gerät (also einen Gegenwert von $19.80 zu US-Preisen). Das ist weder eine grosse Umstiegshürde für die Kunden noch ein tolles Geschäft für die Musikindustrie. Mehr als 90% der Musik auf iPods stammt immer noch aus anderen Quellen, primär von gerippten CDs. Und da man nun doch schon ein paar Jahre Erfahrung mit dem Kundenverhalten hat, muss man wohl auch davon ausgehen, dass sich daran nicht so schnell viel ändern wird.

Die Musikbranche würde nicht viel verlieren, wenn sie DRM aufgeben würde, könnte aber sehr viel gewinnen, so Jobs. Raubkopiert wird so oder so, aber mit umständlichen Kopierschutzverfahren behindert man nur ehrliche Konsumenten am legalen Kauf. Offene Formate ohne Kopierschutz wären am besten, schreibt Jobs: "This is clearly the best alternative for consumers, and Apple would embrace it in a heartbeat."

Ganz uneigennützig ist dieser heldenhafte Kampf für offene Musik natürlich nicht. Apple verdient so gut wie kein Geld am Musikverkauf. Nach Analystenschätzungen beträgt die Bruttomarge pro iTunes-Song gerade mal 4 Cents, und davon müssen auch noch Infrastrukturkosten usw. gedeckt werden. Hingegen macht Apple reichlich Kohle mit den Geräten: Bei einem iPod Nano beispielsweise beträgt die Marge fast 50%, und auch das angekündigte iPhone wird ähnlich profitabel sein.

Nur wird selbst ein einflussreicher Mann wie Steve Jobs bei der Musikbranche mit seiner Anregung garantiert auf taube Ohren stossen. Die Musikfirmen machen ihren Gewinn nämlich vor allem mit einer Sache: Ihre Rechte bis aufs Blut zu verteidigen. Darum wird gern auch mal ein Kneipenwirt verklagt, der das Radio laut laufen lässt, oder ein Amateurfilmer, der sein mit kommerzieller Musik vertontes Werk mehr als drei Leuten vorgeführt hat. Das sind nämlich nach der Definition der Plattfenfirmen öffentliche Aufführungen, und damit müssten Gebühren an die jeweilige nationale Abrechnungsstelle abgeführt werden.

Es ist kein Zufall, dass die Plattenfirmen mehr Juristen als Kreative beschäftigen. Die Rechte an Musik zu verteidigen, ist so tief in der DNA der Musikbranche verwurzelt, dass sie fast mit Garantie niemals einem technischen Verfahren zustimmen wird, das die Schutzmöglichkeiten nicht bis aufs letzte ausreizt.

Realistischerweise brauchen sich die Konsumenten (und Steve Jobs) also keine Hoffnungen auf DRM-freie Musik zu machen. Und die juristendurchsetzten Musikkonzerne sich keine auf ihre langfristige Profitabilität. Schade, aber wenn die Spielregeln sich ändern, helfen einem Leute, die nur die alten Spielregeln verteidigen können, leider nicht weiter.

Wal-Mart Video Store: Technologie ist eben Glückssache

Der amerikanische Billigmarkt-Gigant Wal-Mart ist heute mit der Beta-Version seiner neuen Video-Download-Website ans Netz gegangen. Das ist für die Videobranche im Prinzip natürlich ein recht grosses Ereignis, denn Wal-Mart dominiert in den USA den Verkauf von DVDs durch sein riesiges Volumen. Dass ausgerechnet dieser mainstreamigste aller Mainstream-Händler jetzt auch online verkauft, ist bemerkenswert, zumal Wal-Mart es auch geschafft hat, die meisten grossen Filmstudios für sein Angebot zu gewinnen.

Leider hat Wal-Mart das mit der Technik aber scheinbar noch nicht so ganz raus. Der Videostore sieht auf Firefox (PC und Mac) nämlich so aus:



Nur auf Internet Explorer läuft die Site richtig. Vermutlich hat man sich bei Wal-Mart gedacht, dass Firefox-User nicht relevant sind, weil der Videostore natürlich wieder mal auf der üblichen proprietären Microsoft-DRM-Technologie basiert und daher sowieso nur für PC-User nutzbar sind. Dass aber gerade die meisten Meinungsführer im Internet primär Firefox nutzen, hat man wohl vergessen. Und daher wird Wal-Mart jetzt in der Blogosphäre halt ziemlich massiv verspottet.

Aber das dürfte dem kommerziellen Erfolg weniger schaden als die Tatsache, dass die Website auch sonst kein Usability-Wunder ist und dass das Angebot für den Kunden genauso unattraktiv ist wie das der übrigen Online-Konkurrenz: Die Download-Filme kosten gleich viel wie die DVD-Version, und das bei schlechterer Qualität und grösseren Restriktionen. Wo da der Kaufanreiz liegen soll, ist mir ehrlich gesagt nicht klar.

Wal-Mart ist bei aller Macht, die der Konzern im Retail-Bereich hat, bisher im digitalen Bereich kein starker Mitspieler. Der schon länger bestehende Online-Musikladen von Wal-Mart läuft, wenn überhaupt, nur unter "ferner liefen". Und mit diesem ziemlich unerwähnenswerten Videoangebot wird Wal-Mart wohl auch keine Fans gewinnen.

Musikindustrie und Internet: Wer zuletzt lacht...?

Der Musiker und Unternehmer Gerd Leonhard äussert in einer kürzlich publizierten Präsentation einige sehr interessante Gedanken über die Zukunft der Musikbranche.

Ein bemerkenswertes Argument von Leonhard ist, dass technische Innovationen, die der alteingesessenen Medienbranche zunächst als Bedrohung erscheinen, am Schluss die etablierten Firmen letztlich gestärkt haben. Beispielsweise hatte Hollywood panische Angst vor dem Videorekorder, macht aber heute mehr Umsatz mit Videos und DVDs als mit Kinoeintritten. Kabelfernsehen erwies sich als vorteilhaft für die Fernsehsender. Und selbst die Buchverlage haben möglicherweise von der Erfindung des Fotokopierers letztlich profitiert.

Ähnlich, sagt Leonhard voraus, wird auch digitalisierte Musik und Filesharing zuguterletzt ein Segen für die Musikindustrie sein. Immer vorausgesetzt natürlich, dass die Industrie es schafft, sich an die neuen Modelle für den Musikkonsum anzupassen.

Wenn man sich die genannten Vergleiche etwas genauer anschaut, stellt man aber fest, dass diesmal einige Dinge grundsätzlich anders sind:

Bisher waren Medien an physische Träger und/oder teure Verbreitungsinfrastrukturen (Sendernetze, Kinos usw.) gebunden. Dadurch konnten die Medienkonzerne hohe Einstiegshürden gegen neue Konkurrenz oder auch illegales Kopieren aufbauen. Das ist bei digitaler Musik nicht mehr so. Der Kunde braucht nur ein (relativ billiges) Abspielgerät, der Content wird aber über ein preiswertes und öffentliches Netz sehr kostengünstig verteilt.

Inzwischen ist der Online-Kauf von Musik faktisch bequemer geworden als die physische Musikkauf im Plattenladen. Auch der Konsum ist praktischer: Ein iPod stellt in jeder Hinsicht einen grossen Fortschritt gegenüber einem tragbaren CD-Player dar. Besonders schlimm für die Musikindustrie: Raubkopieren ist erstmals einfacher und bequemer als der legale Kauf. Das war bisher noch bei keinem Medium so.

Eigentlich gibt es nur noch zwei Hürden, die die Musikindustrie aufrechterhalten kann:
  • Den rein rechtlichen Schutz urheberrechtlich geschützter Inhalte. Essentiell natürlich, aber nur mit viel Aufwand zu verteidigen.

  • Vorerst ihre Marketingpower, oder genauer gesagt die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu gewinnen. Es ist zwar toll, dass eigentlich jeder Künstler selber seine Musik im Netz publizieren kann, aber wie soll ich ihn als Konsument in all den Angeboten finden? Im Moment geht das immer noch primär über die Marketingmaschinerie der Musikkonzerne, aber wie lange noch?


Die Zukunft, sagt da Leonhard -- und damit hat er zweifelsfrei recht -- liegt vor allem in effizienten Methoden, interessante Musik in dem unüberschaubaren Online-Angebot auffinden zu können. Kollaborative Filter, Agenten, Playlisten usw. sind zukünftig der wichtigste Hebel, um die sehr unterschiedlichen Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Amazon hat bei physischen Medienträgern vorgemacht, wie das geht. Bleibt die Frage, ob die Musikindustrie es schafft, diese doch grundlegend neuen Mechanismen zu adaptieren. Wenn man sich das bisherige Verhalten der Branche anschaut, gibt es noch nicht viel Grund zum Optimismus.

Hinzu kommt: Solche Filtersysteme neigen aufgrund von Netzwerkeffekten dazu, nach dem Prinzip "The Winner takes it all" zu funktionieren. Es gibt nur ein Amazon, nur ein Ebay und nur eine Wikipedia, und das aus gutem Grund. Jeder Kauf, jedes Angebot und jede Suchanfrage auf diesen Plattformen fügt Wert zum System hinzu, und dadurch wird der Abstand zur Konkurrenz wieder etwas grösser. Wer zuerst die kritische Masse erreicht, hat einen kaum mehr einholbaren Vorsprung.

Wer wird diese dominierende Rolle einst bei digitaler Musik einnehmen? Im Moment würde ich da ehrlich gesagt eher auf Apple wetten als auf Sony oder Universal. Aber vielleicht kommt es ja auch ganz anders, und am Schluss setzt sich ein offenes Modell à la Wikipedia durch.

Legale Musik-Downloads jetzt auch in der Schweiz – mit ein paar Verbesserungspotentialen

Seit dieser Woche gibt es in der Schweiz endlich auch den iTunes-Musicstore von Apple. Zeit war's ja. Vermutlich hat der Produktmanager wieder mal die Europakarte rausgenommen und festgestellt, dass da in der Mitte des Kontinents noch so ein kleiner komischer Markt ist, den man eigentlich auch noch abdecken könnte. Schön, denn damit steht jetzt 1 Million Songs zum legalen Download zur Verfügung.

Zeitgleich ist auch Sony mit dem Connect-Shop gestartet, der leider nur kompatibel mit den Sony-eigenen Abspielgeräten ist, aber immerhin auch 600'000 Songs bietet. Und schon etwas länger gibt es ja die beiden Migros-Konzerntöchter Ex Libris und M-Electronics, die sich lustigerweise immer noch fleissig konkurrenzieren. Ja, der Online-Markt ist halt unübersichtlich.

Alles prima also? Nun, machen wir ein einfaches Experiment. Nichts Hinterhältiges, sondern eine ganz banale Aufgabenstellung für einen Musikshop im Markt Schweiz: Wir hätten gern die Nr. 1 der Schweizer Hitparade runtergeladen.

Im Moment ist das gerade Castingshow-Hupfdohle Salome mit ihrem Bergler-Rocksong "Gumpu". Suchen bei iTunes: Fehlanzeige. Sony Connect: Nix. M-Electronics: Nada. Ex-Libris: Leider auch nicht, aber dieser Shop empfiehlt uns dafür als Alternative die Arie "Ah! Du wolltest mich nicht Deinen Mund küssen lassen, Jochanaan" aus der Oper "Salome" von Richard Strauss. Auch sehr schön. Aber die Nr. 1 der Hitparade bleibt uns leider zum legalen Download verwehrt.

Gut, der künstlerische Verlust hält sich in Grenzen. Aber ernüchternd sind die Resultate doch. Weitere Experimente zeigen: Von den Top 10 der aktuellen Schweizer Hitparade gibt es bei iTunes gerade mal 4 Titel, die anderen Shops sind alle gleich schlecht oder noch dünner ausgestattet.

Man kann gespannt sein, wie lange es noch dauert, bis die Musikindustrie endlich akzeptiert, dass die Konsumenten heute Musik einfach gerne runterladen und hören möchten, ohne sich mit einem halben Dutzend Shops und fünf verschiedenen Formaten herumschlagen zu müssen. Und zwar bitte alle Musik, die man auch im Plattenladen bekommt, nicht eine undurchsichtige Teilauswahl.

Werbung auf dem digitalen Videorekorder: Bescheidene Anfänge

Ein Gespenst geht um in der Werbebranche, und es heisst PVR (Personal Videorecorder). Diese digitalen, harddiskbasierten Aufzeichnungsgeräte ermöglichen es dem User nämlich, bei aufgezeichneten Sendungen einfach über die lästigen Werbeblöcke drüberzuspringen, was dank Digitaltechnik wesentlich einfacher und komfortabler geht als bei den alten bandbasierten Videorekordern. Als mehrjähriger Besitzer eines PVR kann ich nur bestätigen, dass man seinen Konsum von Fernsehwerbung damit wirklich dramatisch reduziert.

Ein echtes Problem für die Werber, denn was tut man, wenn sich einfach keiner mehr die schönen, teuren 30-Sekunden-Spots anschaut? Kein Wunder, dass die Branche fieberhaft nach Möglichkeiten sucht, den PVR-Benutzern doch noch ein paar Werbebotschaften reinzudrücken.

Tivo, die in den USA erfolgreichste PVR-Firma, hat jetzt eine neue Variante vorgestellt, die bereits schon zu grösserer Entrüstung geführt hat: Beim schnellen Vorspulen (was man normalerweise zwecks Überspringen von Werbeblöcken tut...) wird einfach ein Viertel des Bildes mit einer Werbeeinblendung belegt. Da diese Einblendung leider im Zentrum des Bildes stattfindet, wirkt das aber ziemlich aufdringlich.

Kein Wunder, dass sich die Tivo-User schon mal vorab aufregen (bevor das ganze überhaupt eingeführt ist), schliesslich kauft man sich u.a. einen PVR auch darum, weil man nicht seine knappe Freizeit mit Werbeblöcken verschwenden will.

Da muss die Werbebranche wohl schon noch etwas kreativer werden, und mit kreativ ist mal ausnahmsweise nicht gemeint, wahnsinnig originelle Werbespots (an exotischen Lokationen) zu produzieren, die leider nur andere Werber gut finden und die dann in Cannes mit schönen Preisen bedacht werden. Nein, Kreativität im Sinn von wirklich neuen Ideen, wie man mit einem ganz frischen Medium umgehen könnte, das wäre jetzt das Thema.

(via Gizmodo)

Media-Center für Masochisten: Ein Selbstversuch. Teil 2 – Die Anwendungspraxis

Nachdem mein nunmehr nicht mehr ganz so drahtloses Media Center einigermassen lauffähig installiert war, ging es nun ans Erproben der praxisrelevanten Funktionalität.

Eigentlich schon prima: Eine einzige Fernbedienung, mit der man Musik, Filme und Bilder abrufen kann! Viel konvergenter kann es wohl im Wohnzimmer nicht mehr zugehen. Zu überwinden sind nur noch die administrativen Hürden (Medien, Playlists usw. importieren), dann kann’s losgehen.

Aber schnell zeigt sich, dass der moderne digitale Konsument ein schizophrenes Wesen ist: Während man sich als PC-Bastler noch über das schöne technische Konzept des Systems (Linux! HTTP! PHP!) freuen kann, ist man als Couch-Potato hauptsächlich über das lahme Benutzungstempo genervt. Zwei Sekunden Reaktionszeit nach einem Mausklick ist was anderes als zwei Sekunden nach dem Betätigen der Fernbedienung. Ersteres ist normal, letzteres nervt. Unterhaltungselektronik-Geräte reagieren normalerweise sofort, und nicht erst, nachdem endlich die Streaming-Software gebuffert hat. Ausserdem habe ich noch nie erlebt, dass mein Fernseher mit einem „Fatal Error“ abgestürzt ist, was aber bei so einer Streaming-Lösung gern mal vorkommt.

Aber man soll nicht nur meckern. Insgesamt ist der Funktionsumfang so eines Media-Centers schon ziemlich beeindruckend. Eine quasi unbegrenzte MP3-Jukebox in mehreren Räumen zu haben (samt Internet-Radio), ist schon ein echter Fortschritt. Endlich können die CDs wirklich in den Keller wandern.

Die Video-Funktionen haben derzeit noch eher Spielzeugcharakter, aber die Software ist ja auch noch recht frisch. Und für das zeitversetzte Sehen der Tagesschau oder der Harald-Schmidt-Show reicht’s allemal. Praktischerweise kann man den virtuellen Videorekorder über die Website tvtv.ch programmieren, allemal komfortabler als der manuelle Vorgang mit Programmzeitschriften.

Besonders schön ist die Fotoverwaltung, quasi die digitale Wiedergeburt der Diaschau. Falls man mal aufdringlichen Besuch loswerden will: Einfach auf dem Media-Center das wundervolle Programm mit den 400 besten Digitalfotos vom letzten Badeurlaub aufrufen, dazu als Hintergrund-Musik die schönsten Disco-Hits aus den frühern 80ern. Hält garantiert keiner länger als 10 Minuten aus.

Insgesamt hinterlässt das Media-Center sehr gemischte Gefühle: Der Komfortgewinn dadurch, alle Medienformen vom PC über ein einheitliches Interface per Fernsteuerung beziehen zu können, ist wirklich sehr angenehm. Andererseits steckt die konkrete Umsetzung technisch schon noch arg in den Kinderschuhen. Dass die Software noch in lauter 1.x-Versionen vorliegt, ist deutlich zu spüren.

Wenn solche Systeme noch etwas mehr reifen, wird der Impact auf die heimische Entertainment-Welt ziemlich massiv sein. Aber eben, eine deutliche Stabilitäts- und Komfortsteigerung ist vorher noch nötig.

Media-Center für Masochisten: Ein Selbstversuch. Teil 1 – Die Technik

Da ich das Osterwochenende als Strohwitwer verbrachte, war es natürlich heilige Pflicht, ein wenig mit aktueller Technologie rumzubasteln. Objekt der Begierde war diesmal die derzeitige Krönung der digitalen Medienkonvergenz überhaupt: Ein Media Center, also eine PC-basierte Multimedia-Verwurstungsmaschine. Klar, man hat natürlich schon DVD-Player, MP3-Device, Harddisk-Recorder und all das Zeug, aber eine vollintegrierte Lösung auf PC-Basis wäre schon was Schönes. Dachte ich mir.

Natürlich kam der Kauf eines fixfertigen Windows-Media-Center-PC nicht in Frage, denn erstens wäre das zu einfach (wo bleibt da der Gadget-Sportsgeist?), und zweitens will ich mir nicht notwendigerweise aus Redmond vorschreiben lassen, in welchen Fileformaten und mit welchen Einschränkungen ich meine Medien abzulegen habe.

Nun gut, nach Ablieferung eines nicht unsubstanziellen Betrags beim Gadgetdealer meines Vertrauens war ich stolzer Besitzer eines „Pinnacle PCTV MediaCenter" sowie eines „Pinnacle ShowCenter Wireless G“. Ersteres hat im wesentlichen die Aufgabe, als TV-Tuner und digitaler Videorekorder zu wirken. Letzteres Gerät stellt die Verbindung zwischen PC und Fernseh-Gerätepark her und bringt die per Ethernet oder drahtlos per WLAN gestreamten Inhalte in die analoge Welt. Das ShowCenter erlaubt ausserdem bequem per Fernbedienung von der Couch aus den Zugriff auf Videos, Musik, Bilder usw., halt allem, was so an Abspielbarem auf der Festplatte des PCs im Nebenzimmer rumliegt.

Da beide Produkte vom gleichen Hersteller stammen (und Pinnacle ist normalerweise eine ziemlich kompetente Firma) ging ich naiverweise davon aus, dass sich das ganze doch immerhin recht einfach installieren und integrieren würde. Wie immer hat sich nicht wirklich erfüllt. Nach drei bis vier ellenlangen Installationsvorgängen und zwei Firmware-Upgrades war das Equipment dann aber einigermassen betriebsbereit. Hier fragt man sich schon zum ersten Mal, ob die Hersteller diese Produkte wirklich ernsthaft an technisch unbeleckte Konsumenten verkaufen wollen.

Man darf jedenfalls beim üblichen Fachchinesisch nicht nervös werden, wenn man in die wunderbare Media-Center-Welt eingelassen werden will. Bevor man faul Video gucken darf, ist es wohl nicht zu viel verlangt, auch mal eine IP-Subnetzmaske manuell zu konfigurieren, oder? Eben. Konfigurations-Warmduscher sollen sich doch was von Sony kaufen.

Immerhin, technisch ist die Sache recht interessant gelöst. Die ShowCenter-Box ist ein kleiner Linux-Rechner, der im Prinzip als Web-Client und Streaming-Client funkioniert. Auf dem Server-PC läuft ein HTTP-Server, der das ganze User-Interface (in PHP geschrieben) generiert. Das öffnet natürlich vielerlei Möglichkeiten für spassige Modifikationen. Beispielsweise gibt es Open-Source-Gruppen, die bereits alternative Interfaces geschrieben haben. Ansonsten unterstützt die Kiste die gängigen Formate, im Bereich der kommerziellen Online-Musikshops aber bisher leider nur RealRhapsody (das lustigerweise nur in den USA verfügbar ist), also weder iTunes noch die WMA-basierten Läden. Da ich doch immerhin auch zu den regelmässigen Käufern in Online-Shops gehöre, ist das eine mehr als ärgerliche Einschränkung.

Dann galt es also ernst: Sollte es wirklich wahr sein, dass ich jetzt per PC Fernsehsendungen aufzeichnen, selbige per Wireless LAN (802.11g) ins Wohnzimmer streamen und Musikplaylists abnudlen konnte, und das alles gleichzeitig? Antwort: Im Prinzip ja, in der Praxis nicht wirklich.

Die Grundfunktionen sind recht nett (dazu im nächsten Teil mehr), aber als echtes Problem erwies sich die WLAN-Verbindung. Zwar lässt sich der Server-PC gut damit bedienen, und Musik-Streaming geht auch, aber beim Video-Streaming wird es holprig. Die ersten zwei bis drei Minuten laufen meistens brav durch, aber spätestens dann gerät das Video ins Stocken, setzt mal für ein paar Sekunden aus und rappelt sich irgendwann wieder hoch. Nicht gerade das, was man sich für einen entspannten Video-Abend wünscht.

Wie meistens in solchen Fällen sind die Ursachen schwierig zu eruieren. Ein mehrstündiger Versuch, sämtliche nur denkbaren Konfigurationsparameter an meinem WLAN-Access-Point zu manipulieren, erwies sich als fruchtlos (immerhin, deutliche Verschlechterungen waren tatsächlich zu erzielen…). Dass in den produktspezifischen Diskussionsgruppen schon User zu Sammelklagen gegen den Hersteller wegen schlechter WLAN-Performance aufrufen, ist auch nicht gerade ermutigend. Am Schluss gab ich auf und verlegte halt schnell mal ein LAN-Kabel zwischen PC und Box. Zumindest bis zum nächsten Firmware-Upgrade. Vielleicht liegt es ja aber auch an einem meiner Nachbarn, der irgendeinen Power-Mikrowellenofen oder so was ständig in Betrieb hat.

Dafür kenne ich jetzt aber einen zufällig als Testclip aufgenommenen Ausschnitt aus „The Bridges of Madison County“ in- und auswendig. Prima Film, zumindest die vier Minuten, die ich etwa 37mal mit wechselnden WLAN-Parametern anschauen durfte…

Berühmt werden geht jetzt auch ohne Plattenfirmen

Schon wieder ein Nagel im Sarg der Musikindustrie (Na ja, oder zumindest eine weitere Schraube zum Rollstuhl...): Zum ersten Mal hat ein Album einen Grammy gewonnen, das nie in einem Plattenladen verkauft wurde. Jazz-Komponistin Maria Schneider vertreibt ihr Album "Concert in the Garden" nur per Website. Gut, der Grammy-Gewinn war in einer eher exotischen Kategorie ("Best Large Jazz Ensemble"), aber man muss ja irgendwo anfangen.

Das ganze wurde organisiert über das Projekt artistShare, das wirklich ein äusserst interessantes Konzept verfolgt: Die User betreiben quasi die Vorfinanzierung von Künstlern. Musiker können also beispielsweise ihr neues Album aufnehmen, sobald genug Fans etwas gezahlt haben, um am späteren Endprodukt teilhaben zu können. Natürlich kann man auch die fertigen Werke nachträglich kaufen.

Eine der wichtigsten Funktion von Musikkonzernen (nämlich die teuren Produktionen vorzufinanzieren) wird damit schon mal weitgehend obsolet. Bleibt natürlich das ganze Marketing, das natürlich vor allem für den Massenmarkt weiterhin wichtig und teuer bleiben wird. Es ist kaum zu erwarten, dass Britney Spears demnächst nur noch per Web vertreiben wird. Aber gerade für Nischensegmente sind diese neuen Wege offenbar wirklich ein Weg zum Erfolg.

Schön, dass da die Digitalisierung tatsächlich auch mal die Kunst voranbringt.