Ein Halleluja auf inoffizielle Mobilfunk-Produkte

Vor einigen Monaten habe ich mich hier schon einmal über die Zumutungen beklagt, die man als Reisender auf sich nehmen muss, wenn man unterwegs vernünftigen Internet-Zugang haben will. Gerade bin ich wieder in einer ähnlichen Situation und kann feststellen, dass dank Fortschritten im Mobilfunk (besonders UMTS) theoretisch einiges erheblich einfacher geworden ist. Aber leider nicht in der Praxis. Warum muss eigentlich bei diesen Telcos immer alles so extrem kompliziert sein? Meine (Fast-)Wunschlösung fand ich nur nach einer Odyssee durch Telco-Shops, Websites und Diskussionsforen sowie stundenlangem Gebastel. Und das im Jahr 2007.

Der Hintergrund: Ich stecke aus familiären Gründen gerade für einige Tage in einer kleinen Ortschaft in Deutschland fest, und zwar in einem Haushalt, der noch nicht im Internet-Zeitalter angekommen ist. DSL oder so gibt's nicht, und stundenlange Surfsessions per Modem (das ich gar nicht mal habe...) sind keine Option, da die einzige Telefonleitung stark für Voice benutzt wird. Die Nachbarn haben scheinbar noch nichts von der Existenz von WiFi gehört. Der nächste kommerzielle WiFi-Hotspot liegt in einem Hotel mehr 10 Gehminuten entfernt und ist -- wie immer bei der deutschen Telekom -- alles andere als billig. Aber es ist der einzige halbwegs vernünftige Internet-Zugang weit und breit.

Nachdem ich nun schon Stunden in einem zugigen Hotelflur an einem skandalös teuren und auch noch instabilen Hotspot verbracht habe, war der Leidensdruck gross genug, um mich nach einer vernünftigeren Lösung umzusehen. Da die deutschen Telcos ja für viel Geld UMTS-Lizenzen gekauft haben, müssten sie ja eigentlich daran interessiert sein, mir dieses Produkt für einigermassen vernünftige Konditionen (und "vernünftig" ist da ein sehr dehnbarer Begriff) zu verkaufen. Oder?

Leider nein. Zwar haben alle Anbieter inzwischen wunderbare Datenprodukte mit UMTS im Angebot, aber die haben zwei Probleme: Erstens sind sie praktisch immer an eine lange Abolaufzeit gebunden, und wegen einiger Tage gehe ich natürlich keine 24 Monate lange Bindungsfrist ein. Zweitens sind sie ziemlich neu und hier auf dem Land draussen eh nicht erhältlich.

Die örtlichen Vertretungen helfen nicht viel. T-Mobile hier im Ort wird von der Deutschen Post repräsentiert, und da kann man froh sein, wenn man eine einfache Prepaid-Karte ohne grössere Probleme erwerben kann. Der lokale Handy-Shop vertritt zwar alle grossen Anbieter, aber dem Verkäufer musste ich erst mal geduldig erklären, was "dieses Schippiarress" genau ist.

Immerhin gibt es aber auch einen kleinen Vodafone-Laden, und dort verwies man mich aufrund meiner Anfrage stolz auf ein Poster, das das "Vodafone WebSessions Paket" anpries. Selbiges besteht aus einer UMTS-Karte für 129 Euro, mit der man angeblich schön schnell surfen kann. Gecharged wird ähnlich wie bei einem WiFi-Hotspot mit flachen Zeitraten: 15 Minuten kosten 1.90 Euro, 24 Stunden 17.49 Euro. Wirklich nicht gerade billig, aber eigentlich recht genau das, was ich gesucht hatte. Always on per Mobile, so soll es sein. Und für 2 Euro kann man über die normalen GPRS-Tarife noch nicht mal seine e-Mail abrufen, geschweige denn eine Viertelstunde intensiv surfen.

Nur: Die teure Datenkarte wollte ich nicht, denn erstens ist sie (noch) nicht Mac-kompatibel, und zweitens habe ich schon ein UMTS-Handy, das auch als Modem wunderbar funktioniert. Aber diese Argumente wären sowieso egal gewesen, weil das Gerät derzeit eh nicht lieferbar ist. Meine Frage, ob man den Tarif denn auch ohne Datenkarte benutzen könnte, konnte man mir natürlich nicht beantworten. Aus lauter Verzweiflung kaufte ich mir darum mal auf Verdacht eine Prepaid-Karte in der Hoffnung, das irgendwie hinzukriegen.

Damit ging dann schon der Trip durch den Vodafone-Tarifdschungel und Produktnamen-Irsinn los. Meine "CallYa-Karte" war schnell aktiviert, aber für zusätzliches Guthaben musste ich den "CallYa-Konto-Server" anrufen, um meine zuvor erstandenen "Vodafone-CallNows" zu laden, nachdem mir der freundliche Automat ausführlich das von mir nicht gewünschte Produkt "Vodafone-ReiseVersprechen" erklärt hatte. Damit kriegte ich dann den "CallYa Comfort Wochenende Auflade-Bonus", hätte mir aber auch noch die "MyCard HappyAbend" zusätzlich anschaffen können. Wie schön.

GPRS ging leider trotzdem nicht. Nach einigem Suchen aktivierte ich für nur 5 Euro die Tarifoption "Vodafone-HappyLive! UMTS for CallYa" (mit einem gratis "Vodafone-MusicDownload" pro Monat!) und frage mich, ob Vodafone wohl jemanden aus der Produktnamenabteilung von Microsoft abgeworben hat. Aber immer noch kein Datenverkehr. Also rief ich mal bei der Hotline an, die sinnigerweise "Vodafone-CallYa-Team" heisst, und dort klärte man mich Dummuser auf, dass ich selbstverständlich erst mal das Basisprodukt "Vodafone-HappyLive! Dienst" aktivieren müsse (was nicht in der Tarifbroschüre steht. Ich habe alle Fussnoten durchgelesen). Nach ein paar Konfigurations-SMS und zwei Stunden Wartezeit funktionierte das dann auch schon.

Alle Produktnamen sind übrigens wörtlich aus der Broschüre abgetippt und nicht erfunden. Man muss die auch beherrschen, wenn man sich in den Voicemail-Menüs von Vodafone zurechtfinden will. Das passiert eben, wenn Branding zu weit geht...

Gut, sauteures GRPS (19 Euro pro Megabyte) hatte ich jetzt, aber noch nicht den gewünschten Tarif. Zwar hatte ich mir die PC-only Software runtergeladen, die auf dem Mac-Emulator aber nicht richtig funktionieren wollte. Nachdem ich nochmals eine gute Stunde mit Recherche am teuren Hotspot verbracht hatte und mich durch zahlreiche andere Websites gewühlt hatte, fand ich endlich auf einer Fussnote bei Vodafone (per Google...) verklausuliert den entscheidenden Hinweis: Man muss als GPRS-APN nicht wie normal "wap.vodafone.de" einstellen, sondern das normalerweise nur für MMS benutzte "event.vodafone.de". Wenn man dann einen Webbrowser startet, landet man auf einer dieser typischen Hotspot-Login-Seiten, mit der man die gewünschte Zeitdauer (15 Minuten, 2h, 24h) auswählen kann. Und schon ist man im Netz. Endlich.

Das Surfen per UMTS geht dann sehr flott von der Hand, fast wie mit DSL. Eigentlich eine einfache, clevere und preislich durchaus faire Lösung. Aber warum bitte muss es so unglaublich kompliziert sein, diese Methode rauszufinden? Warum sind Telcos so versessen darauf, einem absurde Tarifoptionen mit noch absurderen Namen anzudrehen, teure Hardware zu verkaufen (die sie erst noch subventionieren) oder schlecht geschriebene Dialler-Software aufzudrängen? Die Vodafone-WebSessions-Lösung funktioniert mit einer billigen Prepaid-Karte und einer sehr einfachen Konfiguration, wenn man mal rausgefunden hat, wie's geht.

Irgendwie vermute ich noch viel Sparpotential bei den Telcos. Ohne die ganzen Strategen, Produktmanager, Tarifexperten und Walled-Garden-Ingenieure, die sich dieses Zeug ausdenken, wären diese Konzerne wohl nur halb so gross. Und doppelt so angenehm für den Kunden.

Das geschlossene iPhone: Wiederholt Apple die Fehler der Vergangenheit?

Nach all der Aufregung über das von Apple diese Woche angekündigte iPhone stellte sich zumindest in Gadget-Kreisen schnell eine gewisse Ernüchterung ein: Das iPhone wird zwar unter dem Betriebsystem OS X laufen, aber eine geschlossene Plattform sein. Das heisst, dass die User nicht einfach Applikationen von Drittanbietern installieren können. Apple wird definieren, was auf dem iPhone läuft und was nicht.

Das erinnert leider ziemlich an die Anfangszeiten des Mac, als Apple eine erheblich geschlossenere Plattform als die Konkurrenz hatte. Während Apple versuchte, das Mac-Konzept möglichst rein und auf höchster Qualitätsstufe zu halten, bemühten sich Microsoft und IBM, so viele Drittanbieter wie möglich zum Schreiben von Software und Entwickeln von Peripherigeräten für MS-DOS-PCs zu bewegen. Wir wissen, wie dieser Philipsophiestreit endete: Die (relativ) offenere Plattform dominierte die letzten 20 Jahre PC-Geschichte. Sogar Steve Jobs höchstpersönlich äusserte sich inzwischen schon zur Geschlossenheit des iPhones:

“You don’t want your phone to be like a PC. The last thing you want is to have loaded three apps on your phone and then you go to make a call and it doesn’t work anymore. These are more like iPods than they are like computers.”
Nun ist diese Begründung natürlich sehr fadenscheinig, weil erstens Millionen von offenen Smartphones schon heute in den Netzen ohne echte Probleme funken und zweitens auch der iPod mit seinen Gazillionen von Zusatzprodukten inzwischen zumindest eine halboffene Plattform geworden ist.

Fairerweise sei gesagt, dass praktisch alle etablierten Smartphone-Plattformen mal mit einem geschlossenen Modell angefangen haben. Der Symbian-Pionier Ericsson R380 war total zu, hatte aber auch zu geringe Fähigkeiten, um gross erweitert zu werden. Das erste Windows Smartphone (Orange SPV) war geschlossen, wurde aber bald gehackt. Und der in Businesskreisen so beliebte BlackBerry war bis vor kurzem ebenfalls eine völlige geschlossene Plattform. Vielleicht ist Geschlossenheit eine notwendige Evolutionsstufe?

Sowohl Mobile Operators wie auch Businesskunden (bzw. deren IT-Abteilungen) schätzen die zusätzliche Zuverlässigkeit geschlossener Plattformen durchaus. Viele Enduser hingegen -- gerade die gadgetbegeisterten, die vielleicht $599 für ein iPhone hinblättern würden -- würden gerne zusätzliche Anwendungen installieren können, und seien es nur die inzwischen recht beliebten Java-Games. Aber auch "ernsthafte" Applikationen wie z.B. das sehr nützliche Google Maps (das beim iPhone allerdings schon eingebaut ist) kommen aus Drittquellen und benötigen eine offene Plattform.

Wie um alles in der Welt kommt Apple da auf die seltsame Idee, das iPhone vor bösen Drittapplikationen schützen zu müssen? Das ist in einer Welt lauter offener Smartphones ja wohl ein extremer Rückschritt. Nochmal Steve Jobs:

“These are devices that need to work, and you can’t do that if you load any software on them. That doesn’t mean there’s not going to be software to buy that you can load on them coming from us. It doesn’t mean we have to write it all, but it means it has to be more of a controlled environment.”
Aha, daher weht der Wind. Apple möchte an der Software für sein neues Wundergerät gern umfassend mietverdienen, genauso wie an der legal downgeloadeten Musik für den iPod. Das kann man Steve & Co. eigentlich ja nicht verübeln, genau das gleiche machen auch die Mobile Operators und die Hersteller von Spielkonsolen.

Die Frage ist nur, ob sich Apple damit in der aktuellen Marktsituation nicht selber in den Fuss schiesst. Bei einem relativ "dummen" Gerät wie einem iPod mag es akzeptabel sein, dass man nicht all zu viel an der Software herumschrauben kann. Aber das iPhone wird sich dem Direktvergleich mit seinen Konkurrenten stellen müssen, und die bieten derzeit allemal mehr Flexibilität. Bei Smartphones hat heute eine starke Entwicklercommunity einen wichtigen Einfluss, und das darf man nicht ignorieren. Mein aktuelles Telefon, das Nokia E61, hätte für mich persönlich erheblich weniger Nutzen, wenn ich nicht ein paar Applikationen von Drittanbietern einsetzen könnte.

Sieht das Steve Jobs wirklich total anders? Das kann ja eigentlich kaum sein. Es liegt der Verdacht nahe, dass Apple mit dieser radikalen Haltung jetzt einfach mal den Markt testet. Offenheit ist keine binäre Angelegenheit. Niemand hindert Apple daran, die iPhone-Plattform später stufenweise zu öffnen, genauso, wie man es mit dem iPod und früher auch mit dem Mac gemacht hat. Dass man dabei sorgfältig darauf achten wird, auch fleissig mitzuverdienen, versteht sich von selbst.

Apple iPhone: Handy-Revolution oder Newton 2.0?

Jeder, der nicht gerade die letzten 24 Stunden auf der Rückseite des Mondes verbracht hat, wird wohl inzwischen mitbekommen haben, dass Apple mit dem "iPhone" ein eigenes Handy auf den Markt bringen wird. Die Gadget-Szene und die Börse sind in heller Aufregung.
Tatsächlich haben es Steve Jobs und seine Kollegen geschafft, zumindest punkto Coolnessfaktor die eh schon hohen Erwartungen noch zu übertreffen. Das iPhone ist eine Mischung aus Smartphone und Video-iPod, sieht schick aus, hat einen wundervollen Screen und wird eine völlig neuartige Touchscreen-Benutzeroberfläche bieten. Ausserdem läuft angeblich das mächtige Mac OS X als Betriebssystem darauf.

So weit so gut, aber Apple lehnt sich mit dem Gerät natürlich ziemlich weit aus dem Fenster, und es dauerte auch nicht lange, bis einige Blogger ein paar ziemlich klaffende Lücken im Leistungsangebot ausmachten. Da werden dunkle Erinnerungen wach an den Apple Newton, der auch ein revolutionäres Device war, aber aufgrund vieler kleiner Schwächen bis zu seinem endgültigen Niedergang nur wenige Fans gewinnen konnte. Schauen wir uns doch mal die Heilsversprechen des iPhone etwas genauer an.

Benutzeroberfläche nur mit Touchscreen: Apple macht sich über die winzigen Tastaturen der Konkurrenz lustig, und das durchaus zu recht. Aber ob ein reiner Touchscreen eine so viel bessere Lösung ist, muss sich erst noch zeigen, Multitouch-Technologie hin oder her. Die Windows-Mobile-Geräte der ersten drei Generationen beschränkten sich auch auf einen (wenn auch primitiveren) Touchscreen, und das machte die Eingabe von Texten fast unmöglich. Sicher wird das iPhone ein exzellenter Mediaplayer und ein gutes Telefon sein, aber ob es auch als Messaging-Gerät taugt -- ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der heutigen SMS- und e-Mail-süchtigen Welt -- bleibt abzuwarten. Ich glaub es erst, wenn ich es ausprobieren kann.

Mac OS X als Betriebssystem: Was zunächst absurd klingt (ein ausgewachsenes Betriebssystem auf einem Mobiltelefon?!) ist vermutlich gar nicht so erstaunlich. Schliesslich gibt es schon diverse Linux-basierte Telefone, und es gibt keinen Grund, warum das strukturell ähnliche OS X in einer abgespeckten Version nicht auf einem kleineren Device laufen soll. Nur wird das Benutzererlebnis nicht viel mit dem zu tun haben, was man vom Mac her kennt. Schon allein aus einem Grund: Das iPhone ist offenbar "First Party only", das heisst, nur die von Apple mitgelieferten (oder später verteilten) Applikationen werden darauf laufen. Da sind selbst die laut Apple so primitiven Konkurrenten aus dem Windows-, Palm- und Symbian-Lager flexibler, denn die haben offene Plattformen.

Nur $599: Der Preis erscheint für ein solches Leistungspaket zunächst vernünftig, ist aber für die USA mit einem verbindlichen Zweijahresvertrag mit dem exklusiven Netzwerkanbieter Cingular gerechnet. Daraus darf man schliessen, dass der Verkaufspreis ohne Handyvertrag wohl locker gegen die $1000 tendieren wird, und das ist ein Preisbereich, wo Privatuser schon mal länger nachdenken und Businessuser einen demonstrierbaren ROI-Vorteil sehen wollen.

Vielerlei Funkmöglichkeiten: Gut, das iPhone funkt über WiFi, Bluetooth, GSM und EDGE. Bezeichnenderweise fehlt aber eine schnelle 3G-Technologie, und das ist gerade bei einem so multimedialastigen Gerät mehr als erstaunlich. Bei reinem Messaging (à la Blackberry) merkt man selten einen Nachteil im Vergleich EDGE vs. 3G/UMTS, aber für echtes Surfen (was beim iPhone ja einer der Vorteile sein soll) ist das schon ein erheblicher Nachteil.

Ein paar weitere Fragezeichen gibt es auch bezüglich Batterieleistung, fehlender Erweiterbarkeit des Speichers und der Alltaugstauglichkeit generell. Ungern erinnert man sich an die Kratzer-Probleme bei den iPod-Gehäusen... Insgesamt ist das iPhone der Konkurrenz von den harten Leistungsdaten her nicht so weit voraus, wie man es aufgrund des ersten Jubels glauben könnte.

Die grösste Frage ist meiner Meinung nach aber: Wer ist eigentlich die Zielgruppe dieses Geräts? (ausser mir und anderen Gadgetfreaks natürlich, die sich das Gerät schon allein aus Prinzip kaufen werden). Firmen werden ihre Angestellten kaum mit einem teuren Mediaplayer ausstatten, der auch noch bisschen telefonieren und mailen kann. Der lukrative Businessmarkt bleibt also verschlossen. Jugendliche User werden sich den hohen Preis wohl kaum so schnell leisten können. Apple setzt also deutlich auf den schon etwas älteren (d.h. über 20jährigen) Privatuser, der seinen iPod mag, sein Mobiltelefon viel benutzt und sich auch vorstellen könnte, mit einem einfach bedienbaren Kombigerät glücklich zu werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Gruppe für die zusätzlichen Möglichkeiten ausreichend begeistern kann, um den recht hohen Preis zu bezahlen. Das iPhone ist sehr ähnlich positioniert wie die heutigen Macs: ein prima Produkt, aber teuer und für den Mainstream nicht leicht verdaulich.

Eine ziemlich grosse Wette gehen Steve Jobs & Co. da also ein, aber man kann Apple den Erfolg mit diesem schönen Produkt wirklich nur wünschen. Es wäre gut, wenn wieder etwas echte Innovation in den zuletzt etwas eintönig gewordenen Handy-Markt reinkommen würde. Und Apple hätte vielleicht auch die Marktmacht, um endlich die Mobile Operators zu etwas venünftigeren Geschäftspolitiken zu zwingen, was z.B. das Pricing der Datendienste angeht. Aber in diesem ersten Wurf bleibt Apple diesbezüglich leider noch sehr zögerlich.



Qtek 9100 und Windows Mobile 5.0: Quantensprung bei den Mobilgeräten?

Und hier wieder einmal ein Beitrag aus der beliebten Reihe "Gadgets in der Praxis".

Seit einigen Monaten war mein ständiger digitaler Begleiter ein Nokia Communicator 9500. Dieses Gerät überzeugt durch seine umfassende Featureliste: WLAN, EDGE, GPRS, Opera-Browser, Multi-Inbox-fähige E-Mail-Software, "echte" Tastatur usw. Und dazu ist das Ding auch noch sehr brauchbar als Telefon. Aber einige Dinge am Nokia stören: die Geschwindigkeit ist sehr mässig, und die Multimedia-Features sind auch eher bescheiden. Und dazu wird das Ding seinem (liebevoll gemeinten) Spitznamen "The Brick" mehr als gerecht.

Unter anderem darum habe ich mich wieder mal im Gadget-Markt nach einem neuen PDA umgesehen. Natürlich sollte es ein Gerät mit eingebautem Telefon und WLAN sein. Die üblichen PDA-Features setzen wir sowieso mal voraus, und sehr leistungsfähige Messaging-Features sind auch Pflicht. Wenn man damit vernünftig mobil bloggen könnte, wäre ich auch nicht sauer. Mit anderen Worten: Das neuste Mass aller Dinge im Bereich der konvergenten Devices ist gesucht.

Meine Wahl fiel nach einiger Evaluation auf den neuen Qtek 9100, der auch als Orange SPV 6000, XDA pro mini und imate K-JAM verkauft wird. Das Gerät wird, wie die meisten Windows-Mobile-Devices, vom taiwanesischen Hersteller HTC gebaut und hört dort auf den Codenamen "Wizard". Gegenüber dem grossen Bruder Qtek 9000 unterscheidet sich der 9100 vor allem durch den kompakteren Form-Factor (der auch einen kleineren Bildschirm mit geringerer Auflösung mit sich bringt), sowie durch die Abwesenheit einiger Features, die man wohl nicht unbedingt braucht -- mobile Videokonferenzen zum Beispiel. Dafür bietet der Kleine schnelle Datenübertragung mit EDGE und nicht das vor allem international noch kaum brauchbare UMTS.

Auch eine Tastatur gibt es: Clevererweise lässt sich der 9100 horizontal aufschieben, und der Bildschirm schaltet sich automatisch ins Querformat um. Die zum Vorschein kommende Tastatur ist deutlich grösser als das, was man sonst von Treo & Co. kennt, vielleicht etwa vergleichbar mit einem Erstgenerations-Blackberry. Ideal also für Messaging-Junkies und Leute, die mal einen kleinen Text unterwegs erfassen wollen. Insgesamt würde ich diesem Mini-Keyboard die Note "brauchbar" geben. Es ist um einiges treffsicherer bedienbar als etwa die Tastatur des Nokia 9500. Ärgerlich sind nur ein paar merkwürdige Tastenkombinationen. Warum zum Beispiel kann man Punkt und Komma nur mit merkwürdigen Steuerungstasten erreichen? Ganz abgeschafft ist Interpunktion ja nun auch wieder nicht, nicht mal bei E-Mails.

Der Qtek 9100 verwendet Windows Mobile 5.0, die neuste Version des einst als Windows CE bekannten Betriebssystems. Revolutionäre Neuerungen gibt es nicht, aber an den Ecken und Kanten wurde fleissig gefeilt. Eine grössere Änderung ist, dass die Daten neuerdings immer im Flash-Memory gespeichert werden. Auch nach einem Batterieausfall sind die wichtigen Kontakte, Termine und E-Mails also noch da, eine deutliche Verbesserung gegenüber den vergesslichen alten Windows-CE-Maschinen. Dadurch handelt man sich aber gleichzeitig den Nachteil langsamerer Zugriffszeiten auf den Speicher ein, was aber bei normaler Benutzung nicht tragisch ist.

Wirklich schön sind die Kommunikationsmöglichkeiten: Es gibt WLAN, Bluetooth, EDGE, GPRS, Infrarot und USB. Da bleibt keiner allein. Aber neben der Kommunikationselektronik muss auch die Software stimmen, die darauf aufbaut.

Und das ist genau der Bereich, in dem mich der Qtek wirklich positiv überrascht hat, gerade im Vergleich mit dem Nokia 9500: Der portable Internet-Explorer ist blitzschnell und layoutet Seiten intelligent für den kleinen Bildschirm um. Die eher lahme Opera-Version im Nokia kann da wirklich einpacken. Auch die Mail-Anwendung ist sehr brauchbar, und Kalender sowie Kontaktverwaltung synchronisieren sich mit Outlook sowieso praktisch perfekt. Am deutlichsten zeigen sich der Unterschiede, sobald man Zugfriff auf ein WLAN hat: Mit dem Qtek kann man da wirklich schon in sehr ansprechender Geschwindigkeit surfen, mit dem Nokia hingegen artet der Internet-Ausflug zum Geduldsspiel aus. Und während man bei anderen Geräten immer explizit auswählen muss, wie man denn gern genau aufs Netz zugreifen würde, ist der Qtek zufrieden, sobald er sich mit irgendwas verbinden kann, was irgendwie nach Internet ausssieht. Und er nimmt dann einfach die schnellste verfügbare Variante.

Ein paar Wermutstropfen bleiben auch bei diesem Gerät: Der Prozessor ist leider zu lahm, um Skype vernünftig laufen zu lassen. Vorerst bleibt es also bei den teueren Mobile-Tarifen. UPDATE: Skype hat gerade heute eine neue Version für langsamere Pocket-PCs herausgebracht, die recht passabel zu laufen scheint. Voraussetzung ist allerdings eine perfekte WiFi-Verbindung.

Es gibt auch ein paar sehr unerwartete Verhaltensweisen. Beispielsweise läuft der E-Book-Reader von Microsoft noch nicht brauchbar auf den neuen Windows-Mobile-5.0-Geräten, und hin und wieder vergisst das Ding auch mal eine Konfigurationseinstellung, wenn man zu plötzlich rebootet (und rebooten muss man -- schliesslich handelt es sich um ein Windows-Gerät -- schon ab und zu).

Aber insgesamt ist es recht beeindruckend, was die neuste Generation von Windows-Mobile-Geräten an Qualität und Features liefert. Die Konkurrenz aus der Symbian- und Palm-Ecke sieht da derzeit wirklich nicht besonders gut aus im Vergleich.

Insgesamt: kein Quantensprung, aber doch eine sehr solide Verbesserung. Es ist wieder ein Stück einfacher geworden, den PC auf Reisen auch mal zu Hause zu lassen, ohne auf viel verzichten zu müssen. Mit dem faltbaren Stowaway-Keyboard von ThinkOutside braucht man dabei nicht mal auf eine vollwertige Tastatur zu verzichten. Die universelle digitale Mobilität ist wieder etwas näher gerückt.

Ogo bei Swisscom Mobile: Restpostenverwertung oder toller Jugendmarketing-Schachzug?

Es kommt ja nicht oft vor, dass die Swisscom in internationalen Gadget-Blogs erwähnt wird. Da muss schon was Interessantes dahinterstecken, müsste man meinen.

In diesem spezifischen Fall geht es um den Ogo. Das ist ein PDA-ähnliches Gerät mit voller QWERTY-Tastatur, das im wesentlichen E-Mail und Instant-Messaging-Funktionalität (via MSN Messenger) bietet. Sonst nix.

Und genau diese Abwesenheit anderer Funktionen (wie zum Beispiel eines eingebauten Telefons oder SMS) ist der Grund, dass das Gerät in den USA ziemlich durchgefallen ist. Swisscom Mobile bringt es jetzt allerdings hierzulande trotzdem auf den Markt, mit einem klaren Fokus auf eine jugendliche Zielgruppe. Sozusagen als Blackberry für Teenies.

Vielleicht, liebe Swisscom, wäre es aber auch gut, der Welt wenigstens was davon zu erzählen, denn auf der Swisscom-Mobile-Homepage findet man kein Wort dazu, nicht mal im eigens eingerichteten Bereich für Jugendliche. Erst im Online-Shop irgendwo hinten links in der Ecke findet man dann den Ogo zum taschengeldkompatiblen Preis von 49 Fr. Da könnte man fast den Eindruck kriegen, dass Swisscom einen billigen Restposten dieser Geräte aufgekauft hat, um mal etwas damit zu experimentieren.

Ich bin mal gespannt, ob der Ogo trotz dieser etwas lieblosen Vermarktung und seines begrenzten Einsatzgebiets Erfolg haben wird. Die Idee ist ja eigentlich recht interessant, aber wenigstens eine SMS-Funktionalität wäre ja eigentlich Pflicht gewesen angesichts der Zielgruppe.


Jetzt erobert Google auch noch das Handy

Langsam kann einem Google unheimlich werden (falls es das nicht schon ist). Alleine die Produkt-Releases der letzten zwei Tage (Google Earth, Google Video...) waren schon allerhand.

Und heute meldet T-Mobile, dass ihre Kunden in Deutschland und Österreich auf den Internet-fähigen Handies demnächst eine neue Startseite bekommen werden, und zwar ... Google.

Das ist ziemlich bemerkenswert, da bisher die meisten Mobilfunkbetreiber eine konsequent proprietäre "Walled Garden"-Strategie gefahren sind. Das heisst, die Nutzer mussten meistens das fest konfigurierte Portal des Netzbetreibers benutzen, was oft genug qualitativ eher eine Zumutung war (und ist). Und häufig konnte man noch nicht einmal andere Web-Pages ausserhalb des Betreiber-Angebotes aufrufen, obwohl die Geräte dazu technisch in der Lage gewesen wären. Kein Wunder, dass bei so wenig Kundenfreundlichkeit Branchengerüchten zufolge auch die aufwendigeren Angbote kommerziell ein ziemliches Desaster waren.

Und jetzt also Google auf T-Mobile-Handies. Wozu man nur sagen kann: endlich verhält sich ein Mobilfunk-Anbieter mal vernünftig. Dank dem wirklich guten Mobil-Angebot von Google wird man nämlich den mobilen Daten-Traffic erheblich steigern können, und daran verdienen die Operator halt noch immer viel mehr als an irgendwelchem kostenpflichtigen Content.

Als inzwischen langjähriger Google-Mobile-User kann ich nur eins sagen: Google immer in der Tasche zu haben, macht so einiges im Leben leichter. Bei diversen Konversationen, wo man auf irgendeine Fragestellung stösst, die niemand beantworten kann ("Wer ist der Ministerpräsident von Georgien?" oder ähnlich wichtige Themen des täglichen Lebens): Einfach schnell per Handy googlen, und man kann sich wieder fundiert weiter unterhalten.

Einmal konnte ich dank Google Mobile sogar einem dreisten Londoner Taxifahrer erklären, wo er mich hinbringen soll, weil weder der Fahrer noch die Hotelreception noch die Telefonauskunft wussten, wo sich die Orangerie im Hyde Park befindet. Wenn das mal keine Killer-Applikation ist...

Neues von Nokia: Bye Bye, iPod und Digitalkamera?

Kann uns diese Mobiltelefon-Industrie nicht mal für ein paar Tage in Ruhe lassen mit revolutionären Ankündigungen? Das konvergente Universalgerät, das ernsthaft den iPod und die Digitalkamera ersetzen kann, war gerade noch Phantasie.

Jetzt ist es ein angekündigtes Produkt von Nokia, und zwar das neue N91, erhältlich ca. ab Ende Jahr. Dieses Wunderding hat eine eingebaute 4GB-Harddisk (Hallo, iPod Mini...) und eine 2-Megapixel-Kamera. Der Audio-Player spielt alle wichtigen Formate ab. Ausserdem kann es UMTS und WLAN.

Ein unscheinbares Detail, das ich ganz besonders revolutionär finde: man muss zum Musikhören nicht die teuren, aber unbrauchbar klingenden proprietären Nokia-Ohrhörer benutzen, sondern kann über den eingebauten Standard-3,5mm-Anschluss einen richtigen, handelsüblichen Kopfhörer anschliessen. Vielleicht lernt die Handy-Industrie doch noch langsam, dass Kundenzufriedenheit wichtiger ist als Zubehör-Verkäufe.

Das neuste Opfer des unglaublich gefrässigen Mobiltelefons

Eigentlich sollte man meinen, die Hersteller von Mobiltelefonen wären zufrieden damit, mit ihren Geräten das traditionelle Telefon, PDAs, MP3-Spieler und Digitalkameras zu konkurrenzieren und möglicherweise bald zu verdrängen. Aber nein, sie kriegen den Hals nicht voll und haben sich das nächste Opfer ausgesucht: Die gute alte Armbanduhr! Sagt zumindest die Uhrenindustrie, die derzeit gerade in Basel versammelt ist.

Wir alle kennen wohl ein oder zwei Leute, die keine Uhr mehr tragen und die Zeit lieber am Handy ablesen, das man ja eigentlich auch immer dabei hat. Offenbar sind das keine Ausnahmefälle, sondern Angehörige einer globalen, äh, Jugendbewegung. Die Uhrenindustrie hat sogar schon einen Mobilfunkoperator verklagt, der sich erdreistete, in seiner Werbung auf diese Uhrenfunktion ungebührlich hinzuweisen. Und wo verklagt wird, da ist meistens ein ernsthafter Trend...

Ich persönlich bin ja bekanntlich mobilen Gadgets nicht abgeneigt, trage aber trotzdem immer noch eine Armbanduhr. Und zwar eine schön mechanische, ziemlich billige, aber robuste Swatch Automatic. Die hat zwar kein EDGE und kann auch keine Bilder schiessen, läuft dafür aber ganz ohne Batterie und Ladegerät. Denn man weiss ja nie, ob man mal auf einer einsamen Insel strandet oder so. Und wenigstens ein Gerät, das man nicht konfigurieren muss und das nie einen Firmware-Upgrade braucht, ist ja auch mal schön.

Warwalking in Zürich

Zwar gibt es viele schöne Statistiken über die zunehmende Verbreitung von WLAN, aber es geht doch nichts über eigene empirische Erfahrungen: Dank meinem WLAN-fähigen Nokia Communicator 9500 kann ich mir jetzt prima die Transportzeiten mit Scannen nach Hotspots vertreiben. Warwalking statt Wardriving sozusagen.

Zum letzten Mal habe ich das vor ca. 1 1/2 Jahren gemacht. Damals gab es auf meinem Arbeitsweg (ca. 5 Minuten zu Fuss, 15 Minuten Tram) gerade mal 4 Hotspots zu sehen. Der erneute Versuch gestern hat mehr als 30 Hotspots zutage gefördert, die meisten davon privat. Und das wohlgemerkt mit einem völlig unmodifizierten Communicator ohne irgendwelche Zusatzantennen aus dem fahrenden Tram heraus.

Allein an meiner Heim-Tramhaltestelle sind fünf Stationen zu empfangen, zwei davon freundlicherweise offen und unverschlüsselt. Aufs Tram warten war noch nie so kurzweilig...

Immer gute Informationen über Wardriving gibt es übrigens auf wardriving.ch, beispielsweise eine aktuelle Hotspot-Karte von Zürich.

Gadget-Grossangriff in Cannes

Im schönen Cannes findet gerade der 3GSM World Congress statt, das Mekka des Mobilfunks. Die Hersteller versuchen sich gegenseitig mit Neuigkeiten zu übertrumpfen, wie man auf den beiden offiziellen Gadget-Zentralorganen Engadget und Gizmodo nachlesen kann. Rekordhalter im Bereich Quantität scheint bisher Panasonic zu sein (9 neue Phones), im Design-Bereich scheint eher Motorola die Nase vorn zu haben. Nokia und SonyEricsson enttäuschen bis jetzt wohl eher etwas.

Offenbar sind eingebaute Kameras mit 2 Megapixeln, die man hierzulande noch für toll hält, in der nächsten Generation bereits Standard. Unter 3 Megapixeln braucht man gar nicht aufzukreuzen, wenn man noch zur vordersten Front gehören will.

Aus Konvergenz-Perspektive ist interessant, wie vor allem Musik-Features immer wichtiger werden: Motorola bringt ein Gerät, das mit iTunes kompatibel ist, und SonyEricsson hat Musik auf dem Handy zum Generalthema 2005 erklärt. Microsoft hat derweil eine billigere neue Plattform für ihr Windows Smartphone-Betriebssystem vorgestellt und versucht so, auch die niedrigeren Preisregionen zu erobern, samt Windows Media, versteht sich.

Mit anderen Worten: Die gerade angekündigte neue Handy-Generation wird die Produktkategorien MP3-Player und Consumer-Digitalkamera ganz schön bedrängen. Ich wüsste nicht, was die ganzen Flash-basierten MP3-Player noch für eine Daseinsberechtigung haben sollten, wenn auch bald schon jedes Telefon vergleichbare Features bietet.

Übrigens: Für mich persönlich ist natürlich besonders schlimm, dass meine Ehefrau Bettina in Cannes auf dem Kongress ist. Nicht nur können darum heute keinen Valentinstag feiern, nein, sie sieht auch noch alle schönen Gadgets vor mir. Das Leben ist unfair...
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