09. Februar 2007
Und wieder mal eine fragwürdige Studie von ArgYou.com
Marktforschung ist eine merkwürdige Disziplin. Ihre Vertreter geben sich immer sehr seriös und wissenschaftlich, und es ist darum für die Kunden extrem schwierig, zwischen seriösen Forschern und Scharlatanen zu unterscheiden. Und wer schon in der Praxis mit Marktforschung zu tun hatte, weiss: Für fast jede Behauptung findet man eine passende Studie. Und zur Not lässt man sich eine anfertigen.
Die Marktforschungsfirma ArgYou.com hatte ich hier vor längerer Zeit schon einmal aufgrund ihrer Methoden kritisiert, die meiner Meinung nach ausgesprochen fragwürdig sind. Ich hatte in meiner Zeit als Berater schon einige Male mit den Arbeitsresultaten von ArgYou zu tun und war immer erstaunt darüber, wie man so etwas als seriöse Forschung (zumindest mit den von der Firma angepriesenen Aussagen) verkaufen kann.
ArgYou misst technische Dinge wie die Häufigkeit von Begriffen oder Dokumentenformaten (PDF, HTML, ...) auf Websites und leitet daraus Aussagen über die Zielgruppengerechtigkeit einer Website ab. Beispiel: Einmal hat die Firma festgestellt, dass e-Government-Websites mehr PDFs und e-Mail-Adressen enthalten als früher und aus dieser weitgehend belanglosen Tatsache messerscharf geschlossen, dass diese Sites jetzt bürgernaher geworden sind. Das ist etwa so, wie wenn man den nächsten Fussballweltmeister aufgrund der Trikotfarben der Mannschaften vorhersagen wollte.
ArgYou tritt in der Öffentlichkeit meist in Erscheinung mit einer regelmässig durchgeführten Studie über die "Wirksamkeit von Kantonswebsites". Während diese Untersuchungen am Anfang bei den Kantonen noch viel Aufmerksamkeit fanden, stehen inzwischen viele den Resultaten äusserst kritisch gegenüber. Die Fachzeitschrift Netzwoche berichtete in ihrer Ausgabe 03/2006 ausführlich über diese Studien (Artikel leider nicht online zugänglich) und deckte unter anderem auf, dass die von ArgYou behauptete Zusammenarbeit mit Google gar nicht existiert.
Heute liess die Firma ArgYou die Presse von ihrer neusten Untersuchung wissen: Pikanterweise hat man die Internetauftritte von Schweizer Web-Dienstleistern untersucht, also der Firmen, die eigentlich meisterliche Websites für sich selbst produzieren sollten. Gewonnen hat dabei unter anderem die Firma Aseantic, die laut Aussage der Newssite inside-channels.ch interessanterweise die Studie auch in Auftrag gegeben hat.
(DISCLAIMER: Ich bin Verwaltungsrat der Firma namics AG, die in dieser Studie (laut Pressemitteilung) auf dem letzten Platz gelandet ist -- was mich nicht überrascht, da sich namics-Leute schon mehrfach öffentlich negativ über ArgYou geäussert haben. Aber ich bin, wie gesagt, nicht erst seit heute kritisch eingestellt gegenüber ArgYou.)
Natürlich kann man die Studie nicht runterladen, und aus der dürren Pressemitteilung kann man nur erahnen, was die Kriterien gewesen sein könnten. Irgendwie geht es um die Auffindbarkeit der Firmen aufgrund der meistverwendeten Begriffe auf Suchmaschinen, wobei man sich fragt, woher ArgYou letztere kennen will, da z.B. Google wie erwähnt der Firma keine Daten gibt. Und auch ziemlich rätselhaft ist das Kriterium "wie häufig und wie gut der jeweilige Marken- oder Firmenname auf den Webseiten von aussen zu erkennen ist". Was wird da bitte gemessen? Wie oft der Firmenname auf der Homepage vorkommt? Wie gesagt, solche Dinge haben mit der Effektivität einer Website wirklich nichts zu tun, nicht mal mit der Auffindbarkeit.
Machen wir mal ein anderes Experiment und schauen nach, wie für typische Suchbegriffe, mit denen jemand nach Leistungen von Web-Dienstleistern suchen könnte, die vier erwähnten Firmen bei Google auffindbar sind (eingestellt auf "nur Seiten aus der Schweiz", getestet am 8.2.07):
Die Aussagen von ArgYou sind also recht problemlos widerlegbar. Etwas schade ist nur, dass die Fachpresse solche Pseudostudien immer wieder kritiklos aufgreift.
Die Marktforschungsfirma ArgYou.com hatte ich hier vor längerer Zeit schon einmal aufgrund ihrer Methoden kritisiert, die meiner Meinung nach ausgesprochen fragwürdig sind. Ich hatte in meiner Zeit als Berater schon einige Male mit den Arbeitsresultaten von ArgYou zu tun und war immer erstaunt darüber, wie man so etwas als seriöse Forschung (zumindest mit den von der Firma angepriesenen Aussagen) verkaufen kann.
ArgYou misst technische Dinge wie die Häufigkeit von Begriffen oder Dokumentenformaten (PDF, HTML, ...) auf Websites und leitet daraus Aussagen über die Zielgruppengerechtigkeit einer Website ab. Beispiel: Einmal hat die Firma festgestellt, dass e-Government-Websites mehr PDFs und e-Mail-Adressen enthalten als früher und aus dieser weitgehend belanglosen Tatsache messerscharf geschlossen, dass diese Sites jetzt bürgernaher geworden sind. Das ist etwa so, wie wenn man den nächsten Fussballweltmeister aufgrund der Trikotfarben der Mannschaften vorhersagen wollte.
ArgYou tritt in der Öffentlichkeit meist in Erscheinung mit einer regelmässig durchgeführten Studie über die "Wirksamkeit von Kantonswebsites". Während diese Untersuchungen am Anfang bei den Kantonen noch viel Aufmerksamkeit fanden, stehen inzwischen viele den Resultaten äusserst kritisch gegenüber. Die Fachzeitschrift Netzwoche berichtete in ihrer Ausgabe 03/2006 ausführlich über diese Studien (Artikel leider nicht online zugänglich) und deckte unter anderem auf, dass die von ArgYou behauptete Zusammenarbeit mit Google gar nicht existiert.
Heute liess die Firma ArgYou die Presse von ihrer neusten Untersuchung wissen: Pikanterweise hat man die Internetauftritte von Schweizer Web-Dienstleistern untersucht, also der Firmen, die eigentlich meisterliche Websites für sich selbst produzieren sollten. Gewonnen hat dabei unter anderem die Firma Aseantic, die laut Aussage der Newssite inside-channels.ch interessanterweise die Studie auch in Auftrag gegeben hat.
(DISCLAIMER: Ich bin Verwaltungsrat der Firma namics AG, die in dieser Studie (laut Pressemitteilung) auf dem letzten Platz gelandet ist -- was mich nicht überrascht, da sich namics-Leute schon mehrfach öffentlich negativ über ArgYou geäussert haben. Aber ich bin, wie gesagt, nicht erst seit heute kritisch eingestellt gegenüber ArgYou.)
Natürlich kann man die Studie nicht runterladen, und aus der dürren Pressemitteilung kann man nur erahnen, was die Kriterien gewesen sein könnten. Irgendwie geht es um die Auffindbarkeit der Firmen aufgrund der meistverwendeten Begriffe auf Suchmaschinen, wobei man sich fragt, woher ArgYou letztere kennen will, da z.B. Google wie erwähnt der Firma keine Daten gibt. Und auch ziemlich rätselhaft ist das Kriterium "wie häufig und wie gut der jeweilige Marken- oder Firmenname auf den Webseiten von aussen zu erkennen ist". Was wird da bitte gemessen? Wie oft der Firmenname auf der Homepage vorkommt? Wie gesagt, solche Dinge haben mit der Effektivität einer Website wirklich nichts zu tun, nicht mal mit der Auffindbarkeit.
Machen wir mal ein anderes Experiment und schauen nach, wie für typische Suchbegriffe, mit denen jemand nach Leistungen von Web-Dienstleistern suchen könnte, die vier erwähnten Firmen bei Google auffindbar sind (eingestellt auf "nur Seiten aus der Schweiz", getestet am 8.2.07):
- "Content Management": namics auf Platz 13, aseantic auf 14, Unic auf 27, Garaio nicht unter den Top 30.
- "Webdesign": Keiner unter den ersten 30.
- "Web-Dienstleister": namics auf 1, Unic auf 14, die anderen nicht unter den Top 30.
- "Microsoft Sharepoint": namics auf 3, übrige nicht unter Top 30.
- "Day Communiqué": namics auf 4, Unic auf 6, andere nicht unter Top 30.
- "Microsoft CMS": aseantic auf 1, namics auf 3, von den anderen keine Spur.
- "Web Analytics": Unic auf 1, namics auf 3, Aseantic auf 10, andere nicht unter Top 30.
- "Online-Werbung": namics auf 22, andere nicht unter Top 30
- Die angeblich ebenfalls siegreiche Firma Garaio liegt nicht mal bei Suche nach ihrem eigenen Firmennamen auf Platz 1, was bei den anderen Firmen selbstverständlich der Fall ist.
Die Aussagen von ArgYou sind also recht problemlos widerlegbar. Etwas schade ist nur, dass die Fachpresse solche Pseudostudien immer wieder kritiklos aufgreift.


Kommentare
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Machen wir mal ein anderes Experiment und schauen nach, wie für typische Suchbegriffe, mit denen jemand nach Leistungen von Web-Dienstleistern suchen könnte, die vier erwähnten Firmen bei Google auffindbar sind (eingestellt auf "nur Seiten aus der Schweiz", getestet am 8.2.07):
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"Web-Dienstleister": namics auf 1, Unic auf 14, die anderen nicht unter den Top 30.
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Bei Web-Dienstleister liefert Google 742 Suchergebnisse in der Schweiz und bei Internet-Dienstleister 11'100. Vermutlich wäre bei deinem Experiment der von dir verwendete Suchbegriff Web-Dienstleister (bei dem Namics Nr. 1 ist) nicht so relevant wie Internet-Dienstleister, bei dem aseantic als Nr. 1 aufgeführt wird.
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Irgendwie geht es um die Auffindbarkeit der Firmen aufgrund der meistverwendeten Begriffe auf Suchmaschinen, wobei man sich fragt, woher ArgYou letztere kennen will ...
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Der richtige Suchbegriff wäre also in diesem Fall 15x relevanter als der von Dir verwendete oder? Wie dein Experiment mit den wirklcih relevanten Begiffen rausgekommen wäre, weiss ich leider nicht. Aber das von dir durchgeführte Experiment ist nicht wirklich repräsentativ.
Adi hat einen guten Punkt dem ich mich anschliessen kann und denke, die effizienz von Studien ist relativ schwach, denn vor 2 jahren hätte Youtube evt. usability-mässig etc. auch nicht so toll abgeschlossen oder z.b. digg.com und wie werden diese seiten nun besucht? das sind natürlich nur ganz grobe Behauptungen ohne Grundlage, vielleicht so wie diese Studie.
Auch mich hat dieser Artikel mehr nur als Erstaunt... So nach dem Slogan; Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber "gefälscht" hast. Ich kann auch eine Studie in Auftrag geben, die ich mit diversifizerten Kritierien "spicke", die nur wir zu 100% Erfüllen können ;-)
Als CMS Anbieter (Schlagwort "Content Managenemt"), zeigt mir mein Rechner auf Google.ch seit über 2 Jahren meine URL an erster Stelle ? Ist nun was mit meinem Rechner nicht OK ?
Im Zusammenhang mit Suchmaschinen Optimierten Seiten, möchte ich schon gerne Wissen, wie wir in dieser Studie "abgeschnitten" haben ?
Eines allerdings stimmt, es gibt nur sehr wenige Dienstleister, die Suchmaschinen Optimierung anbieten, und die eigene Site auf einer guten Platzierung haben...
Stefan Wey
Auch mich hat dieser Artikel mehr nur als Erstaunt... So nach dem Slogan; Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber "gefälscht" hast. Ich kann auch eine Studie in Auftrag geben, die ich mit diversifizerten Kritierien "spicke", die nur wir zu 100% Erfüllen können ;-)
Als CMS Anbieter (Schlagwort "Content Managenemt"), zeigt mir mein Rechner auf Google.ch seit über 2 Jahren meine URL an erster Stelle ? Ist nun was mit meinem Rechner nicht OK ?
Im Zusammenhang mit Suchmaschinen Optimierten Seiten, möchte ich schon gerne Wissen, wie wir in dieser Studie "abgeschnitten" haben ?
Eines allerdings stimmt, es gibt nur sehr wenige Dienstleister, die Suchmaschinen Optimierung anbieten, und die eigene Site auf einer guten Platzierung haben...
Stefan Wey
Wie auch immer, mit der richtigen internen und vorallem externen Verlinkung kann man auch mit solch fehlerhaftem Markup gute Ergebnisse erzielen bei Google *g*
Erstens wundere ich mich über die Argumentation von Herrn Göldi, der in Boston sitzt nicht mehr für Namics arbeitet und nach Angabe von ArgYou AG noch nie eine Studie von ArgYou in der Hand gehalten hat, sich aber trotzdem berufen fühlt sich darüber massenhaft öffentlich auszulassen. Das gleiche gilt wohl für alle anderen Kollegen, welche auf dieser höchst zweifelhaften Plattform schreiben.
Ausgenommen Herr Salvato von Aseantic, der offensichtlich hier die Kundensicht vertritt - genau wie ich.
Wir als Kunde von ArgYou AG sind äusserst zufrieden über die unabhängige wissenschaftliche Expertise, welche uns hilft international den Überblick zu behalten und gleichzeitig unsere Konkurrenz im Auge zu behalten. Vorher wurden wir von Webfactories regelmässig übers Ohr gehauen und angeschummelt. Wir empfehlen Ihnen einfach ArgYou zu nutzen oder für immer zu schweigen!
Dr. Juilian Jobee
Aus Kalifornien
http://konvergenz.kaywa.com/allgemeines/argyou-und-webdienstleister-die-nachlese.html
Insbesondere bin ich bisher nicht ueberzeugt, dass der Kommentar von Dr. Julian Jobee authentisch ist.
In der letzten Ausgabe berichtete die Netzwoche über ‘Schweizer Webdienstleister auf dem Argumentenprüfstand’. Zwei der darin enthaltenen Aussagen über die ArgYou AG möchten wir berichtigen:
1) stimmt es nicht, dass Dr. Christoph Glauser von der ArgYou AG seine Studien mit dem Argument verkaufte, er erhalte für seine Messungen von Suchabfragen Daten von Google. ArgYou AG verwendet für die Messung der Nachfrage ausschliesslich eigene Daten und ergänzt diese mit öffentlich zugänglichen oder bezahlten Daten verschiedenster Suchseiten, Suchmaschinen, oft sogar mit internen Suchdaten der Webseiten der Kunden selber und verschiedenen Keyworddatenbanken.
2) stimmt es nicht, dass Glauser kritische Anmerkungen zu seinen Studien als rufschädigend erachtet. Er hat im Gegenteil nicht gegen die kritische Berichterstattung der Netzwoche Stellung genommen, sondern sich nur gegen persönlichkeitsverletzende und unwahre Passagen des Entwurfs des erwähnten Artikels gewehrt. Die meisten dieser Passagen wurden von der Redaktion der Netzwoche vor der Drucklegung entfernt, weil sie tatsächlich problematisch waren.
Redaktion Netzwoche
Die genannte Gegendarstellung der Firma ArgYou ist in der Netzwoche zwar tatsaechlich erscheinen, die Redaktion bleibt aber bei ihrer urspruenglichen Darstellung. Es handelt sich bei diesem Kommentartext also um die Meinung von ArgYou, nicht diejenige der Netzwoche.
Mehr dazu in Kuerze. Obwohl der Kommentar offensichtlich unter falschem Namen hier publiziert wurde, lasse ich ihn aus Dokumentationsgruenden vorerst stehen.