Venture Capital: Sechs magere Jahre

Jungunternehmer neigen gern dazu, heimlich auf Venture-Capital-Firmen zu schimpfen. Klar, man braucht sie, um Startups zu finanzieren, aber ist es nicht eigentlich ungerecht, dass die VCs dicke Gewinne einstreichen, während die armen Unternehmer die eigentliche Arbeit machen? Und wo ist eigentlich das "Venture" in Venture Capital, wenn VCs zunehmend nur noch in todsichere Erfolgsstories investieren und nicht in wirklich risikoreiche Startups?

Don Dodge stellt auf seinem Blog eine interessante Rechnung auf, die die VC-Realität erheblich düsterer darstellt. Demzufolge haben VCs und Business Angels (also private Investoren) zwischen 2001 und 2006 in den USA im Durchschnitt $40 Mia. pro Jahr investiert, aber nur Exits für durchschnittlich $18 Mia. geschafft. Das heisst, da wurden nicht etwa nur magere Renditen erwirtschaftet, sondern reichlich Geld in den Sand gesetzt.

Nun ist Venture Capital eine recht langfristig angelegte Sache, und darum kann man Investments und Exit-Erlöse im gleichen Jahr nicht gegenüberstellen. Aber trotzdem sehen die meisten VCs gern einen Exit nach spätestens fünf Jahren. Und auch damit sieht's nicht gut aus: 2001 wurden $62.1 Mia. investiert, und im dafür theoretisch gewünschten Exit-Jahr 2006 nur knapp $22 Mia. erlöst. Ganz offensichtlich waren die letzten paar Jahre also ausgesprochen mager für Venture Capital. Insbesondere können VCs nicht mehr auf die spektakulären Börsengänge von einst zählen: Nur etwa ein Drittel der Exit-Erlöse wurde 2006 mit IPOs generiert.

Übermässiges Mitleid mit den Top-VCs ist allerdings fehl am Platze: Erstens landen die grossen Gewinne meistens bei den Top 20% der VC-Firmen, während die kleinen Player oft ganz leer ausgehen. Und zweitens folgte diese magere Phase auf eine spektakuläre Zeit der gigantischen IPOs, wo sich VCs dumm und dämlich verdient haben. Konkreter: Im Jahr 1999 wurden Exits für $56 Mia. erzielt, 2000 gar für $87.9 Mia., bis 2002 schrumpfte der Markt dann auf kümmerliche $7 Mia. Auf eine 10-Jahres-Perspektive gerechnet (die typische Laufzeit eines VC-Fonds) gleicht sich das alles einigermassen aus.

Trotz allem fragt man sich, ob sich da nicht eine grössere Konsolidierung in der VC-Branche ankündigt. Es sieht nicht danach aus, als ob der IPO-Markt wieder zu Internet-Bubble-Niveaus zurückkehren würde. Und auf die Dauer werden die Investoren kaum willens sein, solche schlechten Resultate zu akzeptieren.

Hier im MIT-Umfeld (wo ich mich derzeit aufhalte), das stark von VC-Firmen beackert wird, spürt man zumindest eine ziemlich grosse Nervosität. Viele der grossen VC-Firmen fangen an, mit neuen Methoden zu experimentieren, aber bisher noch mit wenig sichtbarem Erfolg. Wer weiss, vielleicht müssen sich Startups bald nach anderen Finanzquellen umsehen.

Was treiben eigentlich "Digital Natives" im Internet?

Sie sind Gegenstand vieler aktueller Businesspläne und Objekt der Begierde in der Werbebranche: Die "Digital Natives", die nach 1980 geborene junge Zielgruppe, die sich nicht mehr an eine Zeit ohne Handy und Internet erinnern kann. Darum verhält sich diese Altersgruppe auch (angeblich) in ihrem Medienkonsum ganz anders als die älteren demographischen Segmente und ist darum Gegenstand vieler Spekulationen.

Eine neue Studie von "Youth Trends" (abrufbar bei eMarketer.com) hat nun untersucht, welche Websites junge Amerikaner zwischen 17 und 25 Jahren bevorzugt besuchen.

Die weitaus dominierende Website bei jungen Frauen wie Männern ist das studentenorientierte Social Network Facebook, dessen deutsche Kopie StudiVZ neulich vom Holtzbrinck-Verlag gekauft wurde. Kein Wunder, an amerikanischen Colleges und Highschools ist Facebook schon längst absolute Pflicht und Voraussetzung für jegliche Form sozialer Aktivität. Messages per Facebook haben für viele längst die e-Mail als Kommunikationsmittel ersetzt.

Der einstige Networking-König MySpace hingegen rutscht ab: Nur Platz zwei bei den Frauen und ein abgeschlagener Platz 6 bei den Männern. Das illustriert einmal mehr, wie vergänglich der Erfolg im Social-Networking-Markt sein kann. Vor noch knapp einem Jahr war MySpace klar führend.

Der Rest ist fast schon peinlich klischeehaft: Neben den üblichen Verdächtigen YouTube, Yahoo und Google besuchen junge Frauen am liebsten Klatsch-Sites wie "Pink ist the new Blog", junge Männer schauen sich lieber Sportseiten wie ESPN an. Die Frauen sind etwas intellektueller und zählen die New York Times zu den Top 10, während die Männer wissbegierig häufig Wikipedia konsultieren. Mit anderen Worten: So gigantisch ist der Unterschied zwischen "Digital Natives" und normalsterblichen älteren Usern wohl doch nicht.

Ob Facebook seine führende Rolle bei der jungen Zielgruppe auch in finanziellen Erfolg umsetzen kann, ist nicht so klar. Eine durchgesickerte interne Schätzung von Facebook spricht von einem Werbeumsatz von $172 Mio. für 2007, und laut vieler Beobachter sollte das auch ungefähr zu schaffen sein. Klingt nach viel, aber nur so zum Vergleich: So viel Werbeumsatz macht Google in knapp einer Woche. Manche in der Werbebranche sind Facebook gegenüber auch sehr kritisch eingestellt. Angeblich hat Facebook miserable Click-Through-Raten, was in Kombination mit der natürlich wenig zahlungskräftigen Zielgruppe die Attraktivität als Werbemedium dramatisch reduziert.

Warren Buffett: Ade, Du gute alte Zeitungs-Zeit

Dass Warren Buffett ein ausgesprochen kompetenter Investor mit einem exzellenten Sinn für wirtschaftliche Trends ist, braucht man wohl kaum gross auszuführen. Sonst wäre er kaum der zweitreichste Mann der Welt.

Wenn so jemand plötzlich seine Einstellung einer ganzen Branche gegenüber ändert, lässt das aufhorchen. Erst recht dann, wenn er selber massgebliche Beteiligungen in dieser Branche hält. Und Buffett tut genau das mit der Zeitungsbranche.

In seinem legendären jährlichen "Chairman's Letter" schreibt der Mitbesitzer von Washington Post und Buffalo News:

"When Charlie [Munger] and I were young, the newspaper business was as easy a way to make huge returns as existed in America. As one not-too-bright publisher famously said, 'I owe my fortune to two great American institutions: monopoly and nepotism.' No paper in a one-paper city, however bad the product or however inept the management, could avoid gushing profits.

The industry’s staggering returns could be simply explained. For most of the 20th Century, newspapers were the primary source of information for the American public. Whether the subject was sports, finance, or politics, newspapers reigned supreme. Just as important, their ads were the easiest way to find job opportunities or to learn the price of groceries at your town’s supermarkets.
[...]
Now, however, almost all newspaper owners realize that they are constantly losing ground in the battle for eyeballs. Simply put, if cable and satellite broadcasting, as well as the internet, had come along first, newspapers as we know them probably would never have existed."
Autsch.

Buffett geht davon aus, dass in Zukunft mehr und mehr Zeitungsunternehmen von "Non-economic Buyers" gekauft werden, also von Leuten, die eine Zeitung nicht aus ökonomischen Gründen, sondern zwecks Steigerung der eigenen Prominenz besitzen wollen. In Amerika passiert schon seit langer Zeit das gleiche mit Sportteams: Weil die meisten Basketball-, Football- und Baseballvereine aus eigener Kraft nicht überleben können, sind sie zum teuren Hobby reicher Leute geworden.

(via Medienspiegel)

Amerikanische Zeitungen kapieren das Internet noch immer nicht -- und Microsoft hilft ihnen auch noch

Man reibt sich die Augen, wenn man von Microsofts neuster e-Paper-Initiative liest: Nach einem Pilotversuch mit der New York Times will Microsoft seinen News Reader nun auch für andere grosse amerikanische Zeitungen rausbringen, darunter Titel von führenden Verlagen wie Hearst, Forbes und Associated Newspapers.

Microsoft News Reader ist von der Idee her eine recht nette Applikation (wenn auch nur für Windows erhältlich): Man kann sich damit den ganzen Inhalt einer aktuellen Zeitungsausgabe auf die Maschine runterladen und z.B. mit dem Laptop unterwegs offline lesen. Das Layout ist sehr zeitungsähnlich aufgebaut, aber gut auf die Bildschirmauflösung angepasst. Insgesamt ist diese Mischung aus e-Paper und Offline-Webbrowser gar nicht schlecht gemacht.

Aber nun kommt der absurde Punkt: Pro Zeitungstitel muss man sich eine jeweils neue, getrennte Applikation installieren. Das mag ja ganz OK sein, wenn man nur an einem einzigen Titel interessiert ist, aber bisher dachte ich immer, dass wir in den Zeiten des Internets gerade den Vorteil geniessen, mal eben spontan bei ganz unterschiedlichen Publikationen reinschauen zu können.

Begründung aus Richtung Microsoft: Die Zeitungsverlage finden es eben wichtig, dass sie ihr Layout möglichst genau wiedergeben und ihr Produkt möglichst rein von fremden Inhalten präsentieren können. Ich vermute mal, dass Microsoft die finanziellen Konditionen auch noch sehr attraktiv gestaltet hat (mit anderen Worten: Den Verlagen was zahlt), was in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten natürlich nicht schadet.

Wie es bei Microsoft gelegentlich angeblich vorkommen soll, ist die Software leider auch noch ziemlich buggy. Meine frisch upgedatete Version des NYT-Readers zeigt mir zum Beispiel gerade folgende Homepage an:



Diese Meldung über Hedge Funds muss ja nun wirklich wichtig sein, dass sie so oft wiederholt wird (sogar im Sportteil...). Das stärkt eindeutig mein Vertrauen in den Brand "New York Times" ganz massiv, dieses Erlebnis...

Es ist wirklich kaum zu glauben, wie hirnrissig diese Lösung ist. Es gibt auf dem Markt bereits sehr gute offline-fähige E-Paper-Lösungen von Zinio oder PressDisplay, die mit einer einzigen Applikation den Zugriff auf hunderte von Titeln erlauben (beispielsweise auch zu einzelnen Ausgaben). Und die meisten grösseren Zeitungen haben bereits gut gemachte Websites, die deutlich mehr Funktionalität bieten. Wie man da in diese kundenunfreundliche Steinzeit-Mentalität zurückfallen kann, ist mir wirklich ein Rätsel.

Dass sich all diese namhaften Verlage für eine so misslungene Lösung entschieden haben, ist wirklich kein gutes Zeichen. Und vielleicht ist es bezeichnend, dass sie das in Zusammenarbeit mit einem weiteren Quasi-Monopolisten tun, dessen Reich langsam anfängt zu bröckeln...

Begriffsverwirrung: Blogs oder Internet-Tagebücher?

Die deutschsprachigen Medien haben neuerdings ein zunehmend ernster werdendes begriffliches Problem: Immer häufiger müssen sie über Blogs und Blogger berichten, weil die irgendwo relevant in Erscheinung getreten sind, im Moment zum Beispiel gerade in ziemlich tragischer Weise in Ägypten.

Interessant ist, wie unterschiedlich Zeitungen mit dem Begriff "Blog" umgehen: Einige (z.B. Spiegel, Focus, Blick) benutzen den Ausdruck, als ob er völlig selbstverständlich wäre. Andere (z.B. die NZZ) schreiben im Artikel-Lead noch etwas gewunden vom "Internet-Tagebuchschreiber", benutzen aber auch sonst mehrheitlich "Blogger". Und wenn die Rheinische Post über das Blog von Victoria Beckham berichtet, ist "Online-Tagebuch" ja auch ein sachlich korrekter Begriff.

Etwas schwerer mit neumodischen Anglizismen tut sich scheinbar die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die FAZ klärte vor einigen Tagen ihre Leserschaft noch ausführlich über das scheinbar immer noch exotische Thema auf:

"Früher hieß es beim bunten Abend gern 'Jekami'. Das Grundprinzip ist dasselbe geblieben: Jeder kann mitmachen. Nur organisiert sich das Ganze jetzt weltweit in Internet-Tagebüchern, so genannten Weblogs. [...]
Genauso kann heute jeder, der einen Computer und einen Internetzugang besitzt, Texte halbwegs professionell layouten und publizieren. Was die Texte taugen, steht auf einem anderen Blatt."

Ah ja. Aber immerhin, selbst bei der FAZ kriegt man bei einer Volltextsuche nach "Blog" inzwischen mehr Treffer als für die entsprechenden deutschen Begriffe. Das Phänomen wird also immerhin wahrgenommen, wenn auch nicht unbedingt respektiert.

Einen Preis für die misslungenste Verweigerung von Anglizismen verdient aber der Autor einer Unternehmensmeldung in FAZ.net über die deutsche Telekom. Der verwendete nämlich merkwürdige Wortschöpfungen wie "Mitmach-Web", "virtuelle soziale Netze" oder "Start-Up-Gesellschaft". Und am schönsten:

"Bereits 2005 hat die Mediengruppe News Corp von Rupert Murdoch für 580 Mio USD das Internet-Tagebuch MySpace geschluckt."

MySpace? Ein "Internet-Tagebuch"? Mit Verlaub, das ist nicht nur begrifflich ziemlich weit daneben, sondern schlicht und ergreifend sachlich komplett falsch.

Da sind wir ja aber wieder mal froh, dass nicht jeder einfach so Journalist werden und in angesehenen Tageszeitungen schreiben kann. Nicht wie bei Bloggern.

 

Gast-Bloggen bei Bruno Giussani

Bruno Giussani hat mich eingeladen, als Gast-Blogger auf seinem exzellenten (und preisgekrönten) Blog Lunch over IP zu schreiben. Herzlichen Dank, ist mir eine grosse Ehre!

Mein Beitrag dort ist eine englisch übersetzte Version meines Posts von neulich hier im Blog über Technologie-Unternehmentum in USA und Europa.

Wer Brunos Blog noch nicht kennt: Unbedingt regelmässig lesen! Meiner Meinung nach ist das etwas vom Besten überhaupt in der Blogsphäre.

ArgYou und Webdienstleister: Die Nachlese

Mein Post von neulich über die fragwürdige neue Studie von Argyou.com zum Thema Webdienstleister hat inzwischen doch noch einiges an Reaktionen hervorgebracht.

Die Fachzeitschrift Netzwoche bringt in ihrer neuen Ausgabe (06-2007, online nicht zugänglich) einen ziemlich scharfen Artikel, in dem ich unter anderem auch zitiert werde. Im Editorial schreibt Redakteur Michael Fritschi:
"Mehr als eine magere Pressemitteilung dazu [zur Studie von ArgYou] gibt es auch diesmal nicht. Seriöse Marktforschungsunternehmen stellen der Öffentlichkeit zumindest eine Management Summary zur Verfügung, auf der die wichtigsten Resultate begründet sind. Dies gehört ebenso zum Standard wie die persönliche Verfügbarkeit für Presseanfragen nach dem Versand einer Medienmittteilung.

Stattdessen bewertet Glauser [der Inhaber von ArgYou.com] kritische Anmerkungen zum Zustandekommen seiner Studien bereits als rufschädigend. Doch die Frage der Rufschädigung stellt sich viel eher bei seinen Resultaten."
In meinem Blog habe ich auch einige Kommentare gekriegt, mehrheitlich zustimmende.

Kritisch meinem Beitrag gegenüber hat sich Aseantic-Chef Gian-Franco Salvato geäussert, der die Studie ursprünglich in Auftrag gegeben hat. Sein Vorwurf, dass mein "Gegentest" mit Google-Suchbegriffen nicht repräsentativ sei, trifft natürlich zu, aber das hatte ich ja auch ausführlich so deklariert. Es ging darum zu zeigen, dass man die Validität der Studie mit einem ganz einfachen Experiment widerlegen kann. Den Anspruch, eine verlässliche Gegenthese aufzustellen, hatte ich nie. Ich bin ja kein Marktforscher.

Gian-Francos Methode allerdings, die Relevanz eines Suchbegriffs nach der Zahl der total gefunden Treffer auf Google zu beurteilen -- "Internet-Dienstleister" wird ca. 11'000mal gefunden, "Web-Dienstleister" hingegen nur 742mal -- , halte ich hingegen für problematisch. Nach der gleichen Logik wäre Paris Hilton (428'000 Treffer bei Google Schweiz) für die Schweiz die relevantere Person als Bundesrätin Micheline Calmy-Rey (347'000 Treffer). Die Diskussion sparen wir uns lieber...


Besonders interessant ist der Kommentar von "Dr. Julian Jobee aus Kalifornien":

"Erstens wundere ich mich über die Argumentation von Herrn Göldi, der in Boston sitzt nicht mehr für Namics arbeitet und nach Angabe von ArgYou AG noch nie eine Studie von ArgYou in der Hand gehalten hat, sich aber trotzdem berufen fühlt sich darüber massenhaft öffentlich auszulassen."
Nun, ArgYou und namics haben mehrere gemeinsame Kunden, weshalb ich versichern kann, dass ich selbstverständlich Zugang zu ArgYou-Studien hatte. Der Sinn der Studien wäre ja gerade, eine Website zu verbessern, und das macht bei den meisten Firmen eben der externe Webdienstleister.

"Wir als Kunde von ArgYou AG sind äusserst zufrieden über die unabhängige wissenschaftliche Expertise, welche uns hilft international den Überblick zu behalten und gleichzeitig unsere Konkurrenz im Auge zu behalten. Vorher wurden wir von Webfactories regelmässig übers Ohr gehauen und angeschummelt. Wir empfehlen Ihnen einfach ArgYou zu nutzen oder für immer zu schweigen!"

Nun gut. Deutliche Worte.

Dieser User hinterlässt als URL "www.ebay.de", was zusammen mit dem "aus Kalifornien" den Eindruck erwecken könnte, dass hier ein Vertreter von eBay als zufriedener ArgYou-Kunde schreibt. Und da würde es mich natürlich ehren, dass sich Dr. Jobee extra über meine aktuellen beruflichen Verhältnisse informiert hat.

Aber ist das wirklich so? Was im öffentlichen Blog nicht ersichtlich ist, aber bei meiner internen Kommentardatenbank: Dr. Julian Jobee hinterliess als Kontakt-e-Mail eine Adresse bei Yahoo. Interessant, ist das nicht ein eBay-Konkurrent? Wenn man Dr. Jobee googelt, findet man nur einen Treffer, und zwar eine überschwänglich positive Antwort auf einen ZDNet-Artikel über ArgYou.com. Keine Spur von einer Verbindung zu eBay.

Noch interessanter: Der Beitrag wurde verfasst von einer IP-Adresse aus, die nicht in Kalifornien, sondern in der Schweiz bei Cablecom registriert ist. Und rein zufällig werden die Webserver von ArgYou offensichtlich im gleichen Subnet betrieben (eine bzw. zwei IP-Adressen Differenz) wie diese IP-Adresse. Allem Anschein nach wurde dieser Kommentar also im Netz von ArgYou geschrieben.

Die wohlwollende Interpretation dieser Sachverhalte wäre: Dr. Julian Jobee ist ein begeisterter ArgYou-Kunde, gibt aber zur Spam-Vermeidung lieber seine private e-Mail-Adresse an und war gerade zufällig auf Arbeitsbesuch in den ArgYou-Büros, als er diesen Blogkommentar schrieb.

Die weniger wohlwollende Interpretation: ArgYou erlaubt sich, hin und wieder mal unter falschen Namen Kommentare in eigener Sache zu verfassen.

Ich überlasse gern dem Leser die Bewertung...

 

UPDATE: Jörg Eugster verweist unten in einem Kommentar auf einen seiner Blog-Einträge, auf dem unter anderem eine echte ArgYou-Studie herunterladbar ist.  Sehr lesenswert (der Blog-Eintrag, nicht die Studie). Die Inhalte der Beispielstudie entsprechen etwa dem, was ich selbst in mehreren Fällen von ArgYou gesehen habe.

 

Amerika, Du hast es besser? Technologieunternehmertum in den USA und Europa

Das World Wide Web, MP3, Skype (also Peer-to-Peer VoIP), Linux: Diese vier Schlüsselinnovationen haben eines gemeinsam: Sie wurden in Europa erfunden, aber das Geld verdienen damit heute primär amerikanische Konzerne, und zwar fast ausnahmslos relativ junge Firmen wie Microsoft, Google, eBay, Amazon und Yahoo. Und das bestätigt scheinbar wieder mal das alte Vorurteil, dass die Europäer vielleicht oft die besseren Forscher, die Amerikaner aber eindeutig die besseren Unternehmer sind.

Warum ist das so? Ich verbringe jetzt schon gut acht Monate hier in Boston am MIT, einem der Zentren amerikanischen Technologieunternehmertums. Vor dem Hintergrund der Einsichten hier vor Ort und meiner europäischen Erfahrungen als Mitgründer einer Internetfirma möchte ich mal ein paar Thesen darüber aufstellen, was in Amerika anders ist für Leute, die eine Firma gründen wollen. Und was Europa möglicherweise davon lernen könnte.


1. Skala und Sprache: Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an. Die USA sind der grösste homogene Markt der Welt mit einer gemeinsamen Sprache, einem durchgängigen Rechtssystem, einer ausgebauten Infrastruktur und einem einigermassen durchgängigen Wohlstandsniveau. Weder das fragmentierte Europa noch China und Indien mit ihren riesigen Unterschieden zwischen Stadt und Land können da auch nur annähernd mithalten. Ein Startup hat in den USA 300 Millionen potentielle Kunden gleich vor der Haustür, und das ist in der Wachstumsphase ein enormer Vorteil. Internationalisierung ist teuer, und gerade Firmen in frühen Phasen tun sich damit schwer.

Allerdings haben amerikanische Firmen dafür umso mehr Mühe, sich an andere Märkte anzupassen. Das zeigt sich schon in den Details: Ich habe häufig expandierende amerikanische Software-Startups erlebt, die kaum glauben konnten, dass es in Europa tatsächlich verschiedene Währungen gibt und Postleitzahlen nicht immer fünf Stellen haben. Und wie unterschiedliche nationale Mentalitäten in einem Verkaufsgespräch relevant sein könnten, verstanden sie schon gar nicht. Das ist eine Chance für europäische Firmen, denn dort ist man von Anfang an gezwungen, international zu denken.


2. Unternehmertum ist für (fast) jeden erstrebenswert. Kürzlich gelesen: Google lud Schulmädchen aus der siebten Klasse dazu ein, auf dem Googleplex ihre Businesspläne zu präsentieren. Damit will man den Kindern schon in einer frühen Phase beibringen, unternehmerisch zu denken. Hier am MIT kann man sich als Student pausenlos mit Businessplan-Wettbewerben, Venture-Capital-Konferenzen, Startup-Kursen und dergleichen beschäftigen, und praktisch jeder denkt ständig über Startup-Ideen nach. In Europa geht man als Student lieber zur Firmenpräsentation einer soliden Grossbank.

Es ist tatsächlich so: Der amerikanische Traum vom sozialen Aufstieg beflügelt die Amerikaner, und erfolgreiche Unternehmer sind für viele das grösste Vorbild. Sich eine eigene Firma zu wünschen, ist in den USA so selbstverständlich wie es in Europa ist, gleich mal nach dem Staat zu rufen, wenn es wirtschaftlich eng wird.

Dieser grundsätzliche Mentalitätsunterschied ist natürlich kaum zu kopieren, aber für Europa gibt es allemal Hoffnung. Man darf nicht vergessen, dass es auch in Amerika ein relativ neues Phänomen ist, Technologieunternehmer wie Bill Gates und Steve Jobs zu bewundern. Noch in den Glanzzeiten von General Motors in den fünfziger und sechziger Jahren war es allemal erstrebenswerter, bei einem Grossunternehmen zu arbeiten, statt in einer Garage sein Glück als Firmengründer mit obskurer Technologie zu versuchen. Langsam beobachtet man auch in Europa, dass Unternehmertum gesellschaftlich angesehener wird.


3. "Good enough"-Mentalität. Wohl niemand wird Microsoft, Oracle oder Dell bescheinigen können, Produkte makelloser Qualität zu bauen. Ein rechtschaffener europäischer Ingenieur würde sich oft schämen für das, was aus den amerikanischen Software- und Hardwareschmieden teilweise rauskommt. Amerikaner sehen das typischerweise anders: Das Produkt muss nicht perfekt sein, sondern gut genug, dass es der Kunde kauft. Schon an den Unis kann man den Unterschied erleben. Unter Informatikern am MIT erzeugt ein eleganter Hack allemal mehr Bewunderung als eine präzise Ingenieurs-Fleissarbeit.

Man könnte lange darüber streiten, ob das eine sinnvolle Einstellung ist oder eher der Grund für die vielen technischen Probleme, mit denen wir uns alle täglich herumschlagen müssen. Eins ist aber klar: Amerikaner gehen mit Ressourcen in dieser Hinsicht sehr viel sparsamer um und investieren nur so viel Aufwand wie nötig, um ein brauchbares Ergebnis zu erreichen.

Wohlgemerkt: Das funktioniert nur dann gut, wenn wie in der High-Tech-Branche die Produktzyklen sehr kurz sind und Geschwindigkeit und Kreativität wichtiger sind als Perfektion. In reifen Branchen funktioniert das nicht, wie man derzeit drastisch am Niedergang der amerikanischen Automobilindustrie verfolgen kann.

Vielleicht ist das die Chance für europäische (und auch japanische) Softwarefirmen: Je mehr die Softwarebranche reift, umso mehr verlangen die Kunden Qualität und Exaktheit. Und das können andere besser als die Amerikaner.


4. Die richtige Art von Immigranten. Bei mehr der Hälfte der Silicon-Valley-Startups ist ein Erstgenerations-Immigrant massgeblich an der Gründung beteiligt. Karrieren wie die von Andreas von Bechtolsheim (Sun), Sergey Brin (Google), Jerry Yang (Yahoo) oder Pierre Omidyar (eBay) sprechen eine deutliche Sprache. Den meisten dieser Geschichten ist gemeinsam, dass die erfolgreichen Einwanderer schon in jungen Jahren in die USA kamen, spätestens als Student. Das ist eben der Vorteil eines Einwanderungslandes: Es lässt auch Fremde rein, die erst noch beweisen wollen, was sie drauf haben. Die europäische Einwanderungspolitik ist hingegen mehr darauf abgestützt, Leute erst einwandern zu lassen, wenn sie schon etabliert sind und -- die eigentliche Fehlkonstruktion -- einen Job vorweisen können bei einer europäischen Firma. So zieht man nicht potentielle Unternehmer an, sondern höchstens brave Konzernsoldaten.

Immerhin, Europa hat jetzt eine grosse Chance, weil Amerika aus Angst vor Terroristen und Überfremdung die Grenzen zunehmend dicht macht. In den neuen EU-Staaten warten zweifelsfrei viele hungrige junge Leute auf eine Chance. Und die sollte man ihnen geben.


5. Eine pragmatischere Rolle des Staates. Wenn europäische Politiker Unternehmertum fördern wollen, lassen sie grosse Technologieparks bauen, in denen Startups sich ansiedeln sollen. Nur sind Ausbaustandard und Preise meist eher für Grossunternehmen als für arme Firmengründer optimiert. Manchmal lehnen sich europäische Politiker auch ganz weit zum Fenster raus und befehlen Innovation von oben, wie beispielsweise beim deutsch-französischen Google-Killer "Quaero", der inzwischen längst gescheitert ist.

In den USA überlässt man all das, wie in so vielen Bereichen, lieber der privaten Initivative. Für Startups reicht eine Garage oder ein unbenutztes Schlafzimmer, warum soll man da Technoparks bauen? Und die Motivation zur Innovation ensteht aus anderen Quellen als aus politisch motivierten Programmen.

Allerdings: Ganz so "hands off" ist der amerikanische Staat dann doch nicht. Das MIT beispielsweise erhält immer noch einen Grossteil seiner Forschungsgelder aus staatlichen Quellen, oft in der Form von Auftragsforschung für Rüstungsprogramme. Wenn sich dann schlaue Doktoranden mit einer daraus resultierenden Idee selbständig machen, ist das ein absolut erwünschter Nebeneffekt. Der Staat kümmert sich primär darum, bei den Rahmenbedingungen keine Steine in den Weg zu legen.

Aber gerade hier gibt es aktuell auch wieder Chancen für Europa: Nach der Enron-Panik wurden nämlich durch den Sarbanes-Oxley-Act die Regeln für börsennotierte Gesellschaften derart verschärft, dass die IPO-Lust dramatisch gefallen ist. Erste Startups haben sich schon entschlossen, ihren Börsengang lieber in Europa durchzuführen.


Man könnte natürlich noch andere Dinge nennen, aber viele Aspekte -- wie z.B. die angeblich so viel höhere Risikofreude der Amerikaner oder die grössere Verfügbarkeit von Risikokapital -- sind meiner Meinung nach Resultate aus den oben genannten Faktoren. Ganz offensichtlich handelt es sich aber um Dinge, die sich nicht so leicht imitieren lassen.

Und wie man sieht, gibt es auch in Europa viele Vorteile gegenüber den USA. Ich glaube sogar, dass die Entwicklungsrichtungen im Moment in vielerlei Hinsicht eher für Europa sprechen: Die USA werden geschlossener, Europa öffnet sich (wenn auch langsamer als erhofft). London wird vermutlich bald New York als grösstes Finanzzentrum der Welt überholen, und der amerikanische VC-Markt wirkt derzeit recht orientierungslos. Kreative Firmen und Geschäftsideen aus Europa (wie Skype, FON, Plazes, MySQL, Netvibes, Trolltech) inspirieren potentielle Jungunternehmer, weil sie origineller sind als das meiste, was Silicon Valley derzeit hervorbringt.

Wenn die Dynamik in Europa noch weiter zunimmt und die Europäer weniger zurückhaltend darin werden, ihre Ideen selbstbewusst im grossen Stil zu kommerzialisieren, erwartet uns eine interessante Phase für das Technologieunternehmertum.

Social Networking: Danke, langsam reicht's

Das ist so die Art von Meldung, an der man merkt, dass ein Hype seinen Höhepunkt überschritten hat: Cisco (das sind die mit den Routern, also ein solider Hardwarehersteller) kauft die Firma Five Across, die Software für Social Networking herstellt.

Die Analysten sind begeistert, weil Social Networking ja bekanntlich den Internet-Traffic ankurbelt und damit die Nachfrage nach Cisco-Produkten. Oder so ähnlich. Dieses Argument ist natürlich Blödsinn, aber zeigt auch, warum Cisco den Deal wohl in Wirklichkeit gemacht hat: Weil die Analysten das gut finden. Weil sie im Moment alles gut finden, wo "Social Networking" draufsteht.

Das hat in letzter Zeit zu einer riesigen Welle von Firmengründungen in diesem Bereich geführt. Da die Mainstream-Themen schon weitgehend abgegrast sind, versuchen sich die Social-Network-Startups immer mehr zu spezialisieren. Ich beobachte die Web-Startup-Szene recht genau, und allein in den letzten Tagen sind mir neue Firmen in folgenden Bereichen aufgefallen:
  • Ein Social Network für Haustierbesitzer
  • Ein Social Network für Musiker
  • Ein Social Network für Eltern
  • Ein Social Network für Pre-Teens
  • Mehrere Social Networks für gemeinsamen Fernseh-, Film- oder Podcast-Konsum
  • Mehrere Social Networks für Reisen und Reiseberichte
  • Mehrere Social Networks für Mobilgeräte (und mit diversen Themen natürlich)
  • Etwa ein halbes Dutzend "Social Search Engines"
  • Diverse Firmen, die Social-Networking-Software (zum Selberbasteln) anbieten
Offensichtlich reicht es derzeit, ein beliebiges Thema mit Social Networking zu kreuzen, um Venture Capital zu kriegen. Und in vielen Fällen werden beliebige andere Geschäftsideen einfach als Social Network getarnt, weil das gerade hip ist. Keine sehr gesunde Entwicklung.

Wohlgemerkt, grundsätzlich halte ich Social Networking für eine tolle Sache. Ich war schon zahlender Kunde bei XING/OpenBC, als sie noch nicht so kommerziell waren [;-)], und ich war sogar schon vor mehr als zehn Jahren Mitglied bei der längst verblichenen Networking-Site sixdegrees.com, die das Thema vermutlich erfunden hat.

Aber im Ernst: Bei wie vielen Social Networking Sites kann man eigentlich sinnvoll Mitglied sein? Schliesslich muss man seine Kontaktlisten anlegen und ständig erweitern, Anfragen beantworten, sein Profil pflegen usw. Ich würde vorsichtig schätzen, dass ich bei etwa zwanzig Sites solche Mitgliedschaften habe (viele davon schon längst vergessen), aber wirklich gut nur ein bis zwei davon pflege -- in meinem Fall XING und das Alumni-Network meiner alten Uni.

Oft wird mit dem guten alten "Long Tail" argumentiert, dem zufolge im Markt Platz ist für ganz viele verschiedene Networks. Daran glaube ich nicht, denn gerade Social Networking unterliegt besonders stark dem Netzwerkeffekt: Ein Social Network wird erst dann nützlich, wenn möglichst viele Leute teilnehmen. Ein Network für Haustierbesitzer mit 50'000 registrierten Usern, von denen vielleicht 1'000 wirklich aktiv sind, ist recht nutzlos.

Gute Social Networks haben eine definierte, aber breite Zielgruppe, wie XING (Professionals) oder Facebook (Studierende). In beiden Fällen decken diese Networks übrigens die primäre berufliche Peer-Group ihrer User ab, also etwas, wofür man sich täglich stark interessiert. Auch möglich ist der Reiz von Exklusivität, wie etwa bei Alumni-Vereinigungen oder dem Reich-und/oder-schön-Network aSmallWorld. Aber beim ganzen Rest wird's schnell mal eng mit dem User-Interesse.

Darum werden die ganzen Nischen-Networks wohl bald einen ziemlichen Backlash erleben und wieder zu dem werden, was sie eigentlich sind: ganz normale Content- oder Service-Sites.

Und wieder mal eine fragwürdige Studie von ArgYou.com

Marktforschung ist eine merkwürdige Disziplin. Ihre Vertreter geben sich immer sehr seriös und wissenschaftlich, und es ist darum für die Kunden extrem schwierig, zwischen seriösen Forschern und Scharlatanen zu unterscheiden. Und wer schon in der Praxis mit Marktforschung zu tun hatte, weiss: Für fast jede Behauptung findet man eine passende Studie. Und zur Not lässt man sich eine anfertigen.

Die Marktforschungsfirma ArgYou.com hatte ich hier vor längerer Zeit schon einmal aufgrund ihrer Methoden kritisiert, die meiner Meinung nach ausgesprochen fragwürdig sind. Ich hatte in meiner Zeit als Berater schon einige Male mit den Arbeitsresultaten von ArgYou zu tun und war immer erstaunt darüber, wie man so etwas als seriöse Forschung (zumindest mit den von der Firma angepriesenen Aussagen) verkaufen kann.

ArgYou misst technische Dinge wie die Häufigkeit von Begriffen oder Dokumentenformaten (PDF, HTML, ...) auf Websites und leitet daraus Aussagen über die Zielgruppengerechtigkeit einer Website ab. Beispiel: Einmal hat die Firma festgestellt, dass e-Government-Websites mehr PDFs und e-Mail-Adressen enthalten als früher und aus dieser weitgehend belanglosen Tatsache messerscharf geschlossen, dass diese Sites jetzt bürgernaher geworden sind. Das ist etwa so, wie wenn man den nächsten Fussballweltmeister aufgrund der Trikotfarben der Mannschaften vorhersagen wollte.

ArgYou tritt in der Öffentlichkeit meist in Erscheinung mit einer regelmässig durchgeführten Studie über die "Wirksamkeit von Kantonswebsites". Während diese Untersuchungen am Anfang bei den Kantonen noch viel Aufmerksamkeit fanden, stehen inzwischen viele den Resultaten äusserst kritisch gegenüber. Die Fachzeitschrift Netzwoche berichtete in ihrer Ausgabe 03/2006 ausführlich über diese Studien (Artikel leider nicht online zugänglich) und deckte unter anderem auf, dass die von ArgYou behauptete Zusammenarbeit mit Google gar nicht existiert.

Heute liess die Firma ArgYou die Presse von ihrer neusten Untersuchung wissen: Pikanterweise hat man die Internetauftritte von Schweizer Web-Dienstleistern untersucht, also der Firmen, die eigentlich meisterliche Websites für sich selbst produzieren sollten. Gewonnen hat dabei unter anderem die Firma Aseantic, die laut Aussage der Newssite inside-channels.ch interessanterweise die Studie auch in Auftrag gegeben hat.

(DISCLAIMER: Ich bin Verwaltungsrat der Firma namics AG, die in dieser Studie (laut Pressemitteilung) auf dem letzten Platz gelandet ist -- was mich nicht überrascht, da sich namics-Leute schon mehrfach öffentlich negativ über ArgYou geäussert haben. Aber ich bin, wie gesagt, nicht erst seit heute kritisch eingestellt gegenüber ArgYou.)

Natürlich kann man die Studie nicht runterladen, und aus der dürren Pressemitteilung kann man nur erahnen, was die Kriterien gewesen sein könnten. Irgendwie geht es um die Auffindbarkeit der Firmen aufgrund der meistverwendeten Begriffe auf Suchmaschinen, wobei man sich fragt, woher ArgYou letztere kennen will, da z.B. Google wie erwähnt der Firma keine Daten gibt. Und auch ziemlich rätselhaft ist das Kriterium "wie häufig und wie gut der jeweilige Marken- oder Firmenname auf den Webseiten von aussen zu erkennen ist". Was wird da bitte gemessen? Wie oft der Firmenname auf der Homepage vorkommt? Wie gesagt, solche Dinge haben mit der Effektivität einer Website wirklich nichts zu tun, nicht mal mit der Auffindbarkeit.

Machen wir mal ein anderes Experiment und schauen nach, wie für typische Suchbegriffe, mit denen jemand nach Leistungen von Web-Dienstleistern suchen könnte, die vier erwähnten Firmen bei Google auffindbar sind (eingestellt auf "nur Seiten aus der Schweiz", getestet am 8.2.07):

  • "Content Management": namics auf Platz 13, aseantic auf 14, Unic auf 27, Garaio nicht unter den Top 30.
  • "Webdesign": Keiner unter den ersten 30.
  • "Web-Dienstleister": namics auf 1, Unic auf 14, die anderen nicht unter den Top 30.
  • "Microsoft Sharepoint": namics auf 3, übrige nicht unter Top 30.
  • "Day Communiqué": namics auf 4, Unic auf 6, andere nicht unter Top 30.
  • "Microsoft CMS": aseantic auf 1, namics auf 3, von den anderen keine Spur.
  • "Web Analytics": Unic auf 1, namics auf 3, Aseantic auf 10, andere nicht unter Top 30.
  • "Online-Werbung": namics auf 22, andere nicht unter Top 30
  • Die angeblich ebenfalls siegreiche Firma Garaio liegt nicht mal bei Suche nach ihrem eigenen Firmennamen auf Platz 1, was bei den anderen Firmen selbstverständlich der Fall ist.
Dieser kurze Versuch ist natürlich nicht repräsentativ, aber widerspricht den von ArgYou behaupteten Ergebnissen schon mal sehr deutlich, was mich, wie erwähnt, keineswegs überrascht.

Die Aussagen von ArgYou sind also recht problemlos widerlegbar. Etwas schade ist nur, dass die Fachpresse solche Pseudostudien immer wieder kritiklos aufgreift.
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