Gestern gesehen auf U1, dem Sender, bei dem ich mich als Zuschauer immer so einsam fühle: Die Klaus Stöhlker Talkshow (ehrlich gesagt frage ich mich, ob U1 Stöhlker dafür was zahlt oder umgekehrt, aber egal). Gesprächspartner des PR-Gurus war der nicht minder guruhafte Medienkolumnist und -berater Kurt W. Zimmermann.

In dem durchaus interessanten Gespräch, in dem die ganze Schweizer Medienlandschaft im Detail durchgehechelt wurde, sind mir zwei Dinge aufgefallen:

Erstens: Das Wort "Internet" kam genau einmal vor, und zwar in eher negativem Kontext in einem Nebensatz. Zumindest für das Schweizer Medien-Establishment ist das also wohl noch immer kein relevantes Thema.

Zweitens: Zimmermann zog das Fazit, dass klassische Tageszeitungen immer mehr zu einem elitären Medium werden. Der Pöbel schaut fern oder liest "20 Minuten", die Abonnentenschaft der Tageszeitungen hingegen besteht zunehmend nur noch aus den höher gebildeten und gut verdienenden Schichten. Wenn man sich die Leserzahlen anschaut, hat er da wohl recht.

Aber ein Gedanke dazu: Was wir hier beobachten, ist nur die Ausdifferenzierung des einst homogenen Mainstream-Mediums Zeitung. Früher war es selbstverständlich, eine Tageszeitung abonniert zu haben, heute ist es das nicht mehr, sondern fast schon ein Luxus, den man sich als interessierter Staatsbürger gönnt.

Letztlich passt sich die Zeitungslandschaft damit anderen Medien an: Es gibt (kleine) elitäre Kanäle und (grosse) populäre. Auch das Internet hat relativ elitäre Anwendungen, z.B. immer noch das Lesen und Schreiben von Blogs. Selbst fernsehen kann man elitär: Die Special Night mit alternativen Dokumentarfilmen aus Aserbeidschan auf Arte entspricht wohl kaum dem typischen Image des Fernsehens als Massenverblödungs-Medium.

Für die Zeitungen ist das aber ein relativ neues Phänomen. Und was das für ihr Businessmodell bedeutet, darüber kann man derzeit nur spekulieren (oder ins Ausland schauen).

Interessant war noch die letzte Frage von Stöhlker: Werden wir in fünf Jahren die gleichen Medien haben oder andere? Antwort Zimmermann: "Die gleichen". Gut, dass er das nicht vor fünf Jahren gesagt hat, sonst hätte er wohl den Aufstieg der heute leserstärksten Zeitung sowie gewisse strukturelle Änderungen in der Fernsehlandschaft falsch vorhergesagt...