E-Paper ist eine dieser Technologien, die eigentlich nur auf Anbieterseite für echte Begeisterung sorgen: Für die Verleger von Printmedien ist es eine einfache und billige Variante, ihren Content im Internet wiederzuverwerten. Der jeweilige Print-Titel wird tagesaktuell mit ein paar Konvertierungsprogrammen einfach eins zu eins in DHTML umgewandelt, und fertig ist der Web-Content.

Dass E-Paper-Ausgaben von Zeitungen so ziemlich jede Usability-Regel verletzen, die man nur verletzen kann, steht da auf einem anderen (E-)Blatt. Zeitungslayouts sind nun mal gemacht für die Wiedergabe auf grossen Flächen einer Substanz aus zerquetschten toten Bäumen (aka Papier), nicht für relativ kleine Computerdisplays mit immer noch bescheidener Auflösung. Da die User das selbst auch merken, beschränkt sich der Erfolg von E-Paper heute grösstenteils auf kleine Nischenmärkte, zum Beispiel Leser in Übersee, die auf diese gerade noch tolerable Weise tagesaktuell zu ihrer Lieblingszeitung aus der Heimat kommen.

Eigentlich schade, denn der ganze schöne Content verstaubt so auf den Servern, statt der verdienten breiten Nutzung zugeführt zu werden. Die Verleger finden aber kollektiv E-Paper immer noch toll, vermutlich, weil man business- und contentmässig nicht so stark umdenken muss wie bei "richtigen" Websites. Darum kann man nur hoffen, dass wenigstens die diversen E-Paper-Lösungen langsam besser werden. Aus diesem Grund probiere ich gern mal die neusten Angebote in diesem Bereich aus.

Da wäre zum Beispiel die aktuelle Version von Zinio. Dieser Anbieter konzentriert sich auf Zeitschriften, die über eine Offline-Anwendung auf dem PC gelesen werden. Anders als bei den meisten E-Paper-Anwendungen kann man also die Produkte auch unterwegs ohne direkte Netzwerkconnectivity konsumieren, was allemal sinnvoll ist. Zinio bietet eine recht breite Auswahl an Magazinen aus allen möglichen Bereichen an, darunter auch renommierte Titel wie Harvard Business Review und BusinessWeek. Leider scheint Zinio noch nicht mitgekriegt zu haben, dass auch ausserhalb des englischsprachigen Raums lesenswerte Magazine existieren -- die Titelliste konzentriert sich auf amerikanische Zeitschriften mit einem gelegentlichen Ausreisser aus England.


Einige der, äh, Fachmagazine, die es bei Zinio virtuell zu kaufen gibt.


Aber immerhin ist die Reader-Applikation inzwischen brauchbar genug, dass man sich auf einigermassen erträgliche Weise die gekauften Titel zu Gemüte führen kann. Man kann zudem interessante Stellen markieren und Volltextsuchen über alle bei Zinio verfügbaren Magazine durchführen. Insgesamt nicht berauschend, aber brauchbar.

Jetzt gerade auf den Markt gekommen ist eine neue Version von PressDisplay.com. Wie es derzeit Mode ist, verwendet der Web-Client fleissig die neue AJAX-Technologie (Für Nichttechniker: Das hat nichts mit Putzmitteln zu tun, sondern ist die derzeit populärste neue Variante, wie man interaktive Web-Applikationen programmiert). Dazu kommt eine downloadbare Offline-Applikation, mit der man die digitalen Zeitungen herunterladen und auch unterwegs konsumieren kann (angeblich zumindest; die Beta-Version habe ich bei mir noch nicht zum Laufen gekriegt).


Viel Geklicke beim Zeitunglesen auf PressDisplay.com


PressDisplay bietet Zeitungen aus aller Welt an, vorwiegend grössere Titel. Aus der Schweiz sind das z.B. der Tagesanzeiger, 24heures oder die Handelszeitung. Das billigste Monatsabo kostet $9.95, und dafür kann man jeden Tag eine Zeitung nach Wahl runterladen (oder gleich 31 an einem Tag). Ein angenehm flexibles Modell, gerade, wenn man je nach Tagesaktualität an verschiedenen Titeln interessiert ist. Leider hält die schöne neue Technologie nicht, was sie verspricht. Das Interface ist zwar einfach zu benutzen, aber das Lesen einer kompletten Zeitung artet wirklich zum Geduldsspiel mit viel Scrollerei und Clickerei aus. Hinzu kommt, dass gekaufte Ausgaben nur für einige Tage abrufbar bleiben - auch nicht gerade kundenfreundlich.

Insgesamt enttäuscht auch diese neuste Generation der E-Paper-Angebote. Das liegt vermutlich weniger an der eigentlichen Implementierung als am Konzept an sich: Zeitunglesen auf dem Bildschirm ist ein bisschen, als ob man die Mitschrift einer Radiosendung auf Papier lesen würde -- Der Inhalt kommt zwar grundsätzlich rüber, aber das Erlebnis funktioniert nicht wirklich. Andere Kombination sind vergleichbar unglücklich. Fernsehen auf dem Handy beispielsweise.

Bei aller Konvergenz hat halt jedes Medium seine spezifischen Eigenschaften, und wenn man das ignoriert, kommt nichts Brauchbares raus.